Billigflieger
Ryanair ist das Lachen vergangen

Nach Jahren des Wachstums kämpft nun auch der Billigflieger Ryanair mit einem Gewinneinbruch. Die Iren um Michael O'Leary sind Opfer ihrer Ambitionen - und müssen nun um die Vorherrschaft zittern.
  • 9

DüsseldorfSo pessimistisch hatte man Ryanair-Chef Michael O'Leary selten erlebt. Normalerweise ist der Ryanairchef für seine klamaukigen Auftritte und angriffslustigen Sprüche bekannt. Bei der Präsentation von Rekordzahlen im Mai übte er sich in Bescheidenheit. Auch Ryanair lasse die Krise nicht kalt: „Rezession, Sparmaßnahmen, Währungssorgen und niedrigere Flugpreise“ belasten die Bilanz des erfolgsverwöhnten Billigfliegers. Im gesamten Geschäftsjahr 2012/13 erwarte er daher einen Gewinneinbruch von 20 Prozent.

Der pessimistische Ausblick des Iren hatte gute Gründe. Im zweiten Quartal haben sich die düsteren Aussichten von Ryanair bestätigt: Der Nettogewinn ist um 29 Prozent eingebrochen und beträgt noch 99 Millionen Euro. Der größte Billigflieger Europas ist Opfer der eigenen Ambitionen geworden. Nach einer langen Zeit des Wachstum mit jährlichen Zuwachsraten von 15 bis 20 Prozent stagniert der Markt für Billigflieger: In Europa ist ihr Marktanteil nach Angaben des "Low Cost Monitors 2012" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Jahresvergleich um zwei Prozentpunkte auf 24 Prozent geschrumpft. Nur noch in Nord- und Osteuropa wachsen die Billiganbieter.

In Deutschland fällt der Rückgang nach der Einführung der Luftverkehrssteuer besonders drastisch aus - hier schrumpfte das Angebot der Billigflieger um satte 14 Prozent. Vor allem die hohen Kerosinpreise zwingen die Airlines zum Sparen, wenn sie nicht ihr wichtigstes Werbeargument antasten wollen - den Preis.

Der Spielraum wird enger. Im vergangenen Jahr hatten die Iren ihre Ticketpreise bereits um vier Prozent angehoben, um die geringe Auslastung und den hohen Kerosinpreis auszugleichen. Doch höhere Preise, gibt O'Leary zu, seien nun keine Option mehr. Die Kosten könnten nicht ohne weiteres an die Kunden weitergereicht werden. Um weiter günstiger zu sein als die Konkurrenz, muss nun am Angebot gespart werden. Allein in Deutschland wurden 40 Prozent der angebotenen Flüge zusammengestrichen. Zur Wintersaison denkt Ryanair darüber nach, 80 der 270 Flugzeuge in der Flotte stillzulegen.

Am Komfort an Bord kann nicht mehr gespart werden, denn hier hat Ryanair ohnehin nahezu alle Optionen ausgeschöpft. Den Iren gehen die Ideen aus, wie weiter gespart werden kann. Darum schreckte der Ryanair-Chef zuletzt nicht davor zurück, seinen Stewardessen eine Diät zu empfehlen, um Gewicht und damit Treibstoff zu sparen. Auch die Politik ging er hart an, wetterte öffentlich gegen die Bürokraten in Brüssel, die seiner Airline das Leben schwer machen würden.

"Die Sparprogramme schlagen voll durch. Es ist einfach weniger Geld da", schiebt Ryanair-Finanzchef Howard Millar den Regierungen die Schuld für die schlechten Zahlen zu. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Seite 1:

Ryanair ist das Lachen vergangen

Seite 2:

Neue Anbieter drängen auf den schrumpfenden Markt

Kommentare zu " Billigflieger: Ryanair ist das Lachen vergangen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ...trotz all den "versteckten" Gebühren habe ich im Vergleich zu nächstgünstigsten Angebot 260 Euro gespart. Dafür habe ich mir am Urlaubsort 14 Tage lang ein Mietwagen gegönnt. so lasse ich mich gerne vera....en.

  • Wenn Ryanair das Lachen vergangen, was ist dann mit germanwings? Die hatten noch nie was zu lachen gehabt! Viele verstehen den Unterschied nicht von einem Gewinneinbruch von ca. 20 % aber immer noch einem Gewinn 99 Millionen Euro (RyanAir)oder einem Verlust von 30 Millionen!?!
    Festzuhalten bleibt, dass RyanAir aber auch easyjet die Krise besser im Griff haben als die Deutschen Billigheimer. germanwings oder airberlin könnten sich "von"-schreiben, wenn sie eine Umsatzsteigerung nachweisen könnten, auch wenn die Margen kleiner werden. Wer rote Zahlen schreibt hat doch keine Margen.

  • Ich finde es eine Frechheit was hier für Gerüchte verbreitet werden. Von Sicherheitsmängel und so weiter is in den Kommentaren die Rede.
    Ich finde Ryanair ist eine tolle Flugesellschaft, die es mir möglich macht günstig, schnell und sicher zu reisen.
    Ich fliege oft mit Ryanair und bin immer zufrieden.
    Ich empfähle den Leuten Ryanair erst auszuprobieren bevor sie über die Airline urteilen.
    Und das der Gewinn sinkt ist bei den Treibstoffpreisen und der unsicheren Wirtschaft kein Wunder. Trotzdem ist Ryanair noch immer eine der am stärksten wachsenden Airlines weltweit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%