Brandkatastrophe in Pakistan
Streit über Kik-Zahlungen eskaliert

Vertreter der Angehörigen der Opfer des Fabrikbrandes in Pakistan greifen Kik massiv an und werfen dem Unternehmen eine Hinhaltetaktik vor. Der Textildiscounter wehrt sich und spricht von „Unwahrheiten“.

DüsseldorfVor drei Jahren wurden bei einem Fabrikbrand in Pakistan 254 Menschen getötet und 55 verletzt. Und seit dieser Zeit verhandeln Vertreter der Opfer über Entschädigungszahlungen mit dem Textildiscounter Kik, der in dieser Fabrik Kleidung fertigen ließ. Lange Zeit fanden diese Gespräche hinter verschlossenen Türen statt. Doch nun tragen die Beteiligten den Streit in die Öffentlichkeit – und der Ton wird zunehmend ruppiger.

„Wir verlieren langsam die Geduld mit Kik, da es seine Versprechen offensichtlich nicht einhält und versucht, die Verhandlungen über Entschädigungszahlungen zu blockieren“, schimpft Jyrki Raina, Generalsekretär des internationalen Gewerkschaftsverbands IndustriALL, der die Opfer vertritt. Er nennt es eine „Beleidigung, dass die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Todesopfer auch drei Jahre nach der Katastrophe noch darauf warten, dass KiK sich bewegt“. Philip Jennings, Generalsekretär der Gewerkschaft UNI fragt: „Glaubt Kik tatsächlich, die Leben dieser Arbeiter seien weniger wert als die der deutschen Textilarbeiter?“

Der Textildiscounter weist diese Vorwürfe vehement zurück, spricht von „Unwahrheiten“ und von „falschen und widerlegten Behauptungen“. Kik habe sich von Anfang an bereiterklärt, aus Gründen des menschlichen Mitgefühls die erforderliche Hilfe zu leisten und bereits eine Million Euro vorab gezahlt. Das Unternehmen besteht auch darauf, dass es sich nicht um Schadensersatz handele, weil es sich rechtlich nicht in der Schuld sieht.

Der Streit geht im Kern um die Modalitäten der Entschädigung. Kik lehnt weitere pauschale Zahlungen ab und fordert eine Einzelfallprüfung. Der Textildiscounter schlug die Anwendung der Konvention 121 der internationalen Arbeitsorganisation vor, wie es auch im Falle des Unglückes von Rana Plaza in Bangladesch geschehen ist. Dies habe die Gegenseite abgelehnt. Die Gewerkschaften dagegen werfen Kik vor, die Betroffenen immer wieder hingehalten zu haben, „um die Zahlung von langfristigen Entschädigungen für Einkommensverlust, Arztkosten sowie Schmerzen und Leid zu umgehen“.

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Streit über Kik-Zahlungen eskaliert

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„Respekt vor einem deutschen Gericht“

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