Börsengang gegen Willen der einflussreichen Eisenbahnergewerkschaft gilt als wenig aussichtsreich
Transnet schießt gegen Börsenpläne der Bahn

Angesichts der Preiserhöhungen der Bahn dringt die Gewerkschaft Transnet auf eine Sondersitzung des Aufsichtsrats Anfang Oktober. Transnet-Chef Norbert Hansen, der auch Vizevorsitzender des Kontrollgremiums ist, fordert, dass der derzeit für 2006 geplante Börsengang aufgegeben wird, ohne bereits jetzt einen neuen Termin festzulegen. Damit erhalten die Börsenpläne von Bahnchef Hartmut Mehdorn einen weiteren Rückschlag.

HB BERLIN. Hansen fordere eine entsprechende Sitzung in einem Brief an Aufsichtsratschef Michael Frenzel, bestätigte ein Transnet-Sprecher am Dienstag einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir wollen jetzt einen Kurswechsel“, sagte der Sprecher. Hansen, der auch Vize-Aufsichtsratschef der Bahn ist, galt bisher nicht als entschiedener Gegner eines Börsengangs. Er hatte eine Zustimmung für den Börsengang angedeutet, wenn im Gegenzug die Bahn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten würde. Der jetztige Beschäftigungspakt bei der Bahn läuft Ende des Jahres aus. Hansen werden wie Mehdorn enge Kontakte zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nachgesagt, der die Börsenpläne unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt hatte. Die Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat können eine solche Sitzung verlangen. Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine Sondersitzung auf Drängen von Hansen gegeben.

Hansen warnt nach dem Zeitungsbericht in dem Brief an Frenzel, ein Scheitern des Börsenganges würde allen Kritikern des gegenwärtigen Konzernmodells neue Argumente liefern, das Schienennetz aus der Bahn AG herauszutrennen und die Bahn zu zerschlagen. Er fordere die Sondersitzung des Aufsichtsrats für Anfang Oktober. Ein Börsengang gegen den Willen der einflussreichen Eisenbahnergewerkschaft gilt in Konzernkreisen als wenig aussichtsreich.

Das Bundesverkehrsministerium als Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat erklärte, man habe stets gesagt, dass erst die Zahlen für das Jahr 2004 vorliegen müssten, um eine Entscheidung zu treffen. „Für Diskussionen ist der Aufsichtsrat aber das richtige Gremium“, sagte der Sprecher des Ministeriums. Der Zeitung sagte Hansen nach dem Bericht, die für dieses Jahr kalkulierten 300 Mill. € Gewinn seien „bei weitem nicht mehr erreichbar“. Die US-Investmentbank Morgan Stanley, die die Börsenchancen im Auftrag des Bundes untersucht, hat sich in ihrem jüngsten Bericht skeptisch zur Konzernentwicklung geäußert. Aufgrund des Sparkurses sei die Chance aber noch gewahrt, heißt es in dem Bericht.

Weiter berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, auch Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mache sich große Sorgen um den geplanten Börsengang. In einem Brief habe er Frenzel aufgefordert, eine Projektgruppe einzurichten, die den Börsengang unterstütze. Nötig sei eine Bewegung von industrieller, politischer und parlamentarischer Seite, habe Mehdron gefordert, berichtete das Blatt. Ein Bahn-Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

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