British Airways spricht von „äußerst ernster Lage“
Ölpreis treibt Fluglinien in die Krise

Der hohe Ölpreis verursacht in der Luftfahrtbranche Zusatzkosten in Milliardenhöhe und treibt viele Unternehmen in eine Existenzkrise. Passagiere müssen sich auf steigende Kerosinaufschläge einstellen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, Fachleute gehen von anhaltend hohen Ölpreisen aus.

dp/ebe/rp DÜSSELDORF. Allein British Airways (BA) rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einer zusätzlichen Belastung von 225 Mill. Pfund (326 Mill. Euro) durch höhere Treibstoffkosten. Das räumte Martin George, Marketing- und Verkaufschef der BA, im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. „Die Lage ist äußerst ernst“, sagte George. Der Kerosinpreis sei „Hauptkostentreiber“. Der Treibstoff verursachte bei BA im vergangenen Geschäftsjahr 14,5 Prozent der gesamten Kosten. Im laufenden Jahr habe BA 70 Prozent des Treibstoffbedarfs gegen steigende Ölpreise abgesichert, für 2005 erst 30 Prozent.

BA kündigte am Wochenende eine Erhöhung des Kerosinaufschlags an. Ab Donnerstag steige er auf Langstrecken von sechs Pfund (8,70 Euro) auf zehn Pfund (14,50 Euro). Das Unternehmen hatte den im Mai eingeführten Zuschlag erst im August mehr als verdoppelt.

Auf dem weltgrößten Luftfahrtmarkt USA werden die neuerlichen Belastungen zur Existenzfrage. Viele große US-Airlines, die allesamt am Rande des Ruins fliegen, haben aus Kostengründen darauf verzichtet, sich gegen steigende Ölpreis abzusichern. Der hohe Ölpreis durchkreuzt nun ihre Sanierungsbemühungen. So hat der Lufthansa-Partner US Airways beim Konkursgericht beantragt, die Gehälter seiner Mitarbeiter sofort um weitere 23 Prozent senken zu können. Ansonsten drohe dem Unternehmen der Untergang im Februar 2005. Genau wie US Airways fliegt mit United Airlines auch der zweite amerikanische Lufthansa-Partner unter dem Gläubigerschutz des Konkursgerichts (Chapter 11).

Lufthansa selbst gehört zu den wenigen Unternehmen, die einen Großteil ihrer Treibstoffkosten über Terminkontrakte absichern. Selbst die beste Absicherung könne aber nicht verhindern, dass ein höherer Ölpreis auf das Ergebnis durchschlage, sagte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber kürzlich. Um größeres Unheil zu verhindern, erhöhte Lufthansa in der Vorwoche seine Kerosinzuschläge auf Flugtickets zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Langstreckenflüge werden ab 15. Oktober um zehn Euro teurer, der Zuschlag im Europa-Verkehr beträgt fünf Euro je Streckenabschnitt. Ohne den neuen Preisaufschlag wäre nach Einschätzung von Analysten das operative Ergebnisziel von 300 Mill. Euro kaum mehr zu erreichen gewesen. Auch bei der Konkurrenz wird Fliegen teurer: Kurz nach der Lufthansa-Entscheidung erhob auch Air France- KLM Kerosinzuschläge.

Auf den Rohölmärkten zeichnet sich für die Branche keine Entspannung ab. 73 Prozent der 45 vom Finanzinformationsdienst Bloomberg befragten Analysten und Händler gehen davon aus, dass die Rekordpreise der vergangenen Woche in dieser Woche noch überboten werden. Ende vergangener Woche kostete das europäische Brentöl in der Spitze deutlich über 49 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Notierungen in den USA kletterten sogar über 53 Dollar.

„Solange die weltweite Nachfrage nicht zurückgeht – und zwar schnell –, werden die Ölpreise auf historisch hohem Niveau verharren“, sagte Robin Batchelor. Der Fondsmanger bei Merrill Lynch Investment Managers weist zur Begründung auf die Produktion in den USA hin, die nach dem Hurrican „Ivan“ so niedrig ist wie seit 54 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig befinde sich die Nachfrage auf einem 25-Jahreshoch. Batchelor kritisiert die Ölgesellschaften. Sie hätten zu wenig in neue Angebote investiert. Zugleich sei die freie Kapazität der Opec auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen. „Am Rohölmarkt ist die geopolitische Risikoprämie in den vergangenen neun Monaten auf mehr als zehn Dollar je Barrel gestiegen“, sagte Wayne Andrews, Energie-Analyst von Raymond James & Associates. Er warnt seit mehr als drei Jahren vor einer Zuspitzung der Lage auf dem Weltölmarkt.

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