Bio-Boom
Naturkostläden machen mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz

Mit einem Ende des Bio-Booms rechnet die Branche vorerst nicht. Trotz Konkurrenz im Supermarkt klingelt auch im klassischen „Müsli-Laden“ weiter die Kasse – vorausgesetzt, die Inhaber erkennen die aktuellen Trends.

NürnbergOb Bio-Tee aus der Acerola-Kirsche oder Öko-Lupinen-Aufstrich – die Nachfrage nach Bio-Lebensmittel hat im vergangenen Jahr weiter zugelegt. Und auch die Naturkostläden haben davon trotz wachsender Bio-Ecken in Supermarkten kräftig profitiert. Die einstigen „Müsli-Laden“, manche längst selbst kleine Supermärkte, haben 2015 ihren Umsatz um 11,4 Prozent gesteigert – und damit ähnlich stark wie in den Vorjahren.

„Der Fachhandel hat damit erstmals die Drei-Milliarden-Marke geknackt“, berichtete die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder, am Donnerstag in Nürnberg im Vorfeld der Naturkostmesse Biofach (10. bis 13. Februar). Für dieses Jahr rechnet der Naturkosthandel mit ähnlichen Zuwächsen.

Ein Teil des Wachstums gehe allerdings auch auf das Konto von Neueröffnungen. „Aber auch bestehende Läden legen zu; sie profitieren von Neukunden oder davon, dass Stammkunden heute zu mehr Bioprodukten greifen als früher“, sagte Röder.

Die Zahl der Geschäfte sei im vergangenen Jahr weitgehend stabil geblieben: Den 84 Schließungen hatten im Vorjahr lediglich 93 Neueröffnungen gegenüberstehen. Dabei gehe allerdings der Trend zu immer größeren Bio-Läden. „Heute eröffnet kaum noch ein Laden unter 100 Quadratmetern Verkaufsfläche“, berichtet Röder.

Gelassen sieht Röder das wachsende Bio-Sortiment klassischer Supermärkte und der Discounter. Viele Bio-Ladenbetreiber reagierten darauf mit einer stärkeren Spezialisierung. Manche verbesserten ihr Weinangebot, andere böten in einem angegliederten Bistro Bio-Imbisse an oder eröffneten eine Frischfleischtheke. Die inhabergeführten Naturkostladen werde es auch in Zukunft geben.

Neuester Trend bei Naturkost: Bio-Lebensmittel aus der Lupinen-Pflanze. Neue Züchtungen hätten es ermöglicht, die bislang ungenießbare und allein als Bodenverbesserer angebaute Hülsenfrucht zu leckeren Brotaufstrichen oder Speiseeis zu verarbeiten. Da die Lupinen fast überall in Deutschland angebaut werden könnten, käme diese Neuheit dem Bedürfnis vieler Kunden nach mehr regionalen Produkten entgegen, sagte Röder.

Eher die jüngere Kundschaft haben Bioladenbetreiber mit einem anderen Trend im Auge: „Superfood“ aus Bioanbau. Dazu zählen nach Röders Angaben beispielsweise mineralstoffreiche exotische Getreidearten wie Chia oder Quinoa. Weiter an Bedeutung gewinnen vegane Lebensmittel.

Eine Trendwende sehen Branchenvertreter derweil auf der Erzeugerseite. Habe die Zahl der Bio-Bauern in den Vorjahren nahezu stagniert, wachse inzwischen wieder die Umstellungsbereitschaft konventioneller Landwirte, meinte der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein. Vor allem die gesunkenen Absatzpreise für Milch ließen immer mehr Bauern darüber nachdenken, auf Bio-Erzeugung umzusatteln.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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