Bioprodukte: Mehr als deutsche Äcker hergeben

Bioprodukte
Mehr als deutsche Äcker hergeben

Bio-Lebensmittel sind in Deutschland gefragter denn je - und werden allmählich knapp. Schon jetzt kann ein Teil der Nachfrage nur durch Exporte gedeckt werden. Doch das ist nicht das einzige Thema auf der Fachmesse für Bioprodukte.

HB NÜRNBERG. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) freute sich vor Beginn der Fachmesse Biofach in Nürnberg zwar über erneut kräftig steigende Umsatzzahlen, hat aber zugleich darauf hingewiesen, dass schon jetzt ein Teil der Nachfrage durch Importe gedeckt werden müsse.

Der Umsatz der Branche kletterte nach Angaben des Verbandes im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. Damit war die Zuwachsrate zum dritten Mal in Folge zweistellig. Der Anteil der Öko-Produkte am gesamten Lebensmittelmarkt betrage damit aber lediglich drei Prozent. „Das Marktpotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft“, sagte BÖLW-Geschäftsführer Alexander Gerber am Mittwoch in Nürnberg.

„Das Marktwachstum ist in der deutschen Landwirtschaft noch nicht angekommen“, kritisierte BÖLW-Vorstandsmitglied Thomas Dosch. So sei die Zahl der an einen Öko-Verband gebundenen Betriebe im vergangenen Jahr lediglich um 0,4 Prozent auf 9 645 gestiegen, die Anbaufläche sei um 2,8 Prozent auf mehr als 560 000 Hektar gewachsen. Insgesamt werden in Deutschland 833 000 Hektar ökologisch bewirtschaftet und damit fünf Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche.

„Wir brauchen dringend Landwirte, die von konventionellen auf ökologischen Anbau umstellen“, forderte Dosch. Hier sei die Politik gefordert, durch den Einsatz von Steuermitteln entsprechende Anreize zu schaffen.

Schon jetzt müsse ein Teil der Nachfrage nach Bio-Lebensmittel über Importe gedeckt werden. Dosch betonte: „Die Frage von gut und schlecht ist keine Frage der Herkunft“. Ökologisch bedenklich sei allerdings, Bio-Produkte zu kaufen, die über einen langen Transportweg nach Deutschland gebracht werden müssten, wenn Ware aus der Region erhältlich sei.

Den kräftigsten Anteil am Marktwachstum mit Bio-Lebensmitteln hatten laut BÖLW der Lebensmitteleinzelhandel und die Discounter. Doch auch der Naturkostfachhandel habe seinen Umsatz um knapp zehn Prozent erhöht.

Nach Angaben von Claus Rättich, Mitglied der Messe-Geschäftsleitung, gehören neben Deutschland derzeit die USA, Großbritannien und Schweden zu den Boom-Ländern der Bio-Branche. Im europäischen Vergleich sei Deutschland mit einem Anteil von rund 27 Prozent (2005) der größte Markt, gefolgt von Großbritannien und Frankreich. Der weltweite Umsatz mit Bio-Produkten wachse derzeit um jährlich fünf Mrd. $ (rund 3,6 Mrd. Euro) und dürfte im laufenden Jahr die 40-Milliarden-Dollar-Marke (29 Mrd. Euro) überschreiten.

Zwtl: Auch Bio-Kosmetik boomt

Doch nicht nur bei Lebensmitteln achten die Verbraucher auf „Bio“. Auch der Markt für Naturkosmetik entwickle sich sehr dynamisch, sagte Rättich. Experten schätzten, dass sich das Marktvolumen von 2003 bis 2006 auf 650 Mill. Euro verdoppelt habe. Zunehmend gefragt seien Naturkosmetik-Produkte auch im Ausland. In den USA, wo Filmstars wie Julia Roberts, Brad Pitt, Nicole Kidman und Madonna auf Naturkosmetik „made in Germany“ schwörten, werde bis 2010 ein Wachstum von 50 Prozent erwartet.

Bei der diesjährigen Fachmesse „Biofach“, die erstmals von der eigenen Naturkosmetik-Schau „Vivaness“ begleitet wird, zeigen vom 15. bis 18. Februar mehr als 2 400 Aussteller ihre Bio-Produkte rund um Ernährung, Körperpflege, Gesundheit und Accessoires.

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