Börsengang für Warenhäuser angedacht
Middelhoff zerstückelt Karstadt-Quelle

Vor drei Jahren stand es schlimm um Karstadt-Quelle: Das Geschäft lief dermaßen schlecht, dass selbst eine Pleite möglich schien. Dann übernahm Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Middelhoff den Chefposten. Durch Verkäufe spülte er Milliarden in die klamme Kasse. Doch setzt er seinen neuesten Plan um, bleibt von dem einst stolzen Handelskonzern kaum mehr etwas übrig.

HB LONDON. Middelhoff nimmt sich die Touristik-Sparte als Vorbild für die Zukunft der Karstadt-Warenhäuser. Er denke daran, die Kaufhäuser mit einem Konkurrenten zusammenzulegen und sie dann in spätestens 18 Monaten an die Börse zu bringen, sagte Middelhoff der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. „Was wir mit Thomas Cook gemacht haben, könnten wir leicht auch mit den Warenhäusern tun. Ich glaube, im Warenhausgeschäft wird das Gleiche passieren.“ Die Zeitspanne ist allerdings eng: Middelhoff will den Konzern Ende 2008 verlassen.

Die Reisetochter Thomas Cook hatte im Februar den britischen Konkurrenten My Travel geschluckt. Am Dienstagmorgen gab das fusionierte Unternehmen als Thomas Cook Group in London mit Kursgewinnen sein Börsendebüt. An der Thomas Cook Group hält Karstadt-Quelle 52 Prozent, die bisherigen My-Travel-Aktionäre 48 Prozent.

Setzt Middelhoff seine Pläne für die Kaufhäuser um, bliebe von dem einstigen Traditionskonzern praktisch nichts übrig: Die Versandtochter Neckermann.de will er an die Börse bringen, von den Immobilien der Warenhaussparte und 74 kleineren Kaufhäusern hat sich Middelhoff im Zuge der Sanierung bereits getrennt; das Geld nutzte er zum Schuldenabbau. Bleibt noch der restliche Versandhandel mit der Hauptmarke Quelle. Doch auch hier hat Middelhoff bereits Immobilien abgestoßen und den Einkauf zu großen Teilen an ein chinesisches Handelshaus ausgelagert.

Der ehemalige Bertelsmann-Chef verglich seine Strategie ausdrücklich mit der des britischen Mischkonzerns GUS, der sich im vergangenen Jahr von der Börse zurückgezogen hatte, nachdem er seine Haushaltswaren-Handelssparte Home Retail Group und den Kreditinformationsanbieter Experian abgespalten hatte. Schon zuvor war der Modekonzern Burberry von GUS abgetrennt worden.

Große Pläne mit Warenhäusern

Middelhoff hat für die Kaufhaus-Sparte hochfliegende Pläne. Noch in diesem Jahr könne ein Edel-Warenhaus im russischen Sankt Petersburg eröffnet werden. Auch in Moskau sei man in Verhandlungen, des weiteren denke er an Istanbul und an Dubai als Standorte. Insgesamt könne Karstadt nach dem Vorbild des Berliner KaDeWe im Ausland sieben bis acht Nobel-Kaufhäuser mit jährlichen Umsätzen von jeweils 150 bis 200 Mill. Euro betreiben, sagte er.

Am Touristikgeschäft will Middelhoff festhalten: „Wir glauben an Thomas Cook. Das wird signifikante Werte für die Aktionäre schaffen“, sagte er. Das könne die Aktie von Karstadt-Quelle über 40 Euro treiben; am Dienstag schloss sie bei 25,90 Euro. Sie war wegen enttäschender Umsatz- und Gewinnzahlen zuletzt stark unter Druck geraten.

Die Reisetochter habe Spielraum für Sonderausschüttungen und könne trotzdem Übernahmen stemmen, sagte Middelhoff. Banken seien angesichts der hohen Liquidität schon auf das Unternehmen zugekommen und hätten ihm Sonderdividenden oder Zukäufe nahe gelegt, sagte Middelhoff, der dem Aufsichtsrat der britischen Tochter vorsitzt. Bis Herbst solle eine Entscheidung fallen. Chancen für Übernahmen gebe es in asiatischen Ländern wie China, Indien oder Japan – aber auch im Wachstumsmarkt Russland.

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