Boots und Alliance wollen gemeinsam international expandieren
Britische Pharmahändler fordern Marktführer Celesio heraus

Die britischen Drogerie- und Apothekenketten Boots und Alliance Unichem formen einen Herausforderer für Europas führenden Pharmahändler Celesio. Die Unternehmen gaben gestern in London bekannt, dass sie sich auf eine Fusion geeinigt haben.

dih HB LONDON. Boots werde zunächst den laufenden Verkauf seiner Pharmaproduktionstochter BHI abschließen, den größten Teil der Erlöse an die Aktionäre ausschütten und sich dann per Aktientausch mit Alliance vereinigen. Die Boots-Eigner sollen 50,2 Prozent an dem neuen Konzern halten.

Die Drogeriekette Boots ist mit 1 400 Filialen eine feste Größe im englischen Geschäftsleben. Doch in ihrem Körperpflege- und Putzmittelsortiment spürt sie die preisaggressive Konkurrenz der Supermarktketten. Boots-Partner Alliance Unichem ist 1997 aus einer britisch-italienischen Fusion entstanden und betreibt mehr als 900 Apotheken in Großbritannien und gut 300 im Rest Europas. Das Unternehmen ist die Nummer zwei im europäischen Pharmagroßhandel hinter Celesio aus Stuttgart und mit knapp 30 Prozent an der deutschen Nummer drei Anzag beteiligt. Gemeinsam kommen Boots und Alliance auf knapp 3 000 Läden und 13 Mrd. Pfund (19 Mrd. Euro) Umsatz.

„Das ist definitiv eine Bedrohung für Celesio“, sagt Robert Gregory, Einzelhandels-Analyst bei dem Londoner Marktforscher Planet Retail. Der Stuttgarter Pharmahändler wollte sich gestern nicht dazu äußern. Er setzt ebenfalls gut 19 Mrd. Euro um und betreibt in Großbritannien 1 400 seiner 1 900 Apotheken. Boots und Alliance haben jedoch addiert vor Steuern zuletzt doppelt so viel verdient wie Celesio.

Drei Ziele der Fusion nannten Boots und Alliance gestern: Sie wollen Europas größte Apothekenkette schaffen, ihr internationales Wachstum forcieren und die Kosten um mindestens 100 Mill. Pfund im Jahr senken. Besonders Alliance-Großaktionär Stefano Pessina, der am neuen Konzern 15 Prozent halten und als Vize-Chairman fungieren wird, wies auf die Chance für Akqusitionen hin: Alliance habe eine Reihe von Kaufmöglichkeiten in der Pipeline.

Analysten werten die Fusion dennoch als eher defensiv motiviert. Die harte Konkurrenz der Supermärkte habe Boots in die Ehe gezwungen. Andere spekulieren darauf, dass Finanzinvestoren mit Gegenangeboten kontern und so den Preis hochtreiben könnten. Alliance wird an der Börse derzeit mit knapp fünf Milliarden Euro bewertet und die Aktionäre würden beim gewählten Fusionsverfahren keine Prämie auf den Kurs bekommen. Boots-Aktien stiegen gestern um acht, Alliance um fünf Prozent.

Einzelhandelsexperte Gregory sagt, Alliance könne durch Nutzung der beliebten Marke Boots den Umsatz steigern und Boots könne bessere Einkaufspreise bei Konsumgüterherstellern aushandeln. Kartellrechtliche Probleme sieht er nicht, weil Boots und Alliance verschiedene Marktsegmente bedienen.

Vor der Fusion muss Boots aber noch den Verkauf der Tochter BHI über die Bühne bringen. In einer letzten Runde mit sechs Bietern für den Hersteller rezeptfreier Medikamente wie dem Hautpflegemittel Clearasil und der Schmerztablette Nurofen soll sich auch die Bayer AG befinden. Als Verkaufspreis erwarten Analysten bis zu 1,75 Mrd. Pfund. Davon sollen 400 Mill. Pfund in den neuen Konzern und der Rest an die Boots-Aktionäre fließen.

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