Billigflieger Warum die Ryanair-Piloten den Rücktritt von O'Leary fordern

Die Piloten verlassen den Billigflieger Ryanair angeblich in Scharen. Nun fordert ihr Verband den Rücktritt von Konzernchef O'Leary.
Update: 27.02.2018 - 13:27 Uhr 2 Kommentare
Ryanair-Piloten fordern Michael O'Leary zum Rücktritt auf Quelle: Reuters
Michael O'Leary

Der Pilotenverband fordert den Rücktritt des Ryanair-Chefs.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/DublinDie Wortwahl ist unmissverständlich, der Adressat wird klar genannt. Michael O’Leary habe bei der Lösung des Personal- und Flugplanprobleme versagt, beklagen die Mitglieder der europäischen Pilotenvertretung EERC in einem Brief an die irische Billigfluggesellschaft. Und fordern den Rücktritt des langjährigen Konzernchefs.

Ryanair reagierte unwirsch: „Der EERC und seine Briefe haben keine legale Bedeutung und Gültigkeit“, teilte die irische Airline am Dienstag mit. Viele Piloten hätten inzwischen 20 Prozent mehr Gehalt akzeptiert. „Das zeigt, dass Ryanair-Piloten dem sogenannten EERC keinerlei Beachtung schenken.“

Das Schreiben und die Ryanair-Replik sind der vorläufige Höhepunkt eines seit Monaten tobenden Streits zwischen dem Personal und dem Management von Ryanair. Auslöser war eine angeblich verfehlte Urlaubsplanung, die zu einem erheblichen Pilotenengpass führte.

„Die Deutschen werden nackt über Scherben robben“
„Die Vorstandsetage der Lufthansa ist der einzige Ort in Europa, an dem man glaubt, dass Eurowings ein Billigflieger ist.”
1 von 26

Über die aus seiner Sicht zu hohen Kosten der Lufthansa-Tochter Eurowings. (2017)

„Ich fände es gut, ein paar unserer attraktiven Stewardessen in mein Büro zu holen und auf den Job aktiv vorzubereiten.“
2 von 26

2010 sorgte O'Leary mit der Aussage, Co-Piloten abzuschaffen und diese durch Stewardessen zu ersetzen, für Furore. Dann setzte er noch diesen sexistischen Spruch oben drauf.

„Am liebsten sind uns Passagiere, die nur mit Handgepäck reisen. Dazu wollen wir unsere Kunden erziehen.“
3 von 26

Über Kritik an den Gepäck-Gebühren (2009).

„Nicht wenn sie sich gut festhalten.“
4 von 26

Zum Thema Stehplätze und ob Passagiere, die nicht angeschnallt sind, gefährdet sind (2010).

„Wir wollen die Passagiere dazu ermuntern, vorher oder hinterher am Flughafen auf die Toilette zu gehen. Das verhindert an Bord lange Schlangen vor den WC-Türen und das ständige Aufstehen und Hinsetzen in der Kabine.“
5 von 26

Über die Idee, für die Toiletten-Nutzung an Bord Geld zu verlangen (2009).

„Welcher Vorschlag von mir war je absurd?“
6 von 26

(2010)

„Ihr Journalisten seid immer so negativ.“
7 von 26

(2008)

Als Folge musste Ryanair seit Spätsommer vergangenen Jahres bis in den März dieses Jahres hinein Tausende Flüge streichen. Für die Piloten eine Steilvorlage, endlich gegen die seit langem kritisierten Arbeitsbedingungen – vor allem die Anstellung über Leiharbeitsfirmen – vorzugehen.

Doch die Gespräche über die ersten Tarifverträge in der Geschichte der Billigairline gestalten sich zäh und werden von Verbalattacken begleitet, die zunehmend persönlicher werden. So hatte Ryanair- Chef O’Leary Anfang Februar von „lächerlichen Forderungen“ der Piloten gesprochen, denen er auf keinen  Fall nachgeben werde.

So etwas vergiftet die Stimmung bei den ohnehin schwierigen Verhandlungen. Der Frust darüber  findet sich nun in dem aktuellen Schreiben der EERC. Jede Hoffnung auf eine Lösung des Konfliktes sei zerstört worden, heißt es dort. Man könne nur hoffen, dass die Investoren und Anteilseigner O’Leary frühestmöglich ersetzen würden.

Es ist nicht der einzige Versuch des fliegenden Personals, den Druck auf die Ryanair-Spitze zu erhöhen. Die spanische Pilotengewerkschaft Sepla  lässt zurzeit  gerichtliche Schritte gegen Ryanair prüfen.

Die Gewerkschaftsvertreter beklagen, dass die Gespräche über Tarifverträge und Scheinselbstständigkeit bisher nicht konstruktiv verlaufen seien. Deshalb überlege man, ob diese Themen nicht besser bei einem Richter aufgehoben seien.

In Portugal wiederum hat die Gewerkschaft SNPVAC, die das Kabinenpersonal vertritt, ihre Mitglieder rund um Ostern zu Arbeitsniederlegungen aufgefordert.  Gestreikt werden soll am 29. März, 1. April und 4. April. Begründet werden die Ausstände mit sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und einem fehlenden Respekt gegenüber den Kabinenbesatzungen. Ryanair bestreitet die Vorwürfe.

Das fliegende Personal von Ryanair  hat aber eine mächtige Waffe in der Hand: die Kündigung. Alle Airlines in Europa wachsen derzeit sehr stark und sind händeringend auf der Suche nach Gerät und  Mitarbeitern für das Cockpit und die Kabine. Am Ende steckt O’Leary in einem handfesten Dilemma. Er kann einfach nicht mit den Gewerkschaften, er kann aber auch nicht ohne die Piloten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Billigflieger - Warum die Ryanair-Piloten den Rücktritt von O'Leary fordern

2 Kommentare zu "Billigflieger: Warum die Ryanair-Piloten den Rücktritt von O'Leary fordern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Eine externe Gewerkschaft fordert den Rücktritt von O´leary. Wenn das Piloten von Ryanair fordern würden, müssten diese eine Abmahnung erhalten oder würden gleich entlassen. Ich möchte mal den Angestellten/ Journalisten sehen der den Rücktritt seines Chefs/Verlegers fordert.

  • O'Leary ist unfähig!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%