Billigstromanbieter: Gläubiger setzen Teldafax-Vorstände ab

Billigstromanbieter
Gläubiger setzen Teldafax-Vorstände ab

Die wochenlangen Streitereien um den Billigstromanbieter Teldafax haben ein überraschendes Ende gefunden. Gläubiger des Unternehmens haben die Macht an sich gerissen und den Vorstand abgesetzt.
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TroisdorfMehr als ein Jahr lang ist Klaus Bath seinem neuen Investor hinterhergelaufen. Ein Jahr hielt der Vorstandsvorsitzende von Teldafax den Einstieg des großen Unbekannten aus dem Osten wie einen Schutzschild vor sich. Alle Kritik an Baths Leistung, alle Zweifel an seinem Geschäftsmodell, würden mit der Übernahme durch einen strategischen Investor hinfällig, so die Parole. Doch nun, nach monatelanger Verzögerung, ist er tatsächlich da, der Investor. Genauer: Es sind sogar zwei. Ihre erste Amtshandlung: Sie teilten Bath mit, dass sie auf seine Dienste verzichten.

Bath, seit 2007 Vorstandschef des Stromanbieters, muss seinen Posten mit sofortiger Wirkung verlassen. Auch sein Vorstandskollege Gernot Koch verliert seine Zuständigkeit. Die Gesellschafter, der russische Energieversorger Energo Stream und der deutsche Fonds Debi Select, haben den kompletten Aufsichtsrat umbesetzt und kehren von oben nach unten durch. „Natürlich haben wir ein paar gute Leute identifiziert, mit denen wir weiterarbeiten wollen“, sagte ein Beteiligter dem Handelsblatt. „Aber in der Führung brauchen wir einen Neustart. Wir brauchen unbelastete Personen.“ Der Investorenvertreter spielte damit auf die Arbeit der Staatsanwaltschaft Bonn an, die bei Teldafax wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt. Er kündigte an, mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen.

Selten ist die Investorensuche eines deutschen Unternehmens so gründlich schief gelaufen wie beim Troisdorfer Stromanbieter Teldafax. Stattliche 300 Millionen Euro, so zeigen interne Unterlagen, waren 2009 als Preis schon vorverhandelt. Der Käufer: Gazprom. Doch der Deal scheiterte. Anschließend verhandelte Teldafax mit der Investmentbank Eco3 Capital – hier war ein Preis von 147 Millionen Euro fixiert. Doch auch mit Eco3 wurde Teldafax nicht handelseinig.

Der letzte Verhandlungspartner ist der, der nun tatsächlich einsteigt: der russische Versorger Energo Stream. Hier wurde Anfang 2010 ein Kaufpreis von 100 Mio. Euro für 75 Prozent der Aktien vereinbart. Nun sieht der Deal ganz anders aus. Energo Stream übernimmt nicht 75 Prozent der Aktien, sondern nur 49. Und die Investoren zahlen nicht 100, sondern nur 3,9 Millionen Euro. Das Geschäft wird über ein Zwischengesellschaften abgewickelt.

Die Übernahme gleicht mehr einer Notgeburt, als eine Wunschhochzeit. Beide Investoren steigen vor allem aus einem Grund bei Teldafax ein: sie haben sich eh schon so stark an dem Stromanbieter beteiligt, dass sie nun alles tun wollen, um ihr Investment zu retten.

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  • Ich meinte „Also Leute die durch TDF im Stromgeschäft GELD VERLOREN haben!“

    Ausgeschlossen sind die, die wegen 3 Cent fünfzig Zinsen Ihren Blutdruck hochfahren weil sie auf die Kaution ein paar Wochen warten müssen. Davon gibt es Internet und in populärwissenschaftlichen Fernsehshows schon den Einen oder Anderen.

    Und die, die in Kapitalanlagen investieren die sie möglicherweise nicht verstehen. Sicherlich haben diese Leute investiert weil die Prospektzinsen weit über dem Festgeld lagen. Kann das etwas mit Gier zu tun haben? Auf alle Fälle haben sie keinen Schaden erlitten weil Sie Stromkunde waren!

    Also mal abgesehen von diesen 2 Personengruppen. Wer ist den bis jetzt wirklich geschädigt worden?

    Nein ich bin keine Mitarbeiter von TDF.

  • Lass mich Deinen Job erraten:)
    Mitarbeiter bei Teldafax (Buchhaltung)?
    Mitarbeiter bei Teldafax (Vorstand)?
    Phragmatiker in irgend einer Firma?

    Zu Schaden gekommen sind alle, die auf Ihr Geld warten mußten (Zinsverluste und Ärger und Zeitverlust).
    Auf der Strecke geblieben ist die Glaubwürdigkeit der ordnungsgemäßen Firmenführung (Chaos auf allen Ebenen).
    Weiter mehr wird man sehen können, wenn die Insolvenzverschleppung und Zahlungsunfähigkeit richtige Schäden verursacht. Es sei denn, ein "Investor" nimmt diese zwangsläufig in Kauf.

    Ich war Kleingeschädigter bis ein Anwalt mein Recht erstreiten mußte, bzw. der gegnerische Anwalt "die Flügel streckte".

    Aus sicherer Erkenntnis, kann ich sagen, daß Teldafax kein Einzelfall ist, außer, daß die anderen nicht solche Zahlungsprobleme haben.


  • Wer zu Schaden kam? ZB tausende Anleger bei Debi Select. Angeblich ohne Wissen des Management wurden fast ALLE Gelder in ein insolventes Unternehmen gesteckt. Jetzt müssen die sogar den Laden kaufen damit die veruntreute Asche nicht weg ist. Veruntreut deswegen weil Inhaberschuldverschreibungen nunmal kein gesichertes Factoring sind wie es denen Angeboten wurde. 60-70 Mio verschwinden und das Management will es nicht bemerkt haben.Das zeigt doch nur mal wieder das der Fondsanbieter vom einsammeln Ahnung hat, aber garnicht in der Lage ist und war sorgfältig mit dem Geld umzugehen. Und jetzt auch noch der Einstieg mit weiterem Geld, der dazu prospektwiedrig ist.

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