Britische Supermarktkette
Sainsbury öffnet die Bücher für Investoren aus Katar

Das monatelange Werben um die britische Supermarktkette Sainsbury zahlt sich für das Ölscheichtum Katar aus. Nach zähem Feilschen um Finanzierungsmodalitäten hat sich der Vorstand des Unternehmens bereit erklärt, dem Kaufinteressenten die Bücher zu öffnen. Die müssen vor einer Übernahme aber noch eine weitere Hürde nehmen.

dih LONDON. Chairman Philip Hampton sagte, das von Katar umrissene Angebot sei gut genug, um es den Aktionären zu empfehlen. Noch muss der Bieter allerdings die Sainsbury-Familienaktionäre und die Treuhänder des Pensionsfonds auf seine Seite bringen.

Der von Katar finanzierte Investmentfonds Delta (Two) ist bereit, 10,6 Mrd. Pfund (15,2 Mrd. Euro) für die drittgrößte britische Supermarktkette zu bezahlen. In langen Verhandlungen hat der Sainsbury-Vorstand die Investoren überzeugt, den Fremdkapitalanteil ihrer Offerte zu reduzieren. Delta (Two) will nun 4,85 Mrd. Pfund Eigenkapital investieren. Den Aktienanteil des Angebots hat es um 850 Mill. Pfund erhöht. Zusätzlich hat sich der Fonds einen Kredit von 9,6 Mrd. Pfund von einem Bankenkonsortium aus ABN Amro, Credit Suisse und Dresdner Kleinwort gesichert.

Die Überprüfung der Bücher wird nach Angaben aus Finanzkreisen zwei bis drei Wochen dauern. Erst danach wird sich entscheiden, ob Katar ein formelles Angebot vorlegt. Zwei wichtige Hürden sind dabei noch aus dem Weg zu räumen: Erstens müssen die Bieter die Sainsbury-Familie auf ihre Seite ziehen, die noch im Frühjahr die Übernahme des Konzerns durch das Private-Equity-Haus CVC verhindert hat. Sie hält noch rund 18 Prozent der Aktien. Ihre Befürchtung war, dass die üblicherweise hohe Verschuldung nach einer Übernahme durch Finanzinvestoren die Zukunft von Sainsbury gefährden würde. Auch hat sie sich, ebenso wie der Vorstand, gegen eine Aufspaltung in eine Immobilien- und eine Handelsfirma gewehrt. Katar hat versprochen, das nicht zu tun.

Zweitens müssen die Bieter sich mit den Treuhändern des Pensionsfonds einigen, die bei Übernahmen britischer Firmen de facto ein Vetorecht haben, wenn sie die Solidität der Pensionskasse gefährdet sehen. Bei der jüngsten Übernahme der Drogeriekette Alliance Boots etwa haben die dortigen Treuhänder dem Käufer KKR eine Finanzierungszusage von einer Mrd. Pfund abgerungen. Da die Sainsbury-Pensionskasse eine ähnliche Größe hat, werden deren Treuhänder nach Einschätzung von Analysten eine Zusage in ähnlicher Höhe verlangen.

„Das ist noch lange nicht in trockenen Tüchern“, urteilt deshalb Handelsanalyst Richard Ratner vom Brokerhaus Seymour Pierce. Analysten von Panmure Gordon und Evolution Securities pflichteten ihm bei. Ein Sprecher der Familie Sainsbury sagte am gestrigen Donnerstag, eine Übernahme müsse Wert für die Aktionäre schaffen und die Belange der Mitglieder der Pensionskasse berücksichtigen.

Das unverbindliche Angebot von Delta (Two) sieht einen Kaufpreis von sechs Pfund je Sainsbury-Aktie vor. Das entspricht mehr als dem 40-fachen des letzten Gewinns je Aktie. Doch Sainsbury befindet sich mitten in einem Sanierungsprogramm, so dass das Verhältnis zum Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) aussagekräftiger ist. Darauf bezogen bietet Katar das Zwölffache des Gewinns, doch auch das ist im Vergleich zu jüngsten Handelsfusionen relativ viel. Die Sainsbury-Aktie stieg am Donnerstag an der Londoner Börse um vier Prozent auf 575 Pence.

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