Bolschoi
Die teuerste Theater-Sanierung der Welt

Nach sechsjähriger Restauration wurde am Freitag das Moskauer Bolschoi Theater wiedereröffnet. Hinter der alten Fassade steckt eine der modernsten Spielstätten der Welt.

MoskauAn sein erstes Rendezvous mit dem ehrwürdigen Bolschoi Theater in Moskau kann sich Bauphysiker Jürgen Reinhold gut erinnern. Er war von der Eleganz des Prachtbaus beeindruckt - und zugleich schockiert: "Das Theater war stark in die Jahre gekommen", sagt Reinhold und erzählt von abgesessenen Stühlen und ausgetretenen Fußböden. "Moderne Technik fehlte völlig, und der Betonboden fraß die Töne auf." Der Akustikexperte der Firma Müller-BBM erkannte schnell: Hier ist eine Menge zu tun.

Sechs Jahre und unzählige Arbeitsstunden später erstrahlt der heruntergewirtschaftete Musentempel der russischen Hauptstadt wieder im Glanz der Zarenzeit: Zeitweise 3600 Restauratoren haben das 155 Jahre alte Gemäuer grundsaniert und bis auf kleinste Details so rekonstruiert, wie es die Pläne des italienischen Architekten Alberto Camillo Cavos vorsahen. Am Freitag beginnt mit einer Gala endlich die neue Spielzeit.
Kosten von einer Milliarde Euro?

Die Moskauer Stadtväter scheuten keine Kosten: 500 Millionen Euro verschlang die Sanierung nach offiziellen Angaben - inoffiziell ist von der doppelten Summe die Rede. Fest steht, dass das Projekt als die teuerste und aufwendigste Theatersanierung der Welt in die Geschichte eingeht. Bolschoi-Direktor Anatolij Iksanow meint, dass das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt: "Auch die Kulturexperten der UNESCO haben uns Bestnoten für diese einmalige Sanierungsleistung ausgestellt."

Die Lorbeeren dafür ernten auch Akustiker Reinhold und sein Team. Der 50-Jährige hat mit rund einem Dutzend weiterer Ingenieure die alten Baupläne analysiert, um den Urzustand mit möglichst vielen Originalmaterialien wieder herzustellen. Dafür wurden Vorhänge, Stühle und Baumaterialien in Labors der Firma Müller-BBM in Planegg nahe München auf ihre Schalleigenschaften überprüft. In vielen Sitzungen mit russischen Restauratoren setzte er die besten Materialien durch.

Die Restaurationszeit verzögerte sich auf drei Jahre und dauerte damit doppelt so lange wie ursprüngliche geplant. Das Budget wurde dabei immer wieder gesprengt. Das lag allerdings weniger an teuren Details, sondern am unvorhergesehenen Aufwand bei der Grundsanierung: Das alte Gemäuer musste auf ein komplett neues Fundament gestellt werden - und zwar auf einem morastigen Untergrund. Im Zuge der groben Bauarbeiten ließ Bauphysiker Reinhold den Boden im Theatersaal einseitig absenken. So erhöhte er die Neigung des Bodens und verbesserte die Akustik weiter.

Seite 1:

Die teuerste Theater-Sanierung der Welt

Seite 2:

Blattgold und Barockstühle

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%