Birkenstock-Chef Oliver Reichert „Die Universalmatratze ist eine Marketing-Lüge“

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Was der große Birkenstock-Vorteil ist
Die bösen Folgen von Schlafmangel
Übergewicht
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Wenig Schlaf, viel Gewicht: Wer zu wenig schläft, der verliert schneller die Kontrolle über Appetit und Figur. Das haben Forschungen der Universität von Colorado ergeben. Vereinfacht gesagt: Wer weniger schläft, der isst mehr. Vor allem abends griffen die Schlafmangel-Probanden viel häufiger zu kalorienreicher Kost als die Kontrollgruppe. Und auch nächtlichen Snacks am Kühlschrank konnten sie deutlich seltener widerstehen. Durch kohlenhydrat- und fettreiche Lebensmittel am Abend und durch nächtliches Naschen steigt aber nicht nur das Körpergewicht – sondern auch die Gefahr an Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken.

Depressionen
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Ausgeruht und erholt sieht die Welt meistens schon besser aus. Aber umgekehrt bedeutet das auch: Wer zu wenig schläft, ist häufiger gereizt und schlecht gelaunt. Wissenschaftler der New Yorker Columbia-Universität gehen sogar noch weiter und warnen vor schlimmeren Folgen, vor allem bei Jugendlichen. In ihrer Studie mit über 15.000 Schülern haben sie herausgefunden, dass die Depressionsgefahr bei denjenigen Schülern, die nach 24 Uhr ins Bett gehen, um 24 Prozent höher ist als bei denen, die zwei Stunden früher schlafen gehen. Außerdem sind sie anfälliger für Suizidgedanken. Grund dafür ist auch, dass sie im ermüdeten und erschöpften Zustand ihren Stress und den richtigen Umgang mit anderen Menschen kaum bewältigen können.

Vergesslichkeit
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Kinder lernen schneller und leichter als Erwachsene – spätestens beim Memory-Spiel müssen Eltern das schmerzhaft erkennen. Aber warum ist das so? Deutsche Forscher der Uni Tübingen um Ines Wilhelm haben in ihren Schlafforschungen einen Grund entdeckt: Erwachsene erreichen während ihrer Nachtruhe seltener die sogenannten Tiefschlafphasen als Kinder. In Wilhelms Experimenten stand die Beobachtung dieser Schlafphase im Vordergrund. Diese ist mitverantwortlich für unsere Gedächtnisleistung und besonders wichtig für die Verarbeitung und Abspeicherung von neu Gelerntem. Erwachsene Probanden, die viel Zeit in der Tiefschlafphase verbringen, lernen schneller und sind zu besseren Gedächtnisleistungen fähig als die „unruhiger“ Kurzschläfer. Nur an eine Kontrollgruppe komme sie nicht heran: Kinder.

Anfälligkeit für Infektionen
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Alle Impfpatienten aufgepasst: Schlafmangel kann die Impfwirkung untergraben. In einem Experiment mit 125 Erwachsenen zwischen 40 und 60 Jahren konnten Psychologen der Universität von Pittsburgh einen Zusammenhang von Schlafmangel und fehlenden körperlichen Reaktionen auf den Impfstoff nachweisen. Allen Teilnehmern wurde drei Mal ein Hepatitis-B-Impfstoff injiziert, bei mehr als 14 Prozent der Probanden blieb die Antikörperreaktion aus. Auffallend viele davon wiesen ein Schlafdefizit aus. Den Forschern zufolge könnte das auch eine Erklärung für die höhere Infektionsanfälligkeit von Menschen mit Schlafmangel sein.

Gefährlicher Sekundenschlaf
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Die Gefahren von Schlafmangel können urplötzlich auftreten. Mindestens genauso gefährlich wie schleichende, langwierige Symptome ist der Sekundenschlaf im Auto. Nach Schätzungen der amerikanische „Sleep Research Society“ nicken in den USA etwa 80.000 Menschen am Lenkrad kurz ein – pro Tag. Die „Sleep Research Society“ vermutet, dass sie damit für etwa 20 Prozent aller Unfälle auf amerikanischen Straßen verantwortlich sind. Bei LKW-Unfällen soll der Anteil sogar noch höher liegen. Europäische Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Der Sekundenschlaf ist dabei seltener das Ergebnis einer schlaflosen Nacht, Termindruck oder Stress – sondern vielmehr das Resultat chronischen Schlafmangels.

