Branche trotzt den hohen Kerosinpreisen
Billigairlines fliegen schwarze Zahlen ein

Die deutschen Billigfluglinien schlagen sich drei Jahre nach Beginn des Schnäppchen-Booms besser als erwartet. Trotz dramatisch gestiegener Kerosinkosten stehen die Zeichen für ein Quartett deutscher Anbieter weiter auf Wachstum.

KÖLN. Die Prophezeihung des irischen Marktführers Ryanair, dass die Airlines keine Überlebenschance in diesem hart umkämpften Segment haben, scheint nicht in Erfüllung zu gehen.

Sowohl die 2002 gegründeten Neustarter Germanwings und Hapag-Lloyd Express (HLX) als auch die zu Billigfliegern mutierten Gesellschaften Air Berlin und DBA erwarten zum Jahresende schwarze Zahlen. „Wir sind sicher, in diesem Jahr erstmals ein ausgeglichenes Jahresergebnis vorzuweisen“, sagte der Geschäftsführer der Tui-Tochter HLX, Roland Keppler. Zwar habe die gesamte Branche das Problem, „den Ölpreis fast nicht mehr kontrollieren zu können“, wie Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein in Köln betonte. Die Branche versucht jedoch im Kollektiv, die gestiegenen Kosten über Kerosinzuschläge oder anders lautende Preiserhöhungen aufzufangen. „Es ist schwerer geworden – keine Frage. Aber wir bleiben dabei, dass Ende 2005 eine schwarze Zahl dastehen wird“, sagte Klein.

Die über diverse Zuschläge erhöhten Ticketpreise scheinen den anhaltend steilen Wachstumskurs der Billigflieger (noch) nicht zu gefährden: Germanwings erwartet im laufenden Jahr ein Umsatzwachstum von gut 40 Prozent auf knapp 400 Mill. Euro und beginnt in diesen Tagen seine Expansion an den Standorten Hamburg und Berlin-Schönefeld. 2006 peile Germanwings dann bereits einen Umsatz von 570 Mill. Euro an, sagte Klein.

Der größere Wettbewerber Air Berlin hatte nach neun Monaten bereits ein Umsatzplus von 20 Prozent auf 970 Mill. Euro vorgelegt. Trotz der stark gestiegenen Kosten für Kerosin fliege man „wirtschaftlich auf der sicheren Seite“ und schreibe schwarze Zahlen, teilte das Unternehmen mit. Air Berlin hatte den Trend zum Billigflug frühzeitig entdeckt und sich so einen Vorsprung gegenüber der deutschen Konkurrenz gesichert. Neben der Vermarktung einzelner Flugsitze fliegt das Unternehmen weiterhin für große Reiseveranstalter wie Tui oder Alltours im Charter-Betrieb. Mit dieser Doppelstrategie, die inzwischen von Ferienfluggesellschaften wie Condor oder LTU kopiert wird, hat sich Air Berlin in Deutschland die zweite Position hinter Lufthansa erkämpft.

Germanwings kündigte an seinem dritten Geburtstag an, Air Berlin diesen Platz streitig machen zu wollen. Das Unternehmen verfolge das Ziel, „mittelfristig zur zweitgrößten Fluggesellschaft des Landes aufzusteigen“, sagte Germanwings-Geschäftsführer Klein. 2008 sollen bereits mehr als zehn Millionen Passagiere mit dem Lufthansa-Ableger fliegen. Der Kranich-Konzern ist zwar nicht direkt an Germanwings beteiligt, steuert dessen Expansionskurs aber über eine 49-Prozent-Beteiligung an der Mutterfirma Eurowings.

In Branchenkreisen wird erwartet, dass Lufthansa perspektivisch eine Vollübernahme der Eurowings Luftverkehrs AG anstrebt. Die Billig-Tochter Germanwings, die an ihrem Heimatflughafen Köln/Bonn deutlich höhere Marktanteile hält als ihr direkter Konkurrent HLX, will 2006 auch Standorte auf internationaler Ebene prüfen: Im Visier habe man vor allem Flughäfen in der Schweiz, Italien und den Benelux-Ländern, sagte Klein.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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