Briefmarkt
TNT zeigt Deutscher Post die Zähne

Gemeinsam mit Hermes zieht die niederländische Post in Deutschland ein einheitliches Briefnetz auf.

HANNOVER. Die niederländische Post TNT startet auf dem deutschen Briefmarkt mit der Tochter Europost eine große Offensive. „Wir wollen unsere Position als die Nummer zwei hinter der Deutschen Post ausbauen“, sagte der neue Europost-Vorstandschef Mario Frusch dem Handelsblatt. Mit der Gründung der Briefpartner System AG will Europost den Aufbau eines eigenen einheitlichen Zustellnetzes in ganz Deutschland jetzt forcieren.

In einer Art Franchisesystem will Europost die Mehrheit seiner derzeit rund 160 regionalen Zustellpartner für das neue Projekt in einem festen Verbund vereinen. Frusch rechnet mit 120 Teilnehmern. Alle angeschlossenen Unternehmen erwerben Anteile an der AG. Im Gegenzug können sie ein regionales Zustellgebiet exklusiv bedienen und treten unter der Marke Europost an. „Wir haben schon Verträge vorliegen, auch von Verlagen“, sagte Frusch. Zeichnungsfrist ist bis zum Jahresende. Europost ist ein Joint Venture von TNT (71 Prozent) und dem Paketdienst Hermes (29 Prozent), einer Tochter des Versandhauses Otto.



Das Briefmonopol der Deutschen Post läuft Ende 2007 aus. Schon heute positionieren sich die Wettbewerber – allen voran Zeitungsverlage und Logistiker wie TNT –, um ab 2008 im liberalisierten Briefmarkt gute Geschäfte zu machen. Dabei zeichnet sich jetzt ein Zweikampf ab. Neben Europost wollen auch die Verlage Springer, Holtzbrinck und WAZ mit ihrem Briefgeschäft unter dem Dach der Pin-Gruppe bundesweit antreten. „Unser großes Ziel ist es, die Nummer zwei zu werden“, gab Pin-Chef Günter Thiel im Gespräch mit der „Verkehrsrundschau“ die Richtung vor. Ein eigenes Netz soll bis Ende 2006 stehen. Gesetzt wird offenbar auf die Hilfe weiterer Verlage.

„Die Pin-Gruppe will nach heutigem Stand bei unserer Systempartnerschaft nicht mitmachen“, sagte Frusch. Eine Beteiligung der Verlage an Europost war gescheitert. Der Grund: TNT wollte die Mehrheit an Europost und damit die Führung nicht aus der Hand geben. Die Verlage wären der ideale Partner für Europost gewesen, meinen Branchenkenner. Eine solche Allianz wäre für die Post „eine harte Nuss“.

Der Deutschen Post kann der Zweikampf der Wettbewerber nur Recht sein. „Wir schauen entspannt dabei zu, wie sich beide gegenseitig die Butter vom Brot nehmen“, sagte ein Post-Sprecher. Es sei mehr als fraglich, ob die beiden Gesellschaften im Briefgeschäft jemals Geld verdienen werden. Briefe und Zeitungen ließen sich nicht gemeinsam austragen.

Doch bereits 2007/2008 wollen die alternativen Briefdienste ihren Marktanteil auf zehn Prozent oder ein Umsatzvolumen von rund einer Mrd. Euro verdoppeln, sagte Frusch. Langfristig seien sogar 20 Prozent möglich. Eine Herkulesaufgabe, meinen Branchenkenner. Aus einem Rudel Wölfe müsse Europost eine Schafherde formen. Außerdem hat Post-Chef Klaus Zumwinkel bereits angekündigt, bis „zum letzten Blutstropfen“ um jeden Brief zu kämpfen.

Immerhin stehen die Chancen für Europost nicht schlecht, der Post mit deutlich niedrigeren Preisen große Geschäftskunden abzujagen – vor allem bei Werbebriefen, die nicht am nächsten Tag beim Empfänger sein müssen. Bis 2006 will Frusch 95 Prozent aller Haushalte in Deutschland erreichen. Derzeit sind es laut Europost 85 Prozent. Umsatz und Ergebnis nennt das Unternehmen nicht.

Europost kann auf TNT-Töchter in Deutschland sowie das Vertriebs- und Transportnetz von Hermes zugreifen. Hermes betreibt mehr als 1 000 Paketshops. TNT ist mit dem gleichnamigen Expressdienst einer der größten Konkurrenten der Post-Tochter DHL. Daneben sind die Niederländer mit weiteren Firmen im Briefgeschäft vor Ort, wie dem internationalen Briefservice Spring und der regional ausgerichteten TNT Post, die durch Übernahmen Lücken im Zustellnetz der Europost schließen kann. So wurde gerade der Kölner Briefdienst Rheinkurier gekauft. Mit einem Stammkapital von 40 Mill. Euro ist Europost komfortabel ausgestattet. Thiel verfügt über 24 Mill. Euro, hat aber die Vertriebskraft der Verlage im Rücken.

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