Bodenabfertigung
Flughafen München spart am Boden

Der Flughafen München reagiert mit einem drastischen Sparprogramm auf die Wirtschaftskrise. Flughafenchef Michael Kerkloh will die hoch defizitäre Bodenabfertigung sanieren und riskiert einen Konflikt mit den Gewerkschaften. Derweil hält der Airport trotz Krise an seinen ehrgeizigen Ausbauplänen fest.

MÜNCHEN. „Ende des Jahres werden wichtige Abfertigungsaufträge vergeben“, sagte Kerkloh dem Handelsblatt. „Dann muss die Kuh vom Eis“, so der Chef des Flughafenbetreibers FMG. Sollte das Bodenpersonal nicht signifikanten Einsparungen bei der Bezahlung zustimmen, droht der Flughafenchef mit Ausgliederung der Leistungen.

Deutschlands zweitgrößter Flughafen leidet wie auch Frankfurt unter dem einbrechenden Luftverkehr. Im ersten Halbjahr gingen die Passagierzahlen um neun Prozent zurück. „Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Minus von sechs bis sieben Prozent“, sagte Kerkloh. Stand im vergangenen Jahr noch ein Gewinn nach Steuern von 48 Mio. Euro in den Büchern, so fürchtet die FMG in diesem Jahr ein „leicht negativen Ergebnis“. Der Flughafen braucht aber Gewinne, um die ehrgeizigen Ausbaupläne wie den Bau einer neuen Startbahn finanzieren zu können.

Die Flaute in den Passagierzahlen wird nach Kerklohs Ansicht noch eine Weile andauern. Erst 2011 könnte München nach seiner Einschätzung wieder die Passagierzahlen von 2008 erreichen. München war in den vergangenen zehn Jahren der Flughafen mit dem stärksten Wachstum in Europa und zählte 2008 34,5 Mio Passagiere.

Der Flughafenbetreiber will in der Krise seine Bilanz wieder ins Lot bringen. So sollen die Start- und Landegebühren 2010 um rund 2,5 Prozent steigen, sehr zum Ärger der Airlines. Im Abfertigungsgeschäft gehe nach Kerklohs Ansicht kein Weg an harten Einschnitten vorbei. Deutschlands zweitgrößter Airport schreibt pro Jahr rund 30 Mio. Euro Verlust im Geschäft mit seinen Bodendiensten. Kerkloh will das Defizit zum Teil über höhere Abfertigungsgebühren und effizientere Prozesse schließen. Die Masse der Einsparungen soll nach Auskunft der Dienstleistungsgesellschaft Verdi aber von den Beschäftigten kommen.

„Die FMG will die Bezahlung um 20 bis 30 Prozent drücken“, sagt der Münchener Verdi-Chef Heinrich Birner, der zugleich im Aufsichtsrat der FMG sitzt. „Die Beschäftigten haben bereits auf Lohn verzichtet und werden das nicht hinnehmen.“ Damit droht Deutschlands zweitgrößtem Flughafen ein Tarifkonflikt. Auch ein Streik der 1 800 Boden-Beschäftigten mochte Binder nicht ausschließen.

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