Bochumer Verein

Chinesische Investorengruppe kauft Bahnspezialisten

Eine bislang unbekannte Investorengruppe aus dem Reich der Mitte kauft den traditionsreichen Bahnspezialisten Bochumer Verein. Für das Unternehmen ist es die Chance, Anteile auf dem chinesischen Markt zurückzugewinnen.
Update: 02.11.2016 - 17:34 Uhr
Schon seit 175 Jahren produzierte der Bochumer Verein Stahlguss-Teile für die Industrie. Quelle: dpa
Lange Tradition

Schon seit 175 Jahren produzierte der Bochumer Verein Stahlguss-Teile für die Industrie.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Unternehmen hat Tradition: Seit fast 175 Jahren fertigt der Bochumer Verein hochspezialisierte Stahlguss-Teile für die Industrie und hat sich über die Zeit zu einem der weltweit führenden Hersteller für Eisenbahnräder und -achsen entwickelt. Das Spitzenprodukt der Firma im Besitz der Georgsmarienhütte Holding (GMH) des früheren RWE-Chefs Jürgen Großmann sind Radsätze für Hochgeschwindigkeitszüge. Diese liefern sie an das Who's who der weltweiten Hersteller von Schienenfahrzeugen wie Siemens, Bombardier oder Alstom.

Produkte und Kunden, die auch anderswo großes Interesse auslösen: So erwirbt jetzt eine bislang unbekannte chinesische Investorengruppe die Bahntechnik-Gruppe mit ihren drei Standorten in Deutschland und einer brasilianischen Tochter. Knapp 800 Mitarbeiter beschäftigt die Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH (BVV); im Jahr 2015 wies sie gut 200 Millionen Euro Umsatz aus. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Das sind die aktuellen Superzüge
China: Fuxing
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Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.

China: Fuxing
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Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.

Deutschland: ICE
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Ende 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.

Italien: Alstom Pendolino
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In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)

Italien: Frecciarossa 1000
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Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)

Spanien: AVE
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In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

Spanien: AVE auf Jungfernfahrt (1992)
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Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

„Die Verhandlungen über den Verkauf sind abgeschlossen“, teilte die GMH am Mittwoch mit. „Die Anmeldeverfahren beim chinesischen Kartellamt sowie bei der Behörde für Außenwirtschaft sind eingeleitet worden.“ Beide Partner gehen davon aus, dass der Verkauf bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. Die Holding bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts vor einem Monat.

Allerdings machte nicht wie damals berichtet eine Tochter des Schienenfahrzeug-Giganten China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) das Rennen, sondern eine Full Hill Enterprise Limited mit Sitz in Hongkong. Pikant dabei: Diese Firma war erst im August und eigens für den Kauf des deutschen Bahnspezialisten gegründet worden. Nach Angaben der GMH stecken zwei private Investoren sowie eine weitere Investorengruppe hinter der Full Hill Enterprise. Einem der Investoren gehört den Angaben zufolge eine Zulieferfirma für die Bahnindustrie – allerdings für die Innenausstattung der Waggons.

Von der neuen Eigentümergruppe versprechen sich beide Seiten Vorteile vor allem im Vertrieb: Der Bochumer Verein erhofft sich einen besseren Zugang zum chinesischen Markt. Schließlich investiert das Reich der Mitte jährlich rund 100 Milliarden Euro in den Ausbau der Bahninfrastruktur und ist längst zum wichtigsten Eisenbahnmarkt der Welt geworden.

In den vergangenen zwei, drei Jahren war es für die Bochumer Spezialisten aber zunehmend schwieriger geworden, ihre Produkte dort zu verkaufen: Lokale Anbieter machten ihnen mit Kampfpreisen das Leben schwer, zugleich zieht die Regierung in Peking heimische Produzenten vor. Die neuen Eigentümer wollen im Gegenzug die Vertriebskanäle des Bochumer Vereins nutzen, um ihre Produkte auf dem Weltmarkt unterzubringen. „Die Synergien liegen im Vertriebsweg“, sagte Karlheinz Springer, Geschäftsführer der GMH-Bahntechnik dem Handelsblatt.

Die Eisenbahntechnik zählt – wie auch die Luftfahrt und der Maschinenbau – zu den von der Regierung in Peking definierten Schlüsselmärkten. In diesen Sektoren sollen chinesische Konzerne künftig weltweit eine größere Rolle spielen. Firmenzukäufe in Deutschland sollen neue Märkte öffnen und vor allem den Zugang zu modernem Know-how verschaffen, um die Expansion schneller voranzutreiben.

Der Vorstoß der chinesischen Investorengruppe passt in eine Reihe von Übernahmen deutscher Spezialfirmen durch chinesische Konzerne.  Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY ist Deutschland derzeit das beliebteste Ziel chinesischer Firmenkäufer in Europa. Im ersten Halbjahr gaben sie für 37 deutsche Firmen knapp zehn Milliarden Euro aus. Das ist fast so viel wie im gesamten Jahr 2014. Allerdings sorgte zuletzt das Veto des Bundeswirtschaftsministeriums gegen einen Verkauf des Spezialmaschinenbauers Aixtron für erhebliche Missstimmung zwischen Berlin und Peking. Auch prüft das Ministerium derzeit den geplanten Verkauf der Osram-Lampensparte Ledvance nach China.

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