Bio-Boom Naturkostläden machen mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz

Mit einem Ende des Bio-Booms rechnet die Branche vorerst nicht. Trotz Konkurrenz im Supermarkt klingelt auch im klassischen „Müsli-Laden“ weiter die Kasse – vorausgesetzt, die Inhaber erkennen die aktuellen Trends.
Bio-Händler verzeichnen zweistellige Zusatzraten. Zu den Käuferschichten gehören 20-Jährige ebenso wie Rentner. Quelle: dpa
Bioladen im Aufwind

Bio-Händler verzeichnen zweistellige Zusatzraten. Zu den Käuferschichten gehören 20-Jährige ebenso wie Rentner.

(Foto: dpa)

NürnbergOb Bio-Tee aus der Acerola-Kirsche oder Öko-Lupinen-Aufstrich – die Nachfrage nach Bio-Lebensmittel hat im vergangenen Jahr weiter zugelegt. Und auch die Naturkostläden haben davon trotz wachsender Bio-Ecken in Supermarkten kräftig profitiert. Die einstigen „Müsli-Laden“, manche längst selbst kleine Supermärkte, haben 2015 ihren Umsatz um 11,4 Prozent gesteigert – und damit ähnlich stark wie in den Vorjahren.

„Der Fachhandel hat damit erstmals die Drei-Milliarden-Marke geknackt“, berichtete die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder, am Donnerstag in Nürnberg im Vorfeld der Naturkostmesse Biofach (10. bis 13. Februar). Für dieses Jahr rechnet der Naturkosthandel mit ähnlichen Zuwächsen.

Ein Teil des Wachstums gehe allerdings auch auf das Konto von Neueröffnungen. „Aber auch bestehende Läden legen zu; sie profitieren von Neukunden oder davon, dass Stammkunden heute zu mehr Bioprodukten greifen als früher“, sagte Röder.

Das ist die Mogelpackung des Jahres
Negativpreis
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Die Verbraucherzentrale Hamburg verleiht den Negativpreis Mogelpackung des Jahres seit 2013. An der Wahl 2016 nahmen insgesamt 26.132 Verbraucher teil, sechs Mal so viele wie im vergangenen Jahr. 2014 erhielt die Windelmarke Pampers von Procter & Gamble den Negativpreis. Diese Produkte waren in diesem Jahr nominiert...

Nominiert: „Dentagard“ von Colgate-Palmolive
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Der Konsumgüterriese hat im vergangenen Jahr die Füllmenge seiner Dentagard-Zahnpasta von 100 Milliliter auf 75 Milliliter reduziert. Doch die Tube sei weiterhin in den meisten Drogerien und Supermärkten zum gleichen Preis verkauft worden, sagen die Verbraucherschützer. Der geschrumpfte Inhalt entspreche einer versteckten Preiserhöhung von 33,3 Prozent.

Nominiert: „Herta Finesse Schinken“ von Nestlé
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Auf den ersten Blick wurden die Schinkenspezialitäten von Herta sogar billiger. Statt 2,19 Euro oder 2,29 Euro kosteten sie laut Verbraucherzentrale nur noch 1,89 Euro oder 1,99 Euro. Gleichzeitig sei die Füllmenge der neuen Packungen aber drastisch reduziert worden – von 150 auf 100 Gramm. Dadurch ergebe sich eine Preiserhöhung von rund 30 Prozent.

Nominiert: „Curry Ketchup“ von Heinz
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Bei der sogenannten Kopfsteher-Flasche seines Curry Ketchups hat das Unternehmen die Füllmenge von 500 auf 400 Milliliter reduziert. Da gleichzeitig auch der Preis etwas gestiegen sei, entspreche das einer versteckten Preiserhöhung von bis zu 28 Prozent, beklagen die Verbraucherschützer. Zudem sei die ganze Palette der verschiedenen Heinz-Kopfsteherflaschen kleiner geworden.

Nominiert: „Jacobs Latte macchiato classico“ von Jacobs Douwe Egberts
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Der Kaffeekonzern hat die Füllmenge der Kapselpackung um fast die Hälfte reduziert. Sie sank von 475,2 auf 264 Gramm. Außerdem hat das Unternehmen laut den Verbraucherschützern statt echter Milch in Form von Vollmilchkonzentrat nun „Mogelmilch“ verwendet. Diese werde aus Sahneerzeugnis, Milchproteinen, Milchmineralien und Wasser zusammengefügt und von Verdickungsmittel zusammengehalten.

Der Sieger: „Bebe Zartcreme“ von Johnson & Johnson
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Die Mogelpackung des Jahres ist nach Ansicht von Verbrauchern die Bebe Zartcreme. In einer Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg votierte knapp ein Drittel von insgesamt mehr als 26.000 Verbrauchern für das Kosmetikprodukt aus dem Hause Johnson & Johnson, wie die Verbraucherschützer am Montag mitteilten. Die Bebe Creme ist ihren Angaben zufolge durch neue Füllmengen um bis zu 84 Prozent teurer geworden.

Die Zahl der Geschäfte sei im vergangenen Jahr weitgehend stabil geblieben: Den 84 Schließungen hatten im Vorjahr lediglich 93 Neueröffnungen gegenüberstehen. Dabei gehe allerdings der Trend zu immer größeren Bio-Läden. „Heute eröffnet kaum noch ein Laden unter 100 Quadratmetern Verkaufsfläche“, berichtet Röder.

Gelassen sieht Röder das wachsende Bio-Sortiment klassischer Supermärkte und der Discounter. Viele Bio-Ladenbetreiber reagierten darauf mit einer stärkeren Spezialisierung. Manche verbesserten ihr Weinangebot, andere böten in einem angegliederten Bistro Bio-Imbisse an oder eröffneten eine Frischfleischtheke. Die inhabergeführten Naturkostladen werde es auch in Zukunft geben.

Neuester Trend bei Naturkost: Bio-Lebensmittel aus der Lupinen-Pflanze. Neue Züchtungen hätten es ermöglicht, die bislang ungenießbare und allein als Bodenverbesserer angebaute Hülsenfrucht zu leckeren Brotaufstrichen oder Speiseeis zu verarbeiten. Da die Lupinen fast überall in Deutschland angebaut werden könnten, käme diese Neuheit dem Bedürfnis vieler Kunden nach mehr regionalen Produkten entgegen, sagte Röder.

Eher die jüngere Kundschaft haben Bioladenbetreiber mit einem anderen Trend im Auge: „Superfood“ aus Bioanbau. Dazu zählen nach Röders Angaben beispielsweise mineralstoffreiche exotische Getreidearten wie Chia oder Quinoa. Weiter an Bedeutung gewinnen vegane Lebensmittel.

Eine Trendwende sehen Branchenvertreter derweil auf der Erzeugerseite. Habe die Zahl der Bio-Bauern in den Vorjahren nahezu stagniert, wachse inzwischen wieder die Umstellungsbereitschaft konventioneller Landwirte, meinte der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein. Vor allem die gesunkenen Absatzpreise für Milch ließen immer mehr Bauern darüber nachdenken, auf Bio-Erzeugung umzusatteln.

  • dpa
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