Buchführungsdebakel hinterlässt Spuren in der Bilanz
Adecco versucht den Neuanfang

Der größte Zeitarbeitskonzern der Welt räumt auf: Nachdem das Debakel um die Buchhaltungsprobleme weitgehend beendet ist, kündigte Adecco jetzt gleichzeitig mit seinem Quartalsergebnis einen Totalumbau seines Verwaltungsrats an.

oli ZÜRICH.Dabei wird der ehemalige Konzernchef und derzeitige Präsident des Verwaltungsrats John Bowmer sein Amt zur Verfügung stellen. Er tritt damit ein Jahr früher als geplant ab und soll Adecco nur noch als Berater zur Seite stehen.

Mit ihm verlassen auch andere den Verwaltungsrat, unter ihnen etwa Lindt & Sprüngli-Chef Ernst Tanner. Sie alle galten als Vertraute des Adecco Großaktionärs Klaus Jacobs. Der zweite Großaktionär, der französische Industrielle Philippe Foriel-Destezet, sowie einer seiner Mitstreiter stellen sich als einzige Mitglieder des bisherigen Verwaltungsrats erneut zur Verfügung.

Die Abgänger aus dem Führungsgremium sollen durch einige prominente Neuzugänge ersetzt werden. Unter ihnen findet sich zum Beispiel der scheidende Chef des Industriegüterkonzerns ABB Jürgen Dormann. Der ehemalige französische Finanzminister Francis Mer ist genauso darunter wie Jakob Baer, der derzeit noch an der Spitze der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in der Schweiz steht. Auch Klaus Jacobs selbst will zurück in den Verwaltungsrat. Der Unternehmer, der seine Karriere einst in Bremen begonnen hat, hatte in den Krisenmonaten bei Adecco Management und Verwaltungsrat der Zeitarbeitsfirma scharf angegriffen. Inzwischen zeigt er sich jedoch befriedigt von der Arbeit der Führungscrew. Die Rochade im Verwaltungsrat soll auf der Generalversammlung des Unternehmens am 29. Juni in Lausanne von den Aktionären abgesegnet werden. Anschließend wird festgelegt, wer Präsident des Verwaltungsrats werden soll. Die Aktionäre werden auch über den Antrag entscheiden, die Stimmrechtsbeschränkung von 5 Prozent aufzuheben.

Das operative Geschäft soll weiter von Jérome Caille geführt werden. Er besitze das uneingeschränkte Vertrauen des Verwaltungsrats und seiner Kollegen, sagte Bowmer. Caille habe in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Allerdings hat auch er nicht verhindern können, dass Adecco empfindliche Einbußen hinnehmen musste. Im ersten Quartal 2004 haben die Schweizer einen Gewinneinbruch gegenüber der Vorjahresperiode um 53 Prozent auf 30 Mill. Euro verbucht. Das Betriebsergebnis reduzierte sich sogar um 47 Prozent auf 60 Mill. Euro. In den Zahlen spiegeln sich bereits die Belastungen durch die Untersuchung wieder. Zum einen sind im ersten Quartal bereits Honorare für Buchprüfer und Berater in Höhe von 36 Mill. Euro fällig geworden. Zum anderen hat Adecco offenbar versucht, durch günstigere Preise seine Kunden bei der Stange zu halten. Dieses Ziel ist nach Cailles Angaben erreicht worden.

Allerdings hat die Strategie Geld gekostet: Die Bruttomarge sank von 17,7 auf 16,6 Prozent. Der Umsatz der Gruppe belief sich auf 3,8 Mrd. Euro, was einem wechselkursbedingten Rückgang von einem Prozent entspricht. Trotz der hohen Sonderkosten zeigt sich Adecco finanziell solide. Die Nettoverschuldung sank um 81 Mill. auf 837 Mill. Euro. Die Zahlen entsprechen in etwa dem, was Analysten erwartet haben.

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