Branchenblick
Einzelhändler: Knecht Ruprecht statt Nikolaus

Kerzenschein und gute Worte haben nicht geholfen: Die Deutschen waren gerade im Weihnachtsgeschäft nicht in Kauflaune. Folge: Das wichtigste Geschäft des Jahres war für den Einzelhandel eine Enttäuschung. Und ein wirklicher Silberstreif ist am Horizont kaum auszumachen.

HB BERLIN. Die Einzelhändler in Deutschland haben im wichtigen Weihnachtsgeschäft überraschend Umsatzverluste verzeichnet. Im Dezember schrumpften die Erlöse bereits den dritten Monat in Folge, und zwar um 0,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Nach Abzug von Preisveränderungen blieb immer noch ein Minus von 0,2 Prozent. Experten bezeichneten das als Enttäuschung und erwarten auch für das laufende Jahr keine Erholung. Der Branchenverband HDE will noch im Laufe des Tages seine Umsatzprognose für 2009 vorlegen. Im Gesamtjahr 2008 hatten die Einzelhändler nach Angaben der Statistiker trotz Rezession vor allem wegen Preissteigerungen mehr in der Kasse. Der Umsatz legte um 2,1 Prozent zu; preisbereinigt blieb dennoch ein Minus von 0,4 Prozent. Die Inflation lag im vorigen Jahr bei durchschnittlich 2,6 Prozent.

Angesichts der wieder steigenden Arbeitslosigkeit erwarten Analysten eine länger anhaltende Schwäche beim privaten Verbrauch. „Nichts Neues an der Konsumentenfront“, sagte Unicredit-Volkswirt Andreas Rees. „Wenn man in die Zukunft schaut und überlegt, was auf die Konsumenten noch zukommen kann, wird klar, dass die Aussichten schlecht sind.“ In der ersten Jahreshälfte dürfte das Wachstum beim Konsum sich noch um die Nulllinie bewegen. Für das zweite Halbjahr bestehe aber das Risiko, dass er schrumpfe. „Per Saldo sind die Zahlen schlecht, im Quartalsvergleich werden wir ein Minus sehen“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Allerdings sei der Einzelhandel immer noch vergleichsweise stabil, wenn man sich die heftigen Einbrüche bei Exporten und Industrieproduktion ansehe, hieß es.

Die Bundesregierung erwartet dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent. Vor allem Exporte und Investitionen dürften zurückgehen. Beim Konsum rechnet die Regierung dagegen mit einem Plus von 0,8 Prozent. Die Experten der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hielten jüngst ein Plus beim Konsum von bis zu 0,5 Prozent für möglich.

Zum Jahresende erlösten die Unternehmen der Branche verglichen mit dem Vorjahr zwar 0,6 Prozent mehr. Preissteigerungen herausgerechnet, bedeutete dies jedoch ein Minus von 0,3 Prozent. Besonders die Lebensmittel-Fachhändler mussten zum Jahresende kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen, sie nahmen preisbereinigt 5,7 Prozent weniger ein als ein Jahr zuvor. Auch Waren- und Kaufhäuser bekamen die Kaufunlust der Kunden zu spüren, hier gaben die Umsätze um 2,9 Prozent nach. Deutlich besser lief es dagegen bei Versandhändlern, die 6,1 Prozent mehr erlösten.

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