Branchenkonsolidierung geht weiter
Milliardenfusion in US-Luftfahrt im Gespräch

In der US-Luftfahrtbranche plant offenbar ein weiterer Lufthansa-Partner eine milliardenschwere Fusion mit einem heimischen Konkurrenten. Die zweitgrößte US-Fluggesellschaft United Airlines habe mit der Nummer vier, Continental, über einen Zusammenschluss gesprochen, erfuhr Reuters aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.

HB NEW YORK/PHILADELPHIA. Die Verhandlungen seien aber noch in einem frühen Stadium und hätten weder Fragen des Zeitpunkts noch des Preises berührt. Eine Fusion zu einem neuen Branchenriesen wäre eine der größten der Luftfahrtgeschichte.

Nach mehreren Krisenjahren in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 wird die sich erholende US-Flugbranche derzeit kräftig durchgeschüttelt.

Erst vor einem Monat hatte der Lufthansa-Partner US Airways ein Angebot über 8,7 Mrd. Dollar für den insolventen Rivalen Delta Air Lines vorgelegt. Danach hätten United und Continental ihre Kontakte intensiviert, sagte eine informierte Person. „Aber hier ist noch nichts sicher, sie reden derzeit nur.“ Es gebe einige Probleme etwa durch kartellrechtliche Bedenken und die Tatsache, dass die insolvente Northwest Airlines mit ihrer Goldenen Aktie bei Continental eine Übernahme blockieren könne. „Diese Punkte sowie auch Gewerkschaftsthemen müssen gelöst werden, bevor sich über den Preis, die zukünftige Führungsriege und den Zeitpunkt reden lässt“, sagte eine weitere Person.

Der „New York Times“ zufolge trafen sich auch bereits der Chef der United-Mutter UAL, Glenn Tilton, und sein Kollege Larry Kellner von Continental. Das „Wall Street Journal“ berichtete, die beiden Gesellschaften, die jeweils einen Börsenwert von rund vier Mrd. Dollar haben, redeten schon seit einigen Monaten miteinander. Beide Gesellschaften verbuchten 2005 Verluste, sind in diesem Jahr bei den Quartalszahlen aber in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Zusammen beschäftigen United und Continental rund 100 000 Mitarbeiter.

An den Finanzmärkten wurden die Aussichten auf eine weitere Konsolidierung der Branche am Mittwoch positiv aufgenommen: Continental- und UAL-Aktien stiegen am Nachmittag jeweils um rund fünf Prozent. Ein United-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Bei Continental war zunächst niemand erreichbar. United-Chef Tilton hatte in dieser Woche die Notwendigkeit weiterer Zusammenschlüsse in der US-Luftfahrtbranche betont. Welche Rolle sein Unternehmen, das im Februar nach drei Jahren den Gläubigerschutz verlassen hatte, dabei genau spiele, könne er aber nicht sagen. Continental hatte unlängst ebenfalls angedeutet, dass eine Fusion geprüft werde, wenn dies zum Überleben am Markt nötig sei.

US Airways stößt mit seinen Übernahmeplänen bei Delta derzeit noch auf erbitterten Widerstand des Managements. Die Führung der drittgrößten US-Fluggesellschaft will aus eigener Kraft den Gläubigerschutz verlassen und die Sanierung vorantreiben. Die Haltung der Delta-Gläubiger zu der Offerte ist dagegen noch nicht eindeutig klar. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass United neben Continental auch Delta und die Gläubiger wegen eines Zusammenschlusses angesprochen habe. Dies wollte eine Delta-Sprecherin nicht kommentieren. Die Gesellschaft hatte bereits frühere Vorstöße sowohl von US Airways als auch von United zurückgewiesen. „Jeder spricht derzeit permanent mit jedem“, sagte die mit der Angelegenheit vertraute Person zu Reuters.

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