Boykott von Dolce & Gabbana
„Sturm im Reagenzglas“

Nach abfälligen Bemerkungen des Designer-Duos Dolce & Gabbana zu Leihmüttern rief Sänger Elton John zum Boykott des Labels auf. Viele Prominente schlossen sich an. Wie hoch der Schaden für die Marke ausfallen könnte.
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Zwischen Elton John und dem italienischen Designer-Duo Dolce & Gabbana ist ein heftiger Streit um künstliche Befruchtung und Leihmütter entbrannt. Nach einem Boykottaufruf des britischen Sängers wegen ihrer Kritik an Babys, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, schlugen die beiden Modeschöpfer nun zurück. Sie warfen Elton John vor, autoritär und voreingenommen zu sein.

„Ich habe mir das von einer Person, die ich wie Elton John für intelligent gehalten habe - ich unterstreiche habe - nicht erwartet“, sagte Stefano Gabbana der Zeitung „Corriere della Sera“. Elton John sei „ein Ignorant“, weil er andere Meinungen nicht wahrhaben wolle. Auf die Frage, ob der Boykott-Aufruf sich auf den Absatz auswirken werde, sagte Gabbana: „Vielleicht verlieren wir einige Fans von Elton John, vielleicht gewinnen wir einige Mammas hinzu, wer weiß...“ Manager von D&G räumten in vertraulichen Gesprächen ein, dass die Empörung der Stars der Modemarke kurzfristig schaden könnte. Doch gehen sie von einem „Sturm im Reagenzglas“ aus, der sich rasch wieder legen dürfte.

In dem Interview, das den Stein ins Rollen brachte, erklärte Dolce, dass er aus einer traditionellen Familie mit Mutter und Vater stamme und deshalb „synthetische Babys“, wie er durch künstliche Befruchtung gezeugte Kinder nannte, „gemietete Gebärmütter“ und „Sperma aus dem Katalog“ ablehne.

Elton John hat mit seinem Mann zwei Kinder von einer Leihmutter. In einem Eintrag im sozialen Netzwerk Instagram warf er den beiden Modeschöpfern vor, mit ihren Ansichten ebenso veraltet zu sein wie mit ihrer Mode. Er werde nie wieder Dolce & Gabbana tragen, erklärte er und rief zum Boykott auf.

Seiner Schelte und seinem Aufruf schlossen sich zahlreiche Stars an, darunter Ricky Martin, Courtney Love, Ryan Murphy und Martina Navratilova. Daraufhin sah sich Dolce zu einer Klarstellung veranlasst: Er habe nur über seine persönlichen Erfahrungen und Ansichten gesprochen, ohne über die „Entscheidungen anderer zu urteilen“, erklärte er. Sein Geschäftspartner Gabbana sagte der Online-Ausgabe des „Corriere della Sera“, er habe sich über Elton Johns Äußerungen derart geärgert, dass er auf Instagram #fascist und #boycotteltonjohn gepostet habe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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