Brief an Deutsche Börse
Hedge-Fonds fordert Clearstream-Abspaltung

Der Deutschen Börse steht neuer Ärger von Seiten eines aufmüpfigen Aktionärs ins Haus. Der US-Hedge-Fonds Atticus, einer der größten Aktionäre der Börse, forderte vom Management des Börsenbetreibers die sofortige Abspaltung der Abwicklungstochter Clearstream.

HB FRANKFURT. „Die Aktionäre würden von einer sofortigen Trennung von Clearstream profitieren“, schrieben die Manager des Fonds in einem Brief an Kurt Viermetz, den Aufsichtsratschef des Marktbetreibers. Die Börse solle sofort weitere Aktien zurückkaufen und zwanzig Prozent ihrer Aktien über ein Auktionsverfahren veräußern.

Atticus äußerte sich nur wenige Stunden, nachdem Börsen-Chef Reto Francioni auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns zwar einen Umbau der Unternehmensstruktur angekündigt, eine Trennung von Sparten aber abgelehnt hatte. Clearstream ist für die Abwicklung und Abrechnung des Wertpapierhandels zuständig und der größter Umsatztreiber des Konzerns. Bereits in der Vergangenheit hatten Bankanalysten eine Aufspaltung der Börse vorgeschlagen, um mehr Mittel zur Ausschüttung an die Aktionäre zu heben.

Atticus bezeichnet in dem Scheiben an Viermetz die Ausschüttungspolitik der Börse vor dem Hintergrund eines neuen Ergebnisrekords als „zu konservativ“ und das Unternehmen selbst als „dramatisch unterbewertet“. Die Börse reagierte mit einer dürren Stellungnahme auf den Brief von Atticus: „Derzeit prüfen wir Möglichkeiten, Handlungsspielraum zur Erweiterung unseres Programms zur Optimierung der Kapitalstruktur zu gewinnen. Hier gilt es, finanzielle Erwägungen und strategische Flexibilität für organisches und anorganisches Wachstum gegeneinander abzuwägen.“ Man sei „weder in die eine noch in die andere Richtung festgelegt“.

Die Börse hat seit dem letzten großen Konflikt mit einem Teil ihrer Aktionäre Anfang 2005, dem auch der damalige Vorstandschef Werner Seifert zum Opfer fiel, rund 1,9 Milliarden Euro an die Anteilseigner verteilt - nicht zuletzt auf Drängen der maßgeblich beteiligten Hedge-Fonds.

Atticus ist mit mittlerweile 11,68 Prozent einer der größten Aktionäre des Frankfurter Marktbetreibers. Der Hedge-Fonds hatte 2005 gemeinsam mit TCI die Ablösung Seiferts betrieben, die geplante Übernahme der Londoner Börse LSE durch die Deutschen gestoppt und zunächst auf eine Fusion mit der paneuropäischen Gemeinschaftsbörse Euronext gedrängt. Dieser Plan ging nicht auf, da die Euronext-Führung einer Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) den Vorzug gab.

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