Boomendes Geschäft fern der Heimat
Michael Dieckmann besucht die Zukunft

Eine Blumenkette um den Hals, ein roter Punkt auf der Stirn von Michael Diekmann – der Allianz-Chef ist unterwegs auf dem Zukunftsmarkt Indien – mitten in Mumbai.

Dieckmann ist hier der Star. Unter den Allianz-Mitarbeitern herrscht eine Stimmung wie in Deutschland zuletzt während der New Economy. „Dieckmann hat eine positive Ausstrahlung“, lobt der Verkaufs-Manager Niranjan Saha, nach dessen kurzer Begrüßung. Dieckmann, hellbrauner Anzug und Krawatte, gibt sich locker. „Wir gehen jetzt in den Besprechungsraum, sie machen ein wenig Geld – okay?“, verabschiedet er sich von den Beschäftigten.

Noch ist der indische Markt ein kleiner Fisch für den Finanzkonzern. Aber das Geschäft sprudelt mehr und mehr, dank eines Wirtschaftswachstums von jährlich über sechs Prozent. Eines Tages, da ist sich Dieckmann sicher, wird der Markt eine bedeutende Rolle für den Konzern spielen. Experten sehen dies ähnlich. So erwartet die Unternehmensberatung Mc Kinsey einen Anstieg der Gesamtprämien bis 2008 von zehn auf 25 Mrd. Euro. Ein Fünftel dürften private Anbieter einstreichen, welche die Regierung erst vor fünf Jahren ins Land ließ. Sie dürften aber nur Gemeinschaftsunternehmen betreiben. Die Allianz kam spät, da waren die lukrativen Finanzpartner schon an Konkurrenten vergeben. So kam es schließlich zur Verbindung mit Bajaj, dem weltweit viertgrößten Motorradhersteller. Erste Bande hatten Firmenpatriarch Rahul Bajaj und Dieckmann am Tegernsee geknüpft. Die Verbindung entpuppt sich als Glücksfall, denn die Käufer von Motorrädern und die Zielgruppe der Allianz sind identisch – der Mittelstand.

Bajaj-Allianz residiert in Pune, einer tristen Metropole, die sich an einer Straße aufreiht. Im Hauptquartier rollen Mitarbeiter einen roten Teppich aus, das Foyer ist mit Blumengirlanden geschmückt. Auf einem Plakat mit zwei blauen Elefanten steht: „Das am schnellsten wachsende Versicherungsunternehmen – Willkommen Mr. Dieckmann.“ Gleiches dürfte sich der Chef wohl für Deutschland gewünscht haben, als er durch die Eingangshalle eilte. Die Mannschaft ist jung, durchschnittlich 25 Jahre, der Druck groß. Wer seine Zielvorgaben verfehlt, der wird mit einem Monatsgehalt gefeuert. Doch derzeit dürften die Beschäftigten hier weniger Angst um ihren Job haben, als ihre deutschen Kollegen. Zuletzt stellte die Allianz in einem Monat 6 000 neue Agenten ein, insgesamt sind es schon 72 000.

In Mumbai sieht Dieckmann die Probleme Indiens. Eine katastrophale Infrastruktur, eine grassierende Armut. Menschen schlafen auf Verkehrsinseln und hausen unter Plastikplanen. Die Armut blieb trotz des Wachstums gleich.

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