Börsen-Chef Seifert geht
Chronik: Die gescheiterte LSE-Übernahme

Zweimal hat die Deutsche Börse versucht, den Londoner Handelsplatz LSE zu übernehmen, zweimal ist sie damit gescheitert. Der Streit mit den Anteilseignern führte nun zum Rücktritt von Börsenchef Werner Seifert. Die Chronologie der Ereignisse:

Mai 2000: Die Börsen in London und Frankfurt kündigen ihre Fusion zum größten Börsenplatz Europas an. Gemeinsam mit den Häusern in Mailand und Madrid soll die Superbörse iX entstehen.

August 2000: Der schwedische Börsenbetreiber OM Gruppen legt der LSE ein konkurrierendes Übernahmeangebot vor. Das Management lehnt ab, bei den LSE-Aktionären stößt die Offerte hingegen auf Interesse.

September 2000: Die LSE zieht sich aus dem iX-Projekt zurück, um sich auf die Abwehr einer feindlichen Übernahme durch OM zu konzentrieren. Dabei handelt es sich auch um einen Vorwand, denn sowohl am Main als auch an der Themse war schon Kritik an einer vorschnellen Fusion laut geworden.

Dezember 2004: In einem neuen Anlauf veröffentlicht die Deutsche Börse ein an die LSE im Wert von knapp zwei Mrd. €. Kurz darauf bekundet auch die Vierländerbörse Euronext (Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Paris) ihr Interesse.

Januar 2005: Die Londoner Börse lehnt das Frankfurter Angebot von 530 Pence pro Aktie ab, lässt aber die Tür für weitere Verhandlungen offen.

6. März 2005: Die Deutsche Börse zieht ihr Übernahmeangebot zurück und reagiert damit auf die Kritik ihrer Anteilseigner. Gleichzeitig behält sie sich das Recht vor, ein neues Angebot für den Fall zu unterbreiten, dass Euronext oder ein anderer Interessent ein Gebot abgibt.

23. März 2005: Die Börsen-Führung wirbt um die Gunst der Aktionäre. Unter anderem sollen für 448 Mill. € Aktien zurückgekauft werden. Wenig später kündigt Seifert die Schaffung eines Shareholder-Komitees an, das die Interessen der Aktionäre vertreten und sich regelmäßig treffen soll.

5. April 2005: Spekulationen über das Ausscheiden von Aufsichtsratschef Rolf Breuer und Börsen-Chef Werner Seifert unter dem Druck unzufriedener Aktionäre machen die Runde.

15. April 2005: Der Hedge-Fonds TCI, ein Wortführer der unzufriedenen Anteilseigener, kündigt an, bei der Hauptversammlung am 25. Mai Breuer stürzen zu wollen.

18. April 2005: Der Schlagabtausch eskaliert: Seifert wirft TCI in einem offenen Brief geschäftsschädigendes Verhalten vor.

19. April 2005: TCI-Chef Christopher Hohn fordert die Ablösung Seiferts.

20. April 2005: Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung heißt es, es werde keine personellen Konsequenzen geben. Das Gremium habe sich hinter Seifert gestellt.

3. Mai 2005: Die Börse legt nochmal nach und stellt den Aktionären die Ausschüttung von insgesamt rund 1,5 Mrd. € bis Mai 2007 in Aussicht. Davon sollen 800 Mill. € bereits in diesem Jahr fließen

8. Mai 2005: Laut Medienberichten wird der Druck der Aktionäre immer stärker.

9. Mai 2005: Seifert tritt zurück, Breuer kündigt den Rückzug zum Jahresende an.

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