Briefdienstleistungen
Empörung über Pin-Vorwürfe

Der Verdacht, der Briefdienstleister Pin habe eine Gewerkschaft mit über 130 000 Euro unterstützt und dadurch bestochen, löst auf vielen Seiten Empörung und Erstaunen aus. Arbeitgeber, Konkurrenten und Gewerkschaften melden sich zu Wort.

HB BERLIN. So zeigte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) empört. Sollten die Angaben des Insolvenzverwalters zutreffen, müsste die "arbeitgeberfreundliche Pseudogewerkschaft" GNBZ aufgelöst werden, forderte DGB -Vorstandsmitglied Claus Matecki. Verdi hatte bereits Strafanzeige gegen die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) gestellt und den Verdacht geäußert, die Konkurrenz-Gewerkschaft habe sich von den Post-Konkurrenten bestechen lassen. Verdi setzt darauf, dass der Tarifvertrag der GNBZ mit den Post-Konkurrenten keinen Bestand hat, falls der Gewerkschaft Bestechlichkeit nachgewiesen werden sollte.

Dagegen unterstrich der Präsident des Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustelldienste (AGV -NBZ), Florian Gerster, der Tarifvertrag zwischen den Post-Konkurenten und der GNBZ habe Bestand. Es bestehe kein Grund, an der Gültigkeit zu zweifeln, weil es sich um das Fehlverhalten einzelner handele, erklärte er. Ein Berliner Gericht hatte vor zwei Wochen den Mindestlohn für Briefträger von acht bis 9,80 Euro infrage gestellt. Dieser Lohn war von Verdi mit einem von der Post dominierten Arbeitgeberverband ausgehandelt und dann vom Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt worden. Die GNBZ hatte dagegen deutlich niedrigere Löhne zwischen 6,50 und 7,50 Euro vereinbart.

Auf die Vorwürfe gegen Pin hat der Arbeitgeberverband "mit Erstaunen" reagiert. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, distanzieren wir uns von dieser Vorgehensweise", erklärte Gerster, der die Konkurrenten des Branchenprimus Post AG vertritt, laut einer Pressemitteilung. Eine finanzielle Beziehung des Managements beim angeschlagenen Post-Dienstleister Pin zu führenden Akteuren der Gewerkschaft GNBZ würde laut Gerster zu einem Ansehensverlust der Arbeitnehmervertreter führen.

Der Insolvenzverwalter der Pin Group hatte der Kölner Staatsanwaltschaft am Donnerstag Dokumente übergeben, wonach die Pin die Gewerkschaft bis Dezember vergangenen Jahres mit rund 133 000 Euro gesponsert haben soll.

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