Probleme mit dem Stoffwechsel
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Das nächste Opfer des Schlafmangels sind die Gene. Im Normalfall folgen diese einem bestimmten 24-Stunden-Biorythmus, sind mal aktiver, mal nicht. Dabei sind sie unter anderem für regenerative Prozesse in den Zellen des Körpers verantwortlich. Wie britische Wissenschaftler der Universität von Surrey herausfanden, kann Schlafmangel die Aktivität von bis zu 711 Genen verändern. 444 davon zeigten bei ihren Probanden nach einem Schlafmangel-Versuch überhaupt keine Aktivität mehr. Betroffen waren vor allem Gene, die im Stoffwechsel, der Regulierung des Immunsystems und bei der Bekämpfung von Stress und Entzündungen aktiv sind. Eine mögliche Folge: Beschädigtes Körpergewebe wird nicht mehr regeneriert und bleibt anfällig für Krankheiten.

Diabetes
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Aber es geht noch schlimmer: Studien unterschiedlichster Akademien von der Harvard Medical School bis zur niederländische Universität Leiden kommen zu dem Schluss, dass Schlafmangel zu einem erhöhten Diabetes-Typ-2-Risiko führt. Diese Form des Diabetes entsteht durch eine Resistenz der Körperzellen gegen das Hormon Insulin, wodurch kein Zucker aus dem Blut in die Zellen weitergeleitet wird. Wer regelmäßig weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, so ein Ergebnis der Untersuchungen, hat ein deutlich höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Pierre Haarfeld ist Partner bei der Unternehmensberatung Etribes und Experte für den Online-Möbelmarkt. Was die Aussichten für Birkenstock betrifft, ist er sich zwiegespalten. Im wichtigen Online-Geschäft sieht er beispielsweise Probleme auf Birkenstock zukommen.

Alleine im vergangenen Jahr gab es im Online-Markt für Matratzen 15 Markteintritte. Dementsprechend hart ist der Kampf um die Umsätze. Durch den Wettbewerb entstehen hohe Marketingkosten, einige Start-ups haben fast keinen Deckungsbeitrag mehr. Ein neuer Player hat es da schwer. „Im Online-Geschäft sind Start-ups wie Casper um Jahre weiter“, sagt Haarfeld.

Allerdings hat Birkenstock einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Sie sind eine Marke – die im Ausland übrigens deutlich moderner wahrgenommen wird als in Deutschland. Bei Matratzen und Möbeln besteht bei den Kunden nur ein geringes Markenbewusstsein. „Birkenstock steht bei den Kunden dagegen für Qualität, Funktion und Gesundheit“, beobachtet Haarfeld. Die Kunden kauften Birkenstocks, weil sie ein qualitativ hochwertiges Produkt wollen. Rund 20 Millionen Schuhe verkaufte Birkenstock im Jahr 2016 und verfügt damit über eine ebenso große wie treue Kundschaft, die auch als Matratzenkäufer in Frage kommt. Einen entsprechend großen Effekt könnte Birkenstock erzielen, wenn sie es schaffen, ihre bisherigen Kunden – etwa durch Paketeinleger – auch auf das erweiterte Sortiment aufmerksam zu machen.

Kurzfristig sieht Haarfeld aber Birkenstocks Stärke im stationären Handel mit den kompletten Schlafsystemen – also mit Betten, Matratzen und Lattenrost. „Da hat Birkenstock mit Ada einen starken Partner und kann auf ein funktionierendes Vertriebssystem und Händlernetzwerk im stationären Handel zugreifen“, sagt Haarfeld. „Da kann der flächendeckende Ausbau gut gelingen.“ So habe die Möbelhauskette Porta umgehend die Birkenstock-Schlafsysteme ins Programm aufgenommen. Das garantiert ein schnelles Wachstum.

Langfristig kommt das Wachstum allerdings aus dem Online-Geschäft. Schwierigkeiten könnten sich für Birkenstock in Deutschland ergeben, wenn das Unternehmen in ein paar Jahren die Kooperation mit den stationären Händlern zu Gunsten der eigenen Online-Aktivitäten zurückzufahren will. Es droht ein sogenannter Log-In-Effekt. Bei starken eigenen Online-Aktivitäten könnten die stationären Händler mit einer Auslistung von Birkenstock drohen, erklärt Haarfeld.

Birkenstock selbst gibt sich entspannt. Konkrete Umsatzziele mit seinen Matratzen verfolgt das Unternehmen nach eigenen Aussagen nicht. Doch Oliver Reichert ist vom Erfolg überzeugt, der Atem muss nur lang genug sein. „Wir werden keine dreistelligen Millionenumsätze machen, aber es muss doch möglich sein, dass auf dieser riesigen Speisekarte, auch ein oder zwei Produkte stehen, die wirklich gut sind“, sagt Reichert. Um diesen Platz wird Birkenstock allerdings kämpfen müssen.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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