Branche in der Krise
Autohandel von Pleitewelle überrollt

Die Autokrise trifft die 20 000 deutschen Händler massiv: Experten schätzen, dass zehn Prozent aller Unternehmen in die Insolvenz gehen könnten. 25 000 Jobs in der Branche wackeln. Und schuld daran ist ausnahmsweise mal nicht die Finanzkrise.

DÜSSELDORF. Die glorreichen Zeiten von einst, als ein Neuwagen nach dem anderen vom Hof fuhr, als das Geschäft mit Autos noch satte Gewinne abwarf, sind im Autohandel längst vorbei. Doch das Jahr 2008 könnte zum Anno horribilis für die rund 20 000 Händler in Deutschland werden. Experten wie Uwe Röhrig, Inhaber der Branchenberatungsfirma International Car Concept (ICC), sehen auf die Branche schon „eine gravierende Pleitewelle“ von nie gekannten Ausmaßen zurollen. Übertriebenes Krisengerede? Mitnichten.

„Es würde mich nicht wundern, wenn zehn Prozent aller Unternehmen aufgeben müssten“, sagt etwa Professor Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Und auch wenn man beim Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) das Wort „Pleitewelle“ nicht in den Mund nehmen will, kommt die tiefe Krise, in der die Branche steckt, in der Bonner Verbandszentrale an, ist dieses Jahr anders als alle vorherigen. Sprecher Helmut Blümer: „Jeden Tag geht ein Unternehmen in die Insolvenz.“

In Zahlen: Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres mussten 6,2 Prozent der Autohändler die Waffen strecken. Und zwar nicht nur Betriebe, die sich übernommen oder nicht sauber gewirtschaftet haben. „Die Qualität der Unternehmen, die insolvent gehen, das ist neu“, sagt Blümer und meint damit vor allem mittelständische, einst grundsolide Autohäuser in Familienhand. Und mit den Traditionsbetrieben wackeln natürlich auch Arbeitsplätze: Der ZDK sieht 25 000 Jobs in Gefahr – wenn sich nicht ein Käufer oder Finanzier für die in Not geratenen Häuser findet.

"Es ist sachlich falsch, alles Miese auf die Finanzkrise zu projizieren."

Ein Hauptschuldiger für die Malaise ist oft schnell gefunden: Die Finanzkrise soll es sein, sagen zumindest die Autohersteller, wenn sie schlechte Zahlen vorlegen oder die Produktion in ihren Werken drosseln oder gar wochenlang aussetzen müssen. Bei Fachleuten wie Professor Meinig sorgt das nur für Kopfschütteln: „Es ist einfach sachlich falsch, alles Miese auf die Finanzkrise zu projizieren.“

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