British-Airways-Holding

IAG spürt den Brexit in der Business-Class

Der Brexit ist auch in der Luft angekommen: Die Airline-Holding IAG veröffentlicht eine enttäuschende Verkehrsstatistik für Juni. Zudem bereitet das Ferien-Chaos ihrer Billigairline Vueling Probleme.
Der Brexit wirbelt europäischen Luftverkehr durcheinander – darunter auch die British-Airways-Mutter IAG. Quelle: dpa
British Airways

Der Brexit wirbelt europäischen Luftverkehr durcheinander – darunter auch die British-Airways-Mutter IAG.

(Foto: dpa)

Die Airline-Holding IAG war am Tag der Brexit-Entscheidung der größte Verlierer im spanischen Börsenindex Ibex 35. Ein Drittel des Marktwertes hat sich seitdem in Luft aufgelöst, weil das Unternehmen, zu dem Iberia, British Airways, Vueling und Aer Lingus gehören, nach dem Votum eine Gewinnwarnung heraus gab. Als Grund erklärte der Konzern, man habe schon in den Wochen vor dem Referendum gespürt, dass die Buchungen nachlassen.

Die Verkehrsstatistik für Juni, die das Unternehmen heute veröffentlicht hat, belegt das: Die Zahl der lukrativen Business-Class-Flüge ist im Juni gegenüber dem Vorjahr nur um 0,1 Prozent gestiegen, während sie in den ersten Monaten des Jahres noch deutlich zugelegt hatte. „Der Brexit ist vor allem für British Airways besorgniserregend“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Das liege nicht nur an den Business Class Flügen, sondern auch daran, dass die Airline in Pfund abrechnet und die britische Währung deutlich abwertet.

Insgesamt stieg die Zahl der pro Kilometer von den IAG-Airlines transportierten Passagiere im Juni um 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Auslastung der Flugzeuge stieg leicht auf knapp 84 Prozent.

Doch der Brexit ist nicht das einzige Problem, das der Konzern derzeit hat. Das andere sind die Chaostage bei der Billigtochter Vueling, die sich offenbar zu ehrgeizige Ziele gesetzt hat und seit Ende vergangener Woche Dutzende Flüge absagt. Betroffen sind über 8000 Passagiere, die just zu Beginn der spanischen Ferienzeit zuhause zurück bleiben. Am Flughafen in Barcelona kam es zu Tumulten, die von der Polizei geschlichtet werden mussten.

Was der Brexit für den Luftverkehr bedeutet
Was bedeutet der Brexit für die einzelnen Beteiligten?
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Britische Touristen spüren schon in diesem Sommer die Folgen des vorerst nur angekündigten EU-Austritts: Mit ihrem abgewerteten Pfund erhalten sie in Europas Feriengebieten weniger fürs Geld – und die Flugreisen werden wegen des ungünstigen Verhältnisses zur Ölwährung Dollar auch gleich teurer. Die längerfristigen Folgen eines Brexit für die Luftfahrtbranche und damit auch für Passagiere in ganz Europa sind hingegen noch schwer absehbar. Billigfliegern dürfte der Preiskampf künftig schwerer fallen.

Die Branche
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Großbritannien steht nach Einschätzung des Weltairline-Verbandes IATA vor einem wirtschaftlichen Abschwung, der zusammen mit der Pfund-Abwertung die Zahl der Fluggäste von der und auf die Insel jährlich um 3 bis 5 Prozent schmälern wird. Im Vergleich zum US-Dollar werten Pfund und Euro in der Folge des Brexit eher ab, was zu höheren Belastungen durch die Kerosinrechnung führt.

Die Passagiere
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Die wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien verringern grundsätzlich den Spielraum der großen Billigflieger für weitere Kampfpreise. Ihr Wachstumskurs wie auch der wettbewerbsbedingte Preisverfall bei den Tickets dürften daher gebremst werden. Doch auch das ist nicht sicher: Ryanair und Co. müssen bei einer schwächeren Nachfrage auf der Insel notgedrungen Flugzeuge auf den Kontinent verlegen, was auch an abgelegenen Zielen für mehr Konkurrenz und sinkende Preise sorgen würde. Die Lufthansa würde mit ihrem Billigableger Eurowings gegenhalten. Deutschland ist aktuell der wichtigste Expansionsmarkt, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary betont. 2017 sei es sehr unwahrscheinlich, dass auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte der Airline-Chef dem „Wall Street Journal“. „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“

