Börsenneuling
Praktiker drängt in den MDax

Nach dem Bezahlfernsehsender Premiere und dem Triebwerkshersteller MTU Aero Engines geht ein weiteres Schwergewicht in diesem Jahr an die Börse: Praktiker, der einstige Sanierungsfall.

mm/HB FRANKFURT. Die Baumarkt-Kette erwartet einen Emissionserlös von 604 Mill. Euro, wovon 140 Millionen Euro Praktiker selbst zuflösse und der Rest an den bisherigen Eigner Metro ginge. Damit wäre Praktiker in puncto Marktkapitalisierung ein Kandidat für den MDax und hat am Montag auch selbst erklärt, in den Index zu wollen. Metro selbst hatte zunächst nur einen erwarteten Erlös von 424 bis 504 Mill. Euro genannt.

Der Handelskonzern Metro hatte sich erst vor anderthalb Wochen entschlossen, die Tochter an die Börse zubringen, nachdem Verhandlungen mit einem Privatinvestor scheiterten. Jetzt sucht Metro zeitgleich zur Aktienplatzierung Käufer für die Immobilien von Praktiker, die einen Wert von insgesamt über 1 Mrd. Euro haben.

Praktiker will am 18. November bis zu 34,5 Mill. Aktien in einer Spanne zwischen 16 und 19 Euro platzieren, von denen 8 Mill. aus einer Kapitalerhöhung stammen. Damit würde sich Metro von rund 60 Prozent der Baumarkt-Aktien trennen. Bis gestern stellten die begleitenden Banken JP Morgan, ABN Amro und Deutsche Bank den Börsengang bei Investoren vor. In Branchenkreisen hieß es, dass die Emission auf reges Interesse gestoßen sei.

Als Basis für die Bewertung von Praktiker dient vor allem der Konkurrent Hornbach. Nach diesem Maßstab ergibt sich einschließlich der Kapitalerhöhung von gut 140 Mill. Euro ein Unternehmenswert von rund 1,2 Mrd. Euro. Zieht man davon den üblichen Abschlag von etwa 20 Prozent für einen Börsengang ab, erhält man einen Unternehmenswert von rund 960 Mill. Euro.

Auf dieser Basis würde Praktiker mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 12 bewertet. Damit käme Metro den Forderungen der Investoren entgegen. Fondsmanager hatten betont, dass sie ein KGV von 15 für überzogen hielten, und einen Wert von um die 10 gefordert. Als Grund nennen sie den Wettbewerbsdruck in der Branche. Experten beziffern die Überkapazitäten auf dem deutschen Markt auf 30 Prozent. Für Wachstumsphantasie sorgt bei Praktiker vor allem das Osteuropageschäft.

Im Jahr 2002 galt die Baumarktkette noch als Sanierungsfall mit einem Jahresverlust von 42 Mill. Euro. Inzwischen hat Vorstandschef Wolfgang Werner umgedreht. 2005 wird Praktiker voraussichtlich 67 Mill. Euro Gewinn machen, 2008 sollen es 100 Mill. Euro werden. Ob das gelingt, ist aber unsicher. Der Börsenprospekt nennt eine Reihe von Risiken. Abgesehen von der Gefahr, dass die Osteuropa-Strategie nicht aufgeht, ist offen, welche Folgen das Auslaufen der Verträge mit der Mutter Metro in drei Jahren haben wird. Darüber hinaus warnt Praktiker, dass sich die negative Entwicklung der 22 Top-Baumärkte verstärken und das Ergebnis dauerhaft belasten könnte.

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