Börsengang
Blackstone-Pläne liefern Zündstoff

Paukenschlag in New York: Durch den angestrebten Börsengang des Finanzinvestors Blackstone stehen der Wall Street einschneidende Änderungen ins Haus. Gerade etablierte Banken haben starke Konkurrenz zu befürchten, da Blackstone ganz genau weiß, was mit dem Erlös geschehen soll.

NEW YORK. Die Börsenpläne der Blackstone Group könnten die Wall Street ebenso stark verändern wie die Private-Equity-Branche. Die geplante Neuemission mit einem angestrebten Volumen von vier Mrd. Dollar stellt einen der größten Börsengänge des Jahres dar und wird den beteiligten Banken mit Morgan Stanley und Citigroup an der Spitze Einnahmen von mehr als 150 Mill. Dollar bescheren. Zugleich will Blackstone mit dem Erlös den klassischen Investmentbanken Konkurrenz machen. Vor allem Goldman Sachs entsteht damit Experten zufolge ein neuer Rivale. Dazu passt, dass Goldman beim Börsengang kein Mandat bekommt.

Blackstone hatte vor kurzem den Antrag auf eine Notierung an der New York Stock Exchange bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht. Die Private-Equity-Firma will Analystenschätzungen zufolge etwa zehn Prozent ihrer Anteile an Investoren verkaufen. Damit käme Blackstone auf einen Marktwert von bis zu 40 Mrd. Dollar und würde die beiden Investmentbanken Lehman Brothers und Bear Stearns übertreffen.

In der 221 Seiten starken Mitteilung an die SEC deutet Blackstone an, dass es die Börseneinnahmen unter anderem dazu verwenden könnte, sein Geschäft in der Vermögensverwaltung und der Beratung bei Fusionen und Übernahmen auszubauen - beides Bereiche, die zu den klassischen Geschäftsfeldern der großen Wall-Street-Häuser gehören. Blackstone ist hier bereits aktiv und könnte zum Beispiel durch die Übernahme von Hedge-Fonds oder Investment-Boutiquen expandieren.

Damit würde der Finanzinvestor dem Profil von Goldman Sachs immer ähnlicher. Auch die führende Investmentbank tummelt sich an nahezu allen Finanzmärkten und ist in den vergangenen Jahren verstärkt ins Private-Equity-Geschäft eingedrungen. "Das wird ein Schaukampf zwischen zwei Weltklasse-Athleten", sagte Henry Wu, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Texas, dem "Wall Street Journal". Auffällig ist, dass Goldman beim Börsengang von Blackstone nicht zum Zuge kommt. Über die Hintergründe wird an der Wall Street rege spekuliert. Goldman halte die Bewertung für übertrieben, sagen einige. Andere mutmaßen, dass Goldman den Börsengang einer anderen großen Private-Equity-Gesellschaft vorbereitet. Als mögliche Börsenaspiraten gelten Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) sowie die Carlyle Group.

Für Zündstoff sorgen die Börsenpläne von Blackstone auch angesichts der anhaltenden Debatte über eine bessere Unternehmensführung (Corporate Governance). "Wir wollen ein etwas anderes Börsenunternehmen sein", schreibt Blackstone auf Seite 7 des SEC-Antrags. Firmenchef Stephen Schwarzman will zwar das Geld der Investoren einsammeln, deren Mitsprache jedoch auf ein Minimum begrenzen.

Um die absolute Kontrolle für Schwarzman und seine Partner sicherzustellen, wird Blackstone als "Partnerschaft" an die Börse gehen. Das bedeutet, dass die neuen Anteilseigner weder Einfluss auf die Wahl der Spitzenmanager haben, noch bei strategischen Entscheidungen mitreden können. Unabhängige Direktoren in der Führungsriege wird es ebenso wenig geben wie einen Ausschuss zur Kontrolle der Managergehälter. Auch auf den üblichen vierteljährlichen Ergebnisausblick müssen die Investoren verzichten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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