Branchenbarometer knickt im zweiten Quartal ein
Heuschrecken-Diskussion dämpft Beteiligungsmarkt

Der deutsche Beteiligungsmarkt hat im zweiten Quartal 2005 einen leichten Dämpfer erhalten. Das von der KfW Bankengruppe und dem Branchenverband BVK erstellte „German Private Equity Barometer“ (GPEB) bleibt zwar in deutlich positivem Terrain, der Index ist aber auf 46,4 Punkte gegenüber 56,7 Punkten im Vorquartal gesunken.

FRANKFURT/M. „Wir erwarten, dass es sich bei dem leichten Abknicken um eine temporäre Verschnaufpause handelt“, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Die leicht gedämpfte Stimmung auf dem Markt für außerbörsliche Beteiligungen könnte teilweise auf die im zweiten Quartal recht hitzig geführte politische Diskussion über die Private-Equity-Branche zurückzuführen sein, meint Irsch. SPD-Chef Franz Müntefering hatte die angelsächsischen Finanzinvestoren mit „Heuschrecken“ verglichen, die Unternehmen ausschlachteten und dann weiterzögen. Die Branche fühlte sich durch den Vergleich verunglimpft, im Ausland stieß die politische Diskussion überwiegend auf Unverständnis.

Private Equity steht als Oberbegriff für Beteiligungskapital, das von institutionellen Investoren wie etwa Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen zur Verfügung gestellt wird. Die Beteiligungsmanager sammeln die Mittel in Fonds, die mittlerweile schon beachtliche Größenordnungen im ein- und sogar zweistelligen Milliardenbereich aufweisen. Mit diesen Mitteln werden Konzernteile und Mittelständler erworben, die innerhalb von vier bis sieben Jahren restrukturiert werden. Anschließend werden die Firmen an andere Finanzinvestoren verkauft („Secondaries“), an industrielle Käufer weitergereicht oder an die Börse gebracht.

Trotz des leichten Rückschlags im zweiten Quartal sehen die KfW und der BVK keine grundsätzliche Trendwende im Markt. Der Wert für das zweite Quartal liege weit über dem dreijährigen Durchschnittswert von 28,1 Punkten und auch über dem Vorjahreswert von 24,8 Punkten.

Positiv überrascht hat bei der Erhebung die Geschäftslage bei den Beteiligungsmanagern im „Early Stage“-Bereich. Dieses Marktsegment umfasst die Finanzierung von jungen Technologiefirmen und Unternehmensgründern. Erstmals würden die Möglichkeiten der Mittelbeschaffung hier per Saldo positiv bewertet, auch die Qualität der vorgelegten Geschäftspläne habe sich verbessert. Bisher war das Segment ein Sorgenkind, weil der Großteil der Mittel in „Buyout-Fonds“ floss, die etablierte Unternehmen übernehmen. Dagegen blieben die Taschen für die riskanteren Frühphasenfinanzierungen von jungen Firmen zugeknöpft.

Im Segment der Buyouts bereiten den Beteiligungsmanagern einige Entwicklungen zunehmend Sorgen. Dazu zählen die höheren Einstiegspreise für die guten Deals und die noch immer unbefriedigende Lage bei den Insolvenzen. Positiv vermerkt wird aber die gute Stimmung an der Börse, die als „Ausstiegsoption“ für die Beteiligungen wieder an Bedeutung gewinnt. Nach drei Jahren „intensiver Pflege“ der jungen Technologiefirmen wollten auch viele Venture-Capital-Fonds das bessere Klima für Börsengänge nutzen, erklärt Uwe Fleischhauer, Branchenexperte bei FHP Private Equity Consultants in München.

In Europa hat der Private-Equity-Markt im zweiten Quartal wieder einen Rekordwert erreicht. Nach einer Auswertung des Finanzinvestors Candover zusammen mit dem Forschungsinstitut Initiative Europe stieg der Transaktionswert von April bis Juni gegenüber dem ersten Quartal um 55 Prozent auf 33,53 Mrd. Euro. Dabei hätten vor allem die großen Buyouts den Markt angeheizt. Gegenüber der Vergleichszeit 2004 ergibt sich ein Plus von immerhin noch 40 Prozent. Die Bedeutung von Private Equity im europäischen Markt für Übernahmen und Fusionen (M&A) habe deutlich zugenommen, sagt Jens Tonn, Geschäftsführer von Candover in Deutschland.

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