Bio-Supermarktkette
Basic will wieder expandieren

Deutschlands zweitgrößte Bio-Supermarktkette sieht sich saniert. „Wir werden in diesem Jahr wieder eine schwarze Null schreiben“, sagte der scheidende Basic-Chef Joachim Kreuzburg. Für den Rest der Branche hat der Krisenexperte eine klare Botschaft zum Abschied: „Was Basic hinter sich hat, steht vielen anderen noch bevor.“

MARKUS FASSE | MÜNCHEN

Deutschlands zweitgrößte Bio-Supermarktkette sieht sich saniert. "Wir werden in diesem Jahr wieder eine schwarze Null schreiben", sagte der scheidende Basic-Chef Joachim Kreuzburg am Dienstag in München. Für den Rest der Branche hat der Krisenexperte eine klare Botschaft zum Abschied: "Was Basic hinter sich hat, steht vielen anderen noch bevor."

Kreuzburg will spätestens im Oktober seinen Sessel bei Basic räumen. Sein Nachfolger ist der 44-jährige Stephan Paulke, der derzeit noch bei Deutschen BP in Mönchengladbach unter Vertrag steht. "Mein Engagement war von vorneherein begrenzt", sagte Kreuzburg. "Das Unternehmen braucht jetzt einen Handelsexperten."

Der Sanierer hat die trudelnde Münchener Bio-Supermarktkette Ende August 2008 nach einer verpatzten Expansion übernommen. Kreuzburg schloss vier von 22 Filialen, 200 Arbeitsplätze wurden abgebaut, 40 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. 2008 erlöste Basic 93 Mio. Euro, die Sanierungskosten drückten das Unternehmen mit elf Mio. Euro in die roten Zahlen. Nur eine Kapitalerhöhung über 6,9 Mio. Euro hielt die Öko-Pioniere über Wasser. Seitdem ist die Schweizer Investmentgesellschaft ASI mit mehr als 50 Prozent der Hauptgesellschafter, auch die Unternehmensgründer bleiben beteiligt.

"Die Zeiten, in denen an jeder Ecke ein Bio-Supermarkt aufmacht, sind vorbei", sagte Kreuzburg. "Jetzt ist Basic restrukturiert und könnte als Plattform die Konsolidierung vorantreiben", betonte der Interimsmanager. Das Unternehmen sei bereits in Gesprächen mit Konkurrenten, Ergebnisse gebe es aber noch nicht.

Die Goldgräberstimmung unter den Biomärkten ist verflogen, Wachstumsraten von mehr als zehn Prozent Vergangenheit. 5,9 Mrd. Euro setzte die Vollkorn-Branche 2008 um - Basic schätzt jedoch, dass der Markt in diesem Jahr stagniert. Neben einer sich abzeichnenden Marktsättigung drängt nun auch der konventionelle Einzelhandel mit einer massiven Ausweitung des Biosortiments ins Geschäft.

"Das Basic-Konzept läuft Gefahr, sein Alleinstellungsmerkmal zu verlieren", sagt Claudia Endl, Geschäftsführerin der Managementberatung Dölle. Im Kampf gegen die Supermarktgiganten Edeka und Tengelmann sieht sie den Basic-Konkurrenten Alnatura-Gruppe besser positioniert: Dieser biete ein umfassenderes Sortiment, beispielsweise mit Kosmetik. Auch Endl rechnet mit einer Konsolidierung der Branche. "Gewinnen wird, wer seine spezifische Kundenbindung halten kann", prognostiziert die Handelsexpertin.

Kreuzburg ist überzeugt, die richtige Strategie für Basic gefunden zu haben. "Unser Sortiment passt auf 600 Quadratmeter", sagt der scheidende Basic-Chef, der einen Teil der Filialen erheblich verkleinern musste. Auch die Lage der Bio-Supermärkte sei entscheidend. So hat sich das Unternehmen im vergangenen Oktober aus Karlsruhe, Münster und Hagen zurückgezogen, sowie eine von drei Filialen in Köln dichtgemacht. Mit zwei neuen Standorten in Münchener Bestlagen sollen die Schließungen aber kompensiert werden. Spätestens 2010 will Basic mehr als 100 Mio. Euro umsetzen.

Das Zielpublikum ist genau definiert: Überwiegend weiblich, mit einem Haushaltsnettoeinkommen über 2500 Euro. Eine Gruppe, die in der Konsumforschung neuerdings unter Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) firmiert. Basic will diese Kunden nun mit Wohlfühl-Konzepten ködern. Zusätzliche Bistro-Bereiche mit W-Lan-Angeboten sollen die Kundschaft länger bei Basic halten. Ein Onlineshop ist im Aufbau.

Wie sensibel das Basic-Klientel reagiert, musste das Unternehmen 2007 erfahren. Der geplante Einstieg des Discountriesen Lidl führte zu Boykottdrohungen der Kundschaft, die Gründer und Altaktionäre bliesen im letzten Moment die Transaktion ab. Es folgte ein Streit unter den Altgesellschaftern, das operative Geschäft und die Expansion lief aus dem Ruder. "Fünf vor zwölf" sei es gewesen, als er den Job bei Basic angetreten habe, berichtete Kreuzburg.

Der branchenfremde Sanierer hat nach eigenen Worten einige neue Angebote für seine Zeit nach Basic. Der Bio-Branche will er in Zukunft dennoch treu bleiben. "Es schmeckt wirklich besser", sagt Kreuzburg. "Ich kaufe da jetzt auch ein".

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