Handel + Konsumgüter
"Börsenkonsolidierung ist nicht vom Tisch"

Lutz Raettig, Vorsitzender des Börsenrates der Frankfurter Wertpapierbörse, über die Situation nach dem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange.

Wie groß ist der Schaden des Scheiterns der Übernahme für den Finanzplatz Frankfurt und die Deutsche Börse?

Es ist schade, dass die Chance aufgeschoben oder möglicherweise verpasst wurde. Sicherlich bleibt eine kleine Schramme - weniger für den Finanzplatz als möglicherweise für die Institution Deutsche Börse. Zugleich ist im Zuge des Prozesses aber besonders klar geworden, dass Frankfurt mit der Deutschen Börse einen sehr effizienten, finanziell starken Börsenbetreiber hat - das ist ein Trumpf für den Finanzplatz.

Ist die europäische Börsenkonsolidierung jetzt vom Tisch?

Das glaube ich nicht. Denn der Druck der Investoren, Emittenten und Banken, also der Kunden aller Börsen, hält weiter an. Die großen Fondsgesellschaften und Banken wollen niedrigere Kosten bei Handel und Abwicklung. Das lässt sich am einfachsten über eine Konsolidierung der Börsen erreichen.

Die besseren Karten hat jetzt Euronext.

Wir werden sehen, wie es weitergeht. Sollte Euronext bieten, kann sich die Deutsche Börse ja wieder in den Prozess einschalten. Die LSE bleibt eher geschwächt und könnte somit weiter Übernahmekandidat sein.

Muss Vorstands Seifert seinen Hut nehmen?

Das wäre grundfalsch. Damit würde man auch den Versuch der Börsen-Konsolidierung an sich in Frage stellen. Diese Idee war und ist aber grundsätzlich richtig. Außerdem würde man die erstklassige strategische Aufstellung und Geschäftsentwicklung der Börse bestrafen.

Letztlich haben Hedge-Fonds den Widerstand angezettelt und sich durchgesetzt. Ist das eine gute Entwicklung?



Wenn sich alles nur noch um um das Interesse von Anleger dreht, die extrem kurzfristig agieren, dann haben wir ein Problem in der Planung und Durchsetzung mittel- und langfristiger Unternhemensstrategien. Diese Frage betrifft auch andere deutsche Unternehmen mit hohem Streubesitz und geringer HV-Präsenz. Wir kommen damit in eine ordnungspolitische Debatte über die Frage.

Das Interview führte Christian Potthoff

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