Brief-Tochter des Grevener Logistikkonzerns stellt Zustell-Betrieb in Frankfurt ein
Fiege gibt Pläne für bundesweites Briefgeschäft auf

Noch vor Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 wirft der erste größere Konkurrent der Deutschen Post Fiege das Handtuch. Grund für den Rückzug aus dem Briefgeschäft sei das Scheitern der F-Log Brieftochter Postmodern in Frankfurt.

HB DÜSSELDORF. Der Grevener Logistikkonzern Fiege gibt seine Pläne für den Aufbau eines bundesweiten Briefgeschäfts auf. Fiege will sich mit der auf Vertriebslogistik im Medienbereich spezialisierten Tochter F-Log künftig nur noch auf die Zustellung von Zeitungen konzentrieren, sagte ein Fiege-Sprecher. Hoffnungen auf ein lukratives Zusatzgeschäft neben der Zeitungszustellung haben sich damit zerschlagen. Noch vor Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 hat damit der erste größere Konkurrent der Deutschen Post im Briefgeschäft das Handtuch geworfen.

Fiege begründete die Aufgabe der Expansionspläne im Briefgeschäft mit dem Scheitern der Frankfurter F-Log-Tochter Postmodern. Es sei nicht gelungen, Großkunden wie die Stadtverwaltung zu halten. Ohne Ballungsräume sei ein bundesweites Briefnetz aber nicht tragfähig, so der Fiege-Sprecher. Der Auftrag der Stadtverwaltung ging an die Deutsche Post, die der Stadt ein günstigeres Angebot gemacht haben soll. Postmodern beschäftigt 80 Arbeitnehmer in Frankfurt.

Seine regionalen Briefdienste in Dresden und Ingolstadt will Fiege zunächst weiterführen, sagte der Sprecher des Familienunternehmens. Sie seien aber nur ein Zubrot zur Zeitungszustellung. In der Medienlogistik kooperiert F-Log mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und der Sächsischen Zeitung. Nach dem Ausstieg der FAZ beim Briefdienst Postmodern im Sommer 2004 habe Fiege aber keine Chance mehr gesehen, aus eigener Kraft im Briefgeschäft zu wachsen, sagen Branchenkenner. Fiege sei dafür allein schlicht zu klein.

Der Logistikkonzern erzielt nur acht Prozent des Umsatzes von 1,5 Mrd. Euro in der Medienlogistik. Den Löwenanteil erwirtschaftet Fiege mit weltweit 12 000 Mitarbeitern mit dem Angebot umfassender Logistiklösungen von der Lagerhaltung über die Konfektionierung bis hin zur Auslieferung von Waren.

Fieges Rückzug aus dem Briefgeschäft könnte eine Signalwirkung für die sich gerade entwickelnde Branche haben. Viele Unternehmen, seien es Verlage mit ihrem Zeitungsvertrieb oder auch Paketdienste, warten auf das Ende des Briefmonopols. Die Bonner Regulierungsbehörde zählt bereits 1 800 Lizenznehmer, von denen aber erst die Hälfte Umsätze erzielt. Zur Aufnahme des Briefgeschäfts ist in der EU eine Lizenz erforderlich. Die Wettbewerber setzen die Post bereits heute mit wesentlich günstigeren Preisen unter Druck – wenn auch nur in Marktnischen oder im Wettbewerb um regionale Großkunden. Viele der bislang noch zögernden Lizenznehmer dürften jetzt von dem Beispiel Fieges verunsichert werden.

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