Branchen im Wachstumscheck
Die Logistik stößt an ihre Grenzen

Logistik ist inzwischen die drittgrößte Branche in Deutschland. Gibt es Probleme mit dem Waren- und Materialfluss, kommt die Produktion in vielen Unternehmen ins Stocken. Doch schon jetzt ist die heimische Verkehrsinfrastruktur dem Ansturm kaum gewachsen. Logistikdrehscheiben wie See- oder Flughäfen sind ebenso überlastet wie Schienenverkehr oder Fernstraßennetze.

DÜSSELDORF. Fünf bis acht Tage Puffer an Material haben viele Firmen. Kommt dann nichts nach, stockt die Produktion. Die Folgen wären bitter: Konventionalstrafen, verlorene Kunden und Aufträge. Dies zeigt den Stellenwert, den diejenigen heute haben, die den Waren- und Materialfluss organisieren: die Logistiker.

Logistik ist inzwischen die drittgrößte Branche in Deutschland. Ihre Bedeutung für die Volkswirtschaft macht der drohende Streik der Lokführer deutlich: Auf einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag pro Tag würden sich die Ausfälle durch einen Bahnstreik im Güterverkehr belaufen, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Ein Grund dafür: Der Boom in der Branche hat dazu geführt, dass es kaum Ausweichmöglichkeiten gibt. Die Transportkapazitäten im Straßengüterverkehr seien derzeit praktisch komplett ausgelastet, heißt es beim Speditionsverband DSLV. Binnenschiffe seien nur für wenige Güter eine Option, erläutert der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

Auch die Partner der Deutschen Bahn in den Häfen zeigen sich angesichts des Streik-Szenarios nervös: Hamburg, Deutschlands größter Hafen, wickelt ein Drittel des landseitigen Verkehrs über die Bahn ab, 200 Güterzüge am Tag. Bei einem Streik blieben die Container auf den Terminals stehen, befürchtet Christine Kuhnert von der Hafenbehörde Port Authority.

Die deutsche Logistikbranche arbeitet nicht erst seit diesem Jahr an der Kapazitätsgrenze. Auf einen Umsatz von 180 bis 190 Mrd. Euro im Jahr 2006 und 2,6 Mill. Beschäftigte schätzt Christian Kille die Branche. Er ist Logistikexperte beim Fraunhofer-Institut in Nürnberg. Das Wachstum im vergangenen Jahr hat seiner Schätzung zufolge bei etwas mehr als drei Prozent gelegen.

Die Nachfrage ist groß, weil internationale Arbeitsteilung und Globalisierung das Geschäft treiben und weil viele Unternehmen ihre Logistik komplett an externe Dienstleister auslagern. Doch die Branche stößt an ihre Grenzen: Nadelöhr ist die Infrastruktur, die dem Verkehrsansturm kaum noch gewachsen ist.

Logistikdrehscheiben wie See- oder Flughäfen sind überlastet. Noch mehr gilt dies für die Fernstraßennetze, für deren Erhalt und Ausbau nach Ansicht vieler Transportfirmen zu wenig getan wurde. Selbst bei einem Investitionsvolumen von elf Mrd. Euro, mit dem die Bundesregierung in den nächsten Jahren plant, werde der Mangel nur verwaltet, sind sich die Logistikverbände einig. So müssten allein in die Bundesfernstraßen zusätzlich bis zu drei Mrd. Euro jährlich investiert werden – allein, um sie zu erhalten.

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