Boss legt starke Quartalszahlen vor – Damenkollektion verkauft sich gut
Modekonzern Valentino bereitet sich auf Fusion mit Hugo Boss vor

In Italien nehmen die Spekulationen über eine Zusammenlegung von Hugo Boss und der Valentino Fashion Group zu. Gestern haben die Italiener mit der Änderung ihrer Aktionärsstruktur die Gerüchte weiter angefacht. Offiziell hält sich das Unternehmen allerdings noch bedeckt.

kk/mwb MAILAND/STUTTGART.Hugo Boss gehört mehrheitlich der Valentino Fashion, die wiederum von der italienischen Marzotto-Gruppe kontrolliert wird. Alle drei Unternehmen sind börsennotiert. Nachdem Marzotto diesen Sommer seine Modesparte vom Textilgeschäft abgetrennt hat und unter dem Namen Valentino Fashion Group separat an die Börse gebracht hat, gilt das Verschmelzen der beiden Modetöchter als nächster Schritt. Dabei könnten sowohl die Italiener die deutsche Hugo Boss übernehmen als auch umgekehrt.

Ein Sprecher der Valentino Fashion Group wollte eine mögliche Fusion nicht kommentieren. Gestern hat das Unternehmen die Umwandlung ihrer Spar-Aktien in Stammaktien bekannt gegeben. „Ziel der Umwandlung ist die Vereinfachung der Aktionärsstruktur“, heißt es offiziell.

Mit einer einfacheren Aktionärsstruktur könnte aber auch die Fusion von Hugo Boss und Valentino erleichtert werden, erklärt Gianluca Pacini von der italienischen Investmentbank Caboto. Inhaber von Spar-Aktien verfügen in Italien über besondere Mitspracherechte. „Der Markt deutet die Umwandlung der Aktien als Zeichen dafür, dass eine Fusion bevorsteht“, deutet Pacini den Anstieg der Valentino-Aktie nach der Ankündigung. Der Analyst ist zwar nicht davon überzeugt, dass die Verschmelzung unbedingt nötig sei – „die Synergien können schon jetzt realisiert werden“. Aber er räumt ein, dass in Bereichen wie Investor Relations Einsparungen möglich sind.

Hugo Boss ist der gewinnbringendere Name der beiden. Gestern hat das deutsche Unternehmen wieder starke Quartalszahlen vorgelegt. Auch der langwierige Aufbau der Damenkollektion zahlt sich langsam aus. Im dritten Quartal verbesserte der größte deutsche Modekonzern bei deutlich anziehender Nachfrage die Ertragslage seiner lange verlustreichen Damenmode-Sparte weiter. Die Kollektionen von „Boss Woman“ kommen mit einem Umsatzplus von 37 Prozent auf 74 Mill. Euro bei den Kundinnen immer besser an. Das Nettoergebnis verdoppelte sich nach neun Monaten auf zwei Mill. Euro. Das Potenzial von Boss Woman werde gegenwärtig unterschätzt, stellen die Analysten von Merck Finck fest.

„Die Neuausrichtung mit den Schwerpunkten Damenmode, Accessoires und Prozessoptimierung hat unser Unternehmen neu dynamisiert“, sagt Vorstandschef Bruno Sälzer. Insgesamt legte der Modekonzern beim Umsatz zwölf Prozent auf 439 Mill. Euro zu, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen erhöhte sich sogar um 19 Prozent auf 114 Mill. Euro. Die starke Präsenz von Boss in den USA und der schwache Dollar dämpfen die Umsatzzuwächse etwas. Hugo Boss hatte die Zahlen im wesentlichen vor zehn Tagen bereits vorläufig veröffentlicht und die Gewinnprognose auf 105 Mill. Euro angehoben. Das vierte Quartal ist traditionell schwach und verlustreich, weshalb das Ergebnis im Prinzip schon nach neun Monaten eingefahren sein muss.

Bis Jahresende rechnet der Mode-Konzern beim Umsatz mit einem Plus von zehn Prozent, ohne Währungseffekte zu berücksichtigen. Der Erfolg des Unternehmens scheint die mögliche Verunsicherung im Keim zu ersticken, die der Umbau des Vorstands mit sich bringt. Vor zehn Tagen hatte Sälzer den Abgang des langjährigen Vorstands für Kreation Lothar Reiff bekannt gegeben. Dessen Aufgaben haben Sälzer sowie Einzelhandelsvorstand André Maeder übernommen. Zudem wurde der Vertrag mit Finanzchef Jörg-Viggo Müller nicht verlängert. Analysten sahen gestern darin kein Grund zur Besorgnis.

Wie aus Branchenkreisen verlautet, überlegt die Hugo-Boss-Führung auf Grund ihrer Finanzstärke bereits, dem italienischen Eigner einen Aktienrückkauf vorzuschlagen, um wieder unabhängig zu werden. Bisher stehen die Weichen in Italien jedoch eher auf Fusion der Töchter.

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