Billigflieger startet 2005
Indien will staatliche Fluglinien stärken

Die Flotten von Air India und Indian Airlines sollen mit öffentlichen Geldern modernisiert werden.

NEU DELHI. Die Luftfahrt ist die erste Branche, in der die Wirtschaftspolitik der neuen indischen Regierung Konturen gewinnt. Der frisch gebackene Luftfahrtminister Praful Patel verspricht, eine Reihe wichtiger Reformen schnell durchzuziehen und will noch dieses Jahr einen neuen, langfristigen Regulierungsrahmen ausarbeiten. Gleichzeitig weist er dem Staat eine größere Rolle zu und beschränkt die Möglichkeiten ausländischer Unternehmen auf dem indischen Markt.

Die Flughäfen in Bombay und Delhi sollen wie geplant noch dieses Jahr privatisiert werden (siehe Bericht unten). In Einklang mit dem Koalitonsvertrag, der statt dem Verkauf eine Stärkung von Staatskonzernen vorsieht, dürfen Air India (AI) und Indian Airlines (IA) außerdem auf frisches Kapital aus öffentlichen Kassen und auf neue Flugzeuge hoffen. Das soll die heruntergewirtschafteten Firmen fit machen für einen liberalisierten Markt.

AI soll zudem Anfang kommenden Jahres eine Billigfluglinie starten und so privater Konkurrenz in einem viel versprechenden Wachstumssegment zuvorkommen. Früher als erwartet erreicht damit der weltweite Trend zu Discount-Fluglinien nach Südostasien und China auch den indischen Subkontinent und die Golfregion.

Auftrieb haben AI und IA nötig. Beide leiden unter löchrigen Bilanzen, Kapazitätsengpässen, überalterten Flotten, schlechtem Service und viel zu großen Belegschaften. Im Binnenmarkt profitieren davon lokale Konkurrenten wie Jet und Air Sahara. Auf den lukrativen internationalen Strecken haben ausländische Anbieter wie die Lufthansa den Löwenanteil des Geschäfts ergattert. Um den Dauermangel an Tickets von und nach Indien zu mindern, gestaltete die alte Regierung bei der Verteilung von Landerechten an ausländische Fluglinien sehr liberal. Das könnte sich ändern. Denn Patel will den Staatslinien helfen, ihre verlorene Marktführerschaft zurückzuerobern.

Den Grundstein dazu soll eine schnelle Genehmigung der lange verschleppten Flottenmodernisierung bilden. Bei Indian Airlines ist die Not am größten. Das Unternehmen hat seit 15 Jahren kein Flugzeug mehr gekauft. Allerdings will Patel das von IA bereits akzeptierte Angebot überprüfen lassen, für 2,2 Mrd. $ 43 Airbus-Maschinen vom Typ A320 zu ordern.

Dies lässt Airbus-Konkurrent Boeing aufhorchen: Mit einem neuen Gebot, das 155 Mill. $ unter dem der Europäer liegt, versucht der Rivale, den Auftrag an sich zu ziehen, und auch Airbus signalisiert Verhandlungsspielraum. Air India braucht für die geplante Routenexpansion ebenfalls neue Flugzeuge. Das Unternehmen wartet auf die Genehmigung zum Kauf von 18 Boeing 737 und zehn Airbus A340. Diesen Deal könnte die Regierung ebenfalls überdenken.

Für den im April 2005 geplanten Start der Billigflugtochter unter der Marke Air India Express wird das Unternehmen 14 Boeing 737-800 neu leasen. Auf den anvisierten verkehrsstarken Strecken in den Mittleren Osten und nach Südostasien sollen Tickets ein Viertel weniger kosten als auf AI-Flügen. Die Billigflugtochter soll es der Mutter erleichtern, ihre Position als Premium-Anbieter zurückzugewinnen. Anderen Vollpreis-Fluglinien hatten in der Vergangenheit jedoch Schwierigkeiten mit dem radikal anderen Geschäftsmodell einer Budget-Airline.

Branchenkenner bescheinigen Indiens Luftverkehrsmarkt großes Potential. In den vergangenen Jahren wuchs der Verkehr um durchschnittlich zehn bis zwölf Prozent.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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