Billigflugtochter: Germanwings will alles können

Billigflugtochter
Germanwings will alles können

Seit Sommer werden viele Lufthansa-Flüge innerhalb Europas auf Germanwings umgestellt. Im März ist es in Düsseldorf soweit. Der Billigflieger soll die Passagiersparte der Lufthansa stützen – und ist zum Erfolg verdammt.
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BerlinEinen Ersatz für Vorstandschef Christoph Franz hat die Lufthansa immer noch nicht gefunden. Doch wer immer es auch wird, eins ist klar: Wenn der neue Vorstandschef die Fluggesellschaft im Mai übernimmt, wird er ein stark verändertes Unternehmen vorfinden. Das Sparprogramm „Score“ und der damit einhergehende Umbau des Europaverkehrs der Airline haben einen neuen starken Spieler im Konzern geschaffen: Germanwings.

Die Stärkung der Billigflugtochter, die seit dem Sommer Stück für Stück alle innerdeutschen und Kontinental-Verbindungen der Lufthansa außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München übernimmt, ist Franz‘ größte Tat. Der Noch-Lufthansa-Chef ist überzeugt vom Erfolg der Germanwings. „Es nützt uns doch nichts, wenn wir mit einem Produkt von sehr hoher Qualität an den Markt gehen, das aber der Kunde nicht mehr bezahlen will“, sagte Franz zuletzt der „Welt am Sonntag“. Der Billigflieger punkte bei den Fluggästen. Aus Umfragen gehe hervor, „dass Germanwings bei den Kunden gut angenommen wird, als faires Angebot“, sagte Franz.

Das gilt offenbar nicht nur für Urlauber, die mal schnell in den Süden fliegen wollen. Auch die deutschen Geschäftsreisenden haben sich auf Germanwings eingestellt. In Vielflieger-Foren sind die Töne nach anfänglicher Aufregung gemäßigter geworden. Zwar nennen die meisten der Frequent Traveller, Senatoren und HONs die Germanwings schlicht nur „4U“, doch damit beziehen sie sich nicht etwa auf den oft belächelten internen Arbeitstitel der Lufthansa für das Projekt - „Direct4U“ -, sondern auf das Kürzel „4U“. Das benutzt die Airline seit Jahren als internationalen Codenamen für ihre Flüge.

Nur wenige Vielflieger geben sich unbelehrbar und unterstellen Franz hämisch, der Lufthansa mit Germanwings schaden zu wollen: „Ihre emiratischen Auftragsgeber dürfen zu Recht stolz auf sie sein“, schreibt zum Beispiel ein Nutzer im Forum „Vielfliegertreff“.

Thomas Winkelmann sieht derartige Diskussionen äußerst gelassen. Der Germanwings-Chef hat die Umstellung bislang ohne größere Reibungsverluste über die Bühne gebracht. „Wir bieten Geschäftsreisenden ein hochattraktives Produkt. Unter anderem haben wir den größten Sitzabstand in Europa – das spricht sich rum“, sagt Winkelmann zu Handelsblatt Online.

Die Passagierzahlen belegen, dass es durch Germanwings bei der Lufthansa aufwärts geht. Die Fluggäste von Lufthansa und Germanwings werden noch gemeinsam ausgewiesen. 2013 wurden insgesamt 104,6 Millionen gezählt – im Jahr zuvor waren es 103 Millionen. Auf den Billigflieger und die Mutter entfielen dabei 76,3 Millionen, ein überdurchschnittliches Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zu den Töchtern Swiss und Austrian. Auch die Auslastung der Maschinen stieg. Germanwings kann im vergangenen Jahr 16 Millionen Fluggäste ausweisen, allerdings inklusive der noch von der Lufthansa zu übertragenen Verbindungen.

Ende März ist auch am Flughafen Düsseldorf soweit. Ob nach Nürnberg oder Barcelona – statt Lufthansa fliegt dann nur noch Germanwings. 26 Flugzeuge werden am drittgrößten Airport Deutschlands stationiert, die Airline wird mit dann 155 Strecken der größte Anbieter in ganz Nordrhein-Westfalen.

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  • Das Produkt Flugzeug bei Germanwings ist in der Tat in Ordnung, aber nicht das technische "drumherum" und auch nicht die Art und Weise der Umstellung. Zunächst wollte man zB. die FTL (Frequent Traveler) aus den Lounges aussperren, nach heftigen Protesten wurde hier immerhin zurück gerudert! Ebenso stimmt es nicht, dass LH-Tickets teurer als 4U sind! Das Gegenteil ist zumindest für Geschäftsreisende der Fall! Nach der Umstellung in Hamburg stieg der durchschnittliche Flugpreis um 80 € für einen Hin- und Rückflug bei deutlich weniger "Zusatzleistungen" und schlechterem Service! Codeshare-Flüge also Germanwings-Flugzeug aber Flugnummer einer Kooperations-Airline: Eine einige Katastrophe! Online check-in funktioniert in keinem Fall. Fluggäste verpassen deswegen Flüge, da die Fluggäste sehr oft nicht durchgecheckt werden können sondern ihr Gepäck am Umsteigeflughafen selbst am Band abholen und neu einchecken müssen sowie neu einchecken müssen, damit sie überhaupt eine Bordkarte erhalten! Das nenne ich absolut nicht ausgereift und völlig untragbar!
    Sebastian von Stein

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