Blockbuster-Pleite: Die Videothek zieht ins Wohnzimmer

Blockbuster-Pleite
Die Videothek zieht ins Wohnzimmer

Die Pleite des US-Marktführers Blockbuster zeigt: Stationäre Videotheken sterben aus. Auch in Deutschland steckt die Branche in einer Krise. Wer den Einstieg in das digitale Distributionsgeschäft verpasst hat, kommt heute kaum mehr auf einen grünen Zweig.
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NEW YORK/DÜSSELDORF. Die Videotheken-Landschaft ist in einem rasanten Umbruch. Wer den Einstieg in das digitale Distributionsgeschäft verpasst hat, kommt heute kaum mehr auf einen grünen Zweig. Die Pleite des US-Marktführers Blockbuster am Donnerstag mit seinen weltweit 5 000 Videotheken ist ein Fanal für eine Branche, die auch in Deutschland in einer existenziellen Krise steckt.

Mehr als 1 000 stationäre Videotheken hätten in den vergangenen zwei Jahren geschlossen, sagt Rainer Ordegel, Geschäftsführer des Bundesverbands Home-Entertainment: "Wir merken das Internet extrem, gerade im Bereich der Hardcore-Erotik." Vor der Verbreitung des Internets habe der Erotikmarkt die Videotheken noch stabilisieren können. Inzwischen aber sei das Angebot an Pornofilmen im Netz zu groß geworden - auch an verbotenen Inhalten. Ordegel: "Der illegale Markt ist nicht mehr zu bremsen, das macht die Videotheken fertig."

Die seit Jahren darbende Branche verlor im ersten Halbjahr 2010 erneut knapp sechs Prozent Umsatz auf nur noch 111 Mio. Euro, berichtet der Bundesverband audiovisuelle Medien. Zwar liehen sich die Kunden verstärkt Blu-ray-Discs mit Filmen in HD-Qualität aus, doch das Wachstum in diesem Segment reiche nicht aus, um die schweren Verluste im klassischen DVD-Verleih aufzufangen.

Das Onlinegeschäft mit Kauf- und Leihvideos wächst dagegen kräftig. Im ersten Halbjahr 2010 erzielte der neue Vetriebszweig bereits 20,7 Mio. Euro Umsatz und damit gut dreimal mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Geschäftsführer Axel Schmiegelow vom 2006 in Köln gegründeten Onlinedienst Sevenload erwartet deutliche Umsatzsteigerungen für die Branche: Allein Sevenload soll im nächsten Jahr einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" an Umsatz erzielen.

Der Durchbruch kommt mit internetfähigen Fernsehgeräten, die die Videothek ins heimische Wohnzimmer bringen. Sevenload ist bereits auf Sony-TV-Geräten vertreten, Verhandlungen mit weiteren Anbietern laufen derzeit. Das Videoportal Maxdome hat etwa Verträge mit Microsoft und dessen Spielekonsole Xbox 360 in der Tasche. Auch andere große Spieler der Unterhaltungsbranche bereiten die digitale Zukunft vor. Sony hat einen Videovertrieb für die Playstation 3 angekündigt. RTL und Pro Sieben planen einen Serien- und Spielfilmvertrieb nach dem Vorbild des erfolgreichen US-Dienstes Hulu, der aber derzeit noch nicht von den Kartellbehörden abgesegnet worden ist. Mit dem Onlinevertrieb von TV-Serien würde den klassischen Videotheken eine weitere starke Säule im DVD-Vertrieb wegbrechen.

Der mit 1,46 Mrd. Dollar verschuldete US-Konzern Blockbuster hat den ungleichen Kampf am Donnerstag aufgegeben und will sich in einem Konkursverfahren neu aufstellen. Vor allem die kalifornische Online-Videothek Netflix hat Blockbuster in den USA das Wasser abgegraben. Netflix lädt Filme per Breitband-Internet direkt auf Fernseher oder Internet. Beliebt sind auch Online-Bestellungen, bei denen Videos per Post für zehn Dollar Monatsgebühr nach Hause verschickt werden. Netflix wächst kontinuierlich und erzielte im Vorjahr bereits 1,7 Mrd. Dollar Umsatz.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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