Die Juristen
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Auch im Luftverkehr müssen die rechtlichen Beziehungen neu geordnet werden. Experten stellen in Frage, ob das innerhalb von zwei Jahren erreichbar ist. Das Vereinigte Königreich ist bislang Vollmitglied im weitgehend liberalisierten und vereinheitlichten Luftverkehrsmarkt Europa. Ob britische Gesellschaften auch nach einem Brexit überall in Europa starten und landen dürfen, ist zumindest fraglich. Weltweit üblicher sind Abkommen auf Gegenseitigkeit, die zwischen den EU-Staaten und Großbritannien neu ausgehandelt werden müssten. Die EU hat zudem mit Drittstaaten Luftverkehrsabkommen geschlossen, die für die Briten nicht mehr gelten würden und ebenfalls neu ausgehandelt werden müssten. Ökonomisch wichtig ist hier insbesondere der „Open-Skies“-Vertrag mit den USA.

Die Billigflieger
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Kräftige Kursabschläge und die Easyjet-Gewinnwarnung machen klar: Zu den großen Verlierern des Brexit gehören von der ersten Minute an die beiden großen Billigflieger Ryanair und Easyjet, die nach Zahlen des Airline-Verbandes IATA 36 beziehungsweise 49 Prozent ihrer Kapazitäten im Großbritannien-Verkehr einsetzen. Ihre sehr preissensiblen Privatkunden dürften künftig weniger Geld für Flugtickets übrig haben als bislang. Der Chef des weltgrößten Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, bezweifelt jedoch, dass sich die Briten ihre „sehr ausgeprägte Reiselust“ so schnell nehmen lassen.

Die Billigflieger
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Die Billigflieger haben bislang wie niemand sonst vom einheitlichen europäischen Luftverkehrsmarkt profitiert, in dem sie ohne Einschränkungen in der EU Direktverbindungen etwa von Deutschland nach Spanien angeboten haben. Das wird sich für die irische Ryanair nicht ändern, die britische Easyjet könnte hingegen massive Probleme wegen fehlender Luftverkehrsrechte bekommen. Easyjet müsste sich in Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken, statt wie bislang von vielen Städten auf dem Kontinent aus zu Zielen in ganz Europa zu starten. Easyjet-Chefin Carolyn McCall prüft laut Berichten daher die Einrichtung eigener Flugbetriebe (AOC) in anderen EU-Staaten außerhalb Großbritanniens.

Die Flughäfen
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Bei einem Ausscheiden Großbritanniens drohen nicht nur britischen Airports einschneidende Veränderungen. Während in Deutschland die Drehkreuze Frankfurt und München auf leicht positive Verlagerungseffekte aus London hoffen dürfen, sind beispielsweise Hamburg, Köln oder Berlin auf Ryanair und Easyjet als Kundschaft angewiesen. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, forderte die britischen Airlines im Gespräch mit dem Branchenportal airliners.de bereits auf, „möglichst schnell eine Lösung zu finden“, sofern sie Flughäfen in Deutschland anfliegen.

Das Unternehmen begründet die Stornierung mit den Folgen des Fluglotsenstreiks in Frankreich Anfang vergangener Woche. Der neue Airline-Chef Javier Sánchez-Prieto hat aber in einer Email an die Mitarbeiter eingeräumt, dass interne Schwächen bei der Planung die Ursache für die Probleme sind. Spanischen Medienberichten zufolge hat das Unternehmen in seinen Abläufen nicht genügend Puffer für unvorhergesehene Ereignisse oder Verspätungen eingeplant. Zum Ferienbeginn und infolge des Streiks sei dann das wackelige Gebilde zusammen gebrochen.

Das spanische Verkehrsministerium hat ein Verfahren gegen Vueling eingeleitet. Die zuständige Ministerin Ana Pastor hat die Airline-Führung gestern zum Rapport nach Madrid beordert und daran erinnert, dass ihre Behörde nicht nur Strafen verhängen, sondern auch die Fluglizenz entziehen kann.

Heute erklärte sie, Vueling müsse ab sofort bis zum Ende der spanischen Urlaubszeit im September täglich einen Notfallplan vorlegen, der beweist, dass die Gesellschaft in der Lage ist, die täglich 700 geplanten Flüge durchzuführen. Danach will das Ministerium entscheiden, welche Maßnahmen es ergreift. Die Ministerin erklärte nach ihrem Gespräch mit der Airline, es sei möglich, dass sie „eine größeres Angebot macht als sie erfüllen kann und wenn das so ist, muss sie dringend allen Kunden die Situation erklären, in der sie sich befindet.“

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