Bosch zerrt Dyson vor Gericht
Staubsauger-Affäre eskaliert

Dyson wirft BSH vor, Elektronik in Staubsaugern zu manipulieren, um in Messverfahren zu tricksen. Nun bläst die Bosch-Hausgerätetochter zum Gegenangriff – und leitet rechtliche Schritte ein.

München/LondonIm Streit um eine angebliche Irreführung von Verbrauchern bläst der Hausgeräte-Hersteller BSH zum Gegenangriff auf seinen britischen Konkurrenten Dyson. In Großbritannien würden rechtliche Schritte gegen den Staubsaugerhersteller eingeleitet, teilte das Bosch-Tochterunternehmen am Mittwoch in München mit. Zu Details wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht äußern. Dyson hatte BSH vorgeworfen, falsche Angaben zum Stromverbrauch von Staubsaugern zu machen, was der Hausgeräte-Hersteller erneut zurückwies.

Konkret hatte Dyson auf zwei Staubsauger-Modelle von BSH verwiesen, die in unabhängigen Tests deutlich mehr Strom verbraucht hätten als angegeben. Der britische Staubsaugerhersteller wirft BSH deshalb eine Irreführung von Kunden vor und hat beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen BSH und gegen die Siemens Elektrogeräte GmbH beantragt. Am 1. Dezember sei dazu eine Anhörung anberaumt, sagte ein Dyson-Sprecher.

BSH-Chef Karsten Ottenberg warf Dyson-Gründer James Dyson vor, „sehr aggressiv“ gegen seine Mitbewerber vorzugehen. „Mit den völlig haltlosen Betrugsvorwürfen der vergangenen Woche hat er nun eine Grenze überschritten.“

Ottenberg dreht den Spieß um: Nicht die Münchner seien die Bösewichte, sondern Dyson. „Zuletzt konnte die BSH Dyson im Herbst 2014 nachweisen, bei seinen Geräten falsche Werte auf dem Energielabel ausgelobt zu haben. Diese Falschangaben wurden gerichtlich in Deutschland verboten und Dyson hat die Werte europaweit geändert“, teilte die Bosch-Tochter mit.

Alle BSH-Staubsauger, die auch unter dem Namen Siemens vertrieben werden, würden im Einklang mit den Anforderungen der EU-Energielabel- und Ökodesignverordnung geprüft und erfüllten diese vollständig, hieß es. BSH verwies auf eine Überprüfung der Stiftung Warentest, bei dem zuletzt die Bosch-Geräte ohne Beutel besser abgeschnitten hätten als die von Dyson.

Die EU-Kommission hatte zuvor erklärt, ihr lägen keine Belege vor, dass Staubsauger-Hersteller betrügerische Mechanismen nutzten, um Tests zur Einstufung in eine EU-Effizienzklasse zu umgehen. Derzeit gebe es keine verlässliche Methode zu Tests von Staubsaugern mit teils gefüllten, sondern nur für Geräte mit leeren Beuteln. Auch bei der Stiftung Warentest heißt es, BSH bewege sich im rechtlichen Rahmen, doch zeige sich einmal mehr, dass Prüfungen für das Energielabel „häufig lebensfern“ seien.

BSH verwies auf einen Test der Stiftung Warentest, bei dem zuletzt die Bosch-Geräte ohne Beutel besser abgeschnitten hätten als die von Dyson. Sowohl bei den Beutelstaubsaugern als auch bei den beutellosen Staubsaugern, der Kernkompetenz von Dyson, wurden Geräte der BSH zu Testsiegern gekürt. Der britische Wettbewerber hat im gleichen Test für sein Gerät nur ein „ausreichend“ erhalten. Dyson hatte allerdings als erstes Unternehmen in den 90er Jahren beutellose Staubsauger auf den Markt gebracht und ist Marktführer im hochpreisigen Segment über 300 Euro.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
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