Britische Supermarktkette investiert in Service
Sainsbury lockt Kunden mit mehr Verkäufern

Mit weniger Managern, aber mehr Verkäufern will der angeschlagene britische Einzelhandelsriese J. Sainsbury Kunden zurückgewinnen. Der neue Konzernchef Justin King plant Investitionen in Höhe von 400 Mill. Pfund über drei Jahre sowie Kostensenkungen in gleicher Höhe und will so die Management-Fehler seines Vorgängers korrigieren.

su LONDON. King will vor allem den Umsatz erhöhen. Sein Ziel: In den kommenden drei Jahren sollen die Erlöse um 2,5 Mrd. Pfund (umgerechnet rund 3,5 Mrd. Euro) steigen. Im Geschäftsjahr 2003/2004 hatte Sainsbury 15,5 Mrd. Pfund umgesetzt.

Sainsbury war in den 90er Jahren Großbritanniens größter Lebensmittelhändler. Inzwischen ist das Unternehmen auf Platz drei abgerutscht hinter Tesco und der Wal-Mart-Tochter Asda. Vor allem schlechter Service und leere Regale und ruinierten das Image von Sainsbury. Dreimal hintereinander hatte der Einzelhändler in diesem Jahr seine Gewinnprognose nach unten korrigiert.

Dabei hatte Kings Vorgänger Peter Davis drei Mrd. Pfund in ein neues Warenhaus- und Distributionssystem gesteckt, das effektiver arbeiten sollte. Doch automatische Auswahlsysteme und Zentrallager erwiesen sich als äußerst unzuverlässig, viele Regale in den über 460 Supermärkten von Sainsbury blieben leer. Der Konzern musste sogar ein teures paralleles Liefersystem einrichten.

Unter Kings Führung soll sich Sainsbury wieder mehr auf die Zufriedenstellung der Kunden konzentrieren. „Der Einzelhandel ist ein ganz simples Geschäft, aber wir haben es sehr kompliziert gemacht“, sagte der Manager gestern. 3 000 zusätzliche Mitarbeiter in den Läden sollen die Servicequalität erhöhen – mehr Kassen öffnen, die Regale füllen und den Kunden die Einkaufstüten packen. 750 Managementstellen will King dafür streichen.

Briten kaufen preisbewusster ein

Auch die Preise sollen sinken, denn Tesco und Asda haben es mit „Allzeit-Niedrigpreisen“ vorgemacht: Die Briten kaufen inzwischen preisbewusster ein. Einen Vorteil hat Sainsbury allerdings gegenüber den Wettbewerbern: ein dichtes Filialnetz in Englands reicherem Süden, wo die Leute eher in der Lage und bereit sind, etwas mehr zu zahlen. Anders als die Konkurrenz will sich die Kette sich aber weiter auf Lebensmittel konzentrieren.

King muss mit seinem Konzept schnell Erfolg haben, denn der britische Lebensmittelmarkt ist im Umbruch. Vor einigen Monaten erst hatten Morrison und Safeway fusioniert und greifen jetzt als Viertplatzierte Sainsbury an. Auch im Falle Sainsbury kreisen Übernahmegerüchte. 35 % der Anteile gehören der Gründerfamilie, die der Kette den Namen gegeben hat – doch die könnte bald die Geduld verlieren. Für das laufende Geschäftsjahr müssen die Aktionäre die Halbierung der Dividende hinnehmen.

Insgesamt, so schätzt King, wird die Sanierung des Unternehmens 550 Mill. Pfund kosten. Ein Großteil davon sind Abschreibungen auf die IT-Investitionen seines Vorgängers. Für das erste Halbjahr 2004/2005 erwartet Sainsbury einen Vorsteuergewinn von 125 Mill. bis 135 Mill. Pfund, und das zweite Halbjahr werde nicht „signifikant anders“ verlaufen. Zum Vergleich: Vom Marktführer Tesco erwarten Analysten zwei Mrd. Pfund Jahresgewinn.

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