Bruno Cucinelli Italiens „Kaschmir-König“

Kann man mit sündhaft teuren Kaschmir-Socken Gutes tun? Der italienische Unternehmer Brunello Cucinelli will das vormachen – und gehört zu den erfolgreichsten Modemachern des Landes.
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Der italienische Unternehmer Brunello Cucinelli zahlt seinen Mitarbeitern rund 20 Prozent mehr Lohn als branchenüblich. Quelle: dpa
Der Kaschmir-König

Der italienische Unternehmer Brunello Cucinelli zahlt seinen Mitarbeitern rund 20 Prozent mehr Lohn als branchenüblich.

(Foto: dpa)

SolomeoUm die Mittagszeit ist das Unternehmen verwaist. In den Produktionshallen sitzt niemand an der Nähmaschine oder am Schneidertisch. Der Chef hat eine 90 Minuten lange Pause angeordnet, die Mitarbeiter nehmen das gern an. Er selbst darf nach dem Essen weitere 30 Minuten ruhen – so viel nimmt sich Brunello Cucinelli heraus.

Der Italiener verkauft Kaschmir-Mode für Superreiche und gilt in seiner Heimat als Humanist der Wirtschaftswelt. Mit seinem ungewöhnlichen Geschäftsansatz und originellen Marketing fährt er obendrein wachsende Gewinne ein.

„Alle Firmen müssen Profit machen. Aber wir wollen es auf eine gute Art und Weise machen, in moralischer und ethischer Würde“, sagt der 64-jährige „Kaschmir-König“, wie er auch genannt wird. Er sitzt vor einer Bücherwand mit Philosophie- und Design-Klassikern.

Das sind die neuen Tugenden unserer Zeit
Disziplin statt Luxus
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Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Glamour und Extravaganz angesagt waren. Verzicht, Nachhaltigkeit und Selbstoptimierung sind offenbar die neuen Tugenden unserer Zeit. Luxusexperte Michael Sandvoss, bei Media Impact Quality Divison zuständig für Watches und Jewellery, hat für die Fachzeitung „Handelsjournal“ sieben Thesen zum Thema Luxus aufgestellt.

These 1: Früher galt Luxus als Statussymbol, heute gilt er vielen als obszön
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Dieser These stimmt der Experte nicht zu. Er meint, dass sich ausschließlich die Grenzen verschieben. „Die Millennials haben andere Werte als die Yuppies, die die Luxusbranche großmachten.“ Erleben statt Kaufen sei nun in Mode: „Einmalige, unvergessliche Erlebnisse [...] sind der ultimative Luxus und liegen im Trend“, sagt Sandvoss.

These 2: Der Turnschuhe ist die neue Krawatte des Vorstandsvorsitzenden
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„Ja, und dann werden oft sehr hochpreisige Sneaker getragen“, weiß der Luxusexperte. Er beobachte allerdings auch Gegentrends, vorrangig bei jungen Männern: „Viele gefallen sich im Old-School-Style und aktuell sogar wieder beim Pfeiferauchen.“

These 3: Weite Teile der Industrie haben sich vulgarisiert, die Identität vieler Marken ist beschädigt
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Das Gebot der Stunde für Luxusmarken: Brand-Safety. Seriöse Newsportale sind laut Sandvoss deshalb gefragter denn je. Denn: Menschen suchen sichere Informationsquellen. Sie strahlten auf die Markenwerbung ab.

These 4: Understatement ist der neue Luxus
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Die Einstellung gegenüber Luxus in Deutschland ist laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach deutlich positiver als noch vor ein paar Jahren. Auch hochwertige Printprodukte liegen der Studie zufolge wieder mehr im Trend.

These 5: In einer Gesellschaft, die Egalität zur Norm erklärt, gilt Luxus als ausgrenzend
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Mit Luxusartikeln verfolgen Menschen das Ziel, sich von anderen abzugrenzen. „Insofern ist es zutiefst menschlich, hochwertige Produkte, die den Menschen von der Masse abheben, zu kaufen – wenn man es sich leisten kann“, meint der Luxusexperte.

These 6: Das Streben nach Vitalität und Gesundheit ist der Feind ausschweifend luxuriöser Lebensführung
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Den Trend zum gesunden Lifestyle bestätigt Sandvoss. Aufgrund der Sinnsuche und Selbstoptimierung vieler Menschen seien zunehmend Yoga, Meditation sowie Reisen mit esoterischem Einschlag gefragt. „Heilserfahrungen sind das neue Statussymbol, Ruhe und Entspannung der neue Luxus.“

Das Unternehmen sitzt in Solomeo - einem kleinen Bilderbuch-Ort auf einem Hügel in Umbrien, wo an den Häusern Sprüche von Kant, Aristoteles, Galileo und Papst Franziskus hängen. Hier arbeiten 800 der weltweit rund 1500 Beschäftigten. Die Luxus-Pullover von Cucinelli, die etwa auch James-Bond-Darsteller Daniel Craig trägt, finden sich auch in Deutschland in teuren Kaufhäusern.

Cucinelli zahlt seinen Mitarbeitern bis zu 20 Prozent mehr als in der Branche üblich. Er schickt sie pünktlich um 17.30 Uhr nach Hause. E-Mail-Verschicken im Feierabend ist verboten. Letztes Jahr spendierte er zudem pro Kopf bis zu tausend Euro Bonus, damit sich die Mitarbeiter Bücher, Theaterkarten oder Museumstickets kaufen können.

Der Chef lässt ebenfalls Theater und Sportanlagen bauen und beteiligt sich am Wiederaufbau der Stadt Norcia, die von einer Erdbebenserie zerstört wurde. Er selbst liest in der Zeitung nur die Kulturseiten und meidet soziale Netzwerke sowie das Smartphone. „Niemand kann mehr als zehn Minuten aushalten, ohne auf diese Sachen zu schauen“, beschwert er sich.

„Ein bisschen zwischen Handwerkskunst und Mode“
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