Brasilien im Helikopter-Fieber
Die Überflieger von São Paulo

Stau, Stress oder Todesangst lassen immer mehr Brasilianer auf den Helikopter umsteigen. Die Millionenstadt São Paulo zählt inzwischen mehr Hubschrauber-Taxis als New York oder Tokio. Unternehmer wie Jorge Bitar Neto machen das Geschäft ihres Lebens - trotz Finanzkrise.

SAO PAULO. Es war sein bislang größter Coup. "Alle wollten ihn haben, ich hab ihn bekommen", sagt Jorge Bitar Neto und grinst über das ganze Gesicht. Dann zeigt er auf ein Foto: "Das ist er, fast wie neu."

Was Bitar Neto derart entzückt, ist ein Helikopter, Modell Esquilo für fünf Passagiere. Das Besondere: Er gehörte Ayrton Senna, der brasilianischen Formel-1-Legende. Seit dem tödlichen Unfall des Rennfahrers im Jahr 1994 war die Maschine keinen Kilometer mehr geflogen. Bitar Neto kaufte sie jetzt der Familie ab. Über den Preis will er nicht sprechen, nur soviel verrät er: "Ein Schnäppchen war es nicht."

Der Helikopter eines Volkshelden in seiner Flotte - das passt ins Bild. Bitar Neto befindet sich im wahrsten Sinne des Wortes im Höhenflug. Mit 39 Jahren ist er einer der erfolgreichsten Helikopter-Taxi-Unternehmer Brasiliens. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche steht Bitar Neto mit seiner Firma Helimarte bereit für die besonders Eiligen der Elf-Millionen-Metropole São Paulo - eine Klientel, die so erhaben ist, dass er keine Namen preisgibt. Ein Anruf genügt und die Rotoren werden angeschmissen. Was Bitar Netos Helikopter in zehn Minuten schaffen, dafür braucht ein Auto in São Paulo nicht selten zwei Stunden.

Brasilien ist im Heli-Fieber

Helikopter sind Alltag geworden in São Paulo. Niemand schaut hoch, wenn sie wie Insekten am Himmel stehen, mit einem ratternden, brutalen Sound, der jeden Nerv reizt. 800 bis 9 000 Real (rund 300 bis 3 500 Euro) kostet der Taxi-Service über den Wolken pro Stunde - je nach Helikoptergröße und Zahl der Passagiere. Trotzdem muss Bitar Neto Bestellungen abweisen. Mit seinen sieben Helikoptern kann er die Nachfrage kaum noch decken - vor allem während der Rush-Hour am Morgen und Abend.

Schon denkt der Unternehmer über den Kauf eines weiteren Hubschraubers nach. "Kostet um die zwei Millionen Dollar", sagt er. Das kann er sich leisten. Sein Geschäft brummt, Brasilien ist im Heli-Fieber.

Mit dem Aufschwung im Land ist auch die Zahl der Helikopter in die Höhe geschnellt - auf 420 allein São Paulo. Südamerikas Wirtschafts- und Finanzzentrum ist nun auch Helikopter-Hauptstadt. Hier fliegen inzwischen mehr Maschinen als in New York und Tokio. Über 300 Wolkenkratzer-Landeplätze zählt die Mega-Stadt.

São Paulos Liebesbeziehung zu Helikoptern begann 1994 als die brasilianische Regierung beschloss, die neue Währung Real an den Dollar zu koppeln. Folge war eine Einfuhrwelle von US-Hubschraubern. Der amerikanische Heli-Gigant Bell bot angesichts der enormen Nachfrage aus Brasilien sogar Pilotenschulungen auf Portugiesisch an.

Und heute, mitten im Wirtschaftsboom und mit einer Währung, die erst vor kurzem ein Neun-Jahres-Hoch gegenüber dem Dollar erreicht hat, füllt sich der Himmel über São Paulo erneut.

Eine Entwicklung, von der auch der deutsch-französische Helikopter-Konzern Eurocopter profitiert. Die zur Eurocopter-Unternehmensgruppe gehörende brasilianische Helibras stellt Hubschrauber für den zivilen, wie auch den militärischen Bereich her. Das Ordervolumen von Helibras stieg 2007 mit 187 Millionen Dollar auf einen historischen Rekord. Es war eine Steigerung von 70 Prozent im Vergleich zu 2006.

Seite 1:

Die Überflieger von São Paulo

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%