Bruno Cucinelli
Italiens „Kaschmir-König“

Kann man mit sündhaft teuren Kaschmir-Socken Gutes tun? Der italienische Unternehmer Brunello Cucinelli will das vormachen – und gehört zu den erfolgreichsten Modemachern des Landes.
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SolomeoUm die Mittagszeit ist das Unternehmen verwaist. In den Produktionshallen sitzt niemand an der Nähmaschine oder am Schneidertisch. Der Chef hat eine 90 Minuten lange Pause angeordnet, die Mitarbeiter nehmen das gern an. Er selbst darf nach dem Essen weitere 30 Minuten ruhen – so viel nimmt sich Brunello Cucinelli heraus.

Der Italiener verkauft Kaschmir-Mode für Superreiche und gilt in seiner Heimat als Humanist der Wirtschaftswelt. Mit seinem ungewöhnlichen Geschäftsansatz und originellen Marketing fährt er obendrein wachsende Gewinne ein.

„Alle Firmen müssen Profit machen. Aber wir wollen es auf eine gute Art und Weise machen, in moralischer und ethischer Würde“, sagt der 64-jährige „Kaschmir-König“, wie er auch genannt wird. Er sitzt vor einer Bücherwand mit Philosophie- und Design-Klassikern.

Das Unternehmen sitzt in Solomeo - einem kleinen Bilderbuch-Ort auf einem Hügel in Umbrien, wo an den Häusern Sprüche von Kant, Aristoteles, Galileo und Papst Franziskus hängen. Hier arbeiten 800 der weltweit rund 1500 Beschäftigten. Die Luxus-Pullover von Cucinelli, die etwa auch James-Bond-Darsteller Daniel Craig trägt, finden sich auch in Deutschland in teuren Kaufhäusern.

Cucinelli zahlt seinen Mitarbeitern bis zu 20 Prozent mehr als in der Branche üblich. Er schickt sie pünktlich um 17.30 Uhr nach Hause. E-Mail-Verschicken im Feierabend ist verboten. Letztes Jahr spendierte er zudem pro Kopf bis zu tausend Euro Bonus, damit sich die Mitarbeiter Bücher, Theaterkarten oder Museumstickets kaufen können.

Der Chef lässt ebenfalls Theater und Sportanlagen bauen und beteiligt sich am Wiederaufbau der Stadt Norcia, die von einer Erdbebenserie zerstört wurde. Er selbst liest in der Zeitung nur die Kulturseiten und meidet soziale Netzwerke sowie das Smartphone. „Niemand kann mehr als zehn Minuten aushalten, ohne auf diese Sachen zu schauen“, beschwert er sich.

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