Bitburger-Technikchef Niewodniczanski
„Warum soll gutes Bier weniger kosten als Wein?“

Unter dem Namen Craftwerk braut Bitburger besonders ausgefallene Biere. Im Interview erklärt Technikchef Jan Niewodniczanski das hauseigene Experimentierlabor und verrät, wie die Marke vom Craftbeer-Trend profitiert.
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Jan Niewodniczanski ist Vertreter der Inhaberfamilie in der Führung von Bitburger und steuert heute das Ressort Technik. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt der Braumanager, warum auch Bitburger eigentlich schon seit Jahren Craftbeer produziert und warum es wichtig ist, in der Szene authentisch zu bleiben.

Was unterscheidet ein Craftbier eigentlich von anderen Bieren?

Die Grenze ist natürlich fließend. Die Amerikaner sagen, es sind Biere, die mit sehr viel Leidenschaft gebraut werden. Ich sage, wir haben unsere Biere schon immer mit sehr viel Leidenschaft gebraut. Wenn wir über Craftbeer sprechen, dann geht es meiner Meinung  nach in erster Linie um Vielfalt, Experimentierfreude und einen größeren Fokus auf Rohstoffe. Es geht also um ausgefallene Biertypen, die teilweise auch verloren  gegangen sind.

In den USA ist Craftbeer in kleinen Hausbrauereien groß geworden. Kann eine verhältnismäßig große Brauerei wie Bitburger überhaupt Craftbeer?

Für mich hat die Qualität auch nichts mit Größe zu tun. Es muss kein Brauer mit Vollbart und Tattoos am Braukessel stehen, um gutes Bier zu produzieren. Amerikanische Craftbeer-Brauer wie beispielsweise Samuel Adams oder Belgium Brewing sind mittlerweile keine kleinen Unternehmen mehr. Wichtig ist, dass man experimentierfreudig bleibt.

Mit Craftwerk haben Sie eine eigene Craftbeer-Marke aufgebaut. Wie kam es dazu?

Wir nutzen für Craftwerk eine Versuchsbrauerei von Bitburger, in der seit 1991 gebraut wird. Und dort haben wir eigentlich schon immer sehr viel experimentiert –  zum Beispiel für die Hochschulen. Wir haben unter anderem Braugerstenzüchtungen der Hochschule Berlin unterstützt. Wir haben für die Hopfenhändler neue Sorten getestet. Dabei sind sehr interessante Biere mit ausgefallenen Rohstoffen entstanden, die aber nicht auf den Markt gekommen sind. Jetzt haben wir uns überlegt: Warum sollten wir, wenn die Nachfrage nach solchen Produkten wächst, nicht eine eigene Marke entwickeln, um diese Produkte auch an den Konsumenten zu bringen.

Ist Craftwerk für Bitburger mehr als ein Experimentierlabor? Wie groß kann dieser Trend werden?

Unser Ausstoß ist derzeit natürlich begrenzt. Wir arbeiten mit sehr, sehr kleinen Chargen. Die Versuchsbrauerei fasst etwa 20 Hektoliter. Wir wollen unseren Erfolg aber auch nicht in Volumina messen.

Gehen Sie auch gezielt in die Gastronomie?

Wir überlegen das und werden Craftwerk auch in Kürze auf einem Testmarkt im Frankfurter Raum in verschiedene Restaurants bringen. Dann werden wir die Reaktion der Verbraucher abfragen. Wichtig ist es, nah am Verbraucher dran zu sein. Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig. Neben unserem Onlineauftritt sind wir darum auch auf sehr vielen Bierfestivals in Deutschland unterwegs.

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  • Warum soll eine gute Flasche Bier weniger kosten als eine gute Flasche Wein?

    Weil gute Trauben teurer sind als Hopfen und Malz. Gute Trauben brauchen viel Pflege und einen guten Standort. Sie sind daher nicht in größeren Mengen herstellbar.

    Ich trinke lieber Bier als einen gewöhnlichen Wein, doch für einen guten wein lasse ich jedes Bier stehen. Wein ist einfach das edlere Produkt, wenn er sorgfältig und aus guten Trauben hergestellt wird. Die Vielfalt seiner Geschmacksnoten übertrifft jene des Bieres bei weitem. Das rechtfertigt den höheren Preis.

  • Die "richtige" Frage lautet: Warum muss gutes Bier so teuer sein? Nur, damit Manager nicht mehr schlafen können, weil Sie nicht wissen, wohin mit dem "abgezockten" Geld?? Mein Beispiel z.B. BIO ist fast 100x so teuer, obwahl man auf Chemie verzichtet, die ja kostet! Außer ist ist es eine Geschmacksfrage. Verfolgt man die Medien, sind sehr viele, zu viele BIO-Produkte nur Abzocke. Von Skandalen zu schweigen.

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