Buchhandel gegen US-Konkurrenz
Warum Amazon in Deutschland keine Chance hat

Amazon will in den USA offenbar bis zu 400 stationäre Buchläden eröffnen. Während dort die Buchhändler zittern, haben deutsche Einzelhändler keine Angst vor dem Internet-Riesen. Warum sie Amazon nicht fürchten.
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HamburgWer sich ein Bild von der Stärke des deutschen Buchhandels machen will, begibt sich am besten am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse zum Pressefrühstück der Tolino Allianz. In ihr sind über den Großhändler Libri 1300 Buchläden mit regionalen Ketten wie Osiander aus Südwestdeutschland oder der Mayerschen Buchhandlung aus Nordrhein-Westfalen sowie den überregionalen Buch-Einzelhändlern Thalia, Hugendubel und Weltbild zusammengeschlossen.

Der Medienkonzern Bertelsmann ist bei der Allianz ebenfalls mit an Bord. Und auch die Deutsche Telekom ist dabei – als Technikpartner. Denn der Tolino ist der Marktführer unter den E-Readern, mit dem die deutschen Buchhändler hierzulande dem Kindle des Online-Händlers Amazon den Rang abgelaufen haben. Die Buchmesse nützt die Allianz gern um neue Partner, neue Geräte und neue Expansionspläne vorzustellen. Schließlich gibt es den Tolino auch schon in Österreich, der Schweiz, Belgien, Italien und in den Niederlanden.

So gesehen hat der deutsche Buchhandel dem Phänomen Amazon bisher recht gut Paroli geboten. Nun aber wollen die Amerikaner offenbar auch in den stationären Buchhandel einsteigen: Nach Angaben von Sandeep Mathrani, Chef des amerikanischen Einkaufszentrenbetreibers General Growth Properties, will der Konzern in den USA 300 bis 400 Buchläden eröffnen, nachdem er Anfang November ein erstes Geschäft in Seattle eröffnet hatte. Amazon hat dies bisher nicht dementiert. Droht auch dem deutschen stationären Buchhandel Ungemach?

Branchenkenner halten eine Ausweitung des Projekts auf Deutschland für extrem unwahrscheinlich. „Das ergibt für Amazon keinen Sinn“, sagt etwa der ehemalige stellvertretende Direktor der Frankfurter Buchmesse, Holger Ehling, der heute die Agentur Ehling Media betreibt. „Dank der Buchpreisbindung gibt es von Flensburg bis Garmisch ein flächendeckendes Netz von stationären Buchhändlern. Da würde sich Amazon sehr schwer tun.“

Nach Angaben des Börsenvereins des deutschen Buchhandels gibt es in Deutschland rund 6000 stationäre Buchverkaufsstellen, in denen 2014 4,583 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Damit kam der stationäre Buchhandel auf einen Marktanteil von 49,2 Prozent. Für 2015 hat der Börsenverein noch keine absoluten Zahlen veröffentlicht. Er teilte allerdings mit, dass die stationären Buchläden vergangenes Jahr ein Umsatzminus von 3,6 Prozent hinnehmen mussten.

Amazon erobert vor allem durch besonders günstige Preise Marktanteile.

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„Dumping bei E-Books wird es nicht geben“

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  • Ich lese keine Bücher!
    Online ist meine Welt. Ich freue mich immer, wenn ich endlich vom Amt nach Hause komme, und ein neues Päckchen beim Nachbarn auf mich wartet.

  • Der deutsche Buchhandel kann sich über das eigentlich illegale Kartell Preisbindung noch in Sicherheit wähnen.
    Auf der anderen Seite kann man bei Amazon-Marketplace schon viele sogenannte "Bücher mit und ohne Gebrauchsspuren" oder sogenannte "Mängel-Exemplare" erwerben, die außer einem Stempelaufdruck absolut neuwertig sind.
    Den Vogel schießt die Amazon-Hörbuch-Tochter Audible ab, die neben 3 kostenlosen Titeln auch dauerhaft Hörbücher zum Preis von 4,95 € verkauft.
    Amazon Kindles Titel lassen sich auf jedem Tablet-PC in hervorragender Auflösung mit vielen Zusatznutzen besser lesen lesen, als jedes gedruckte Buch.
    Die mit großem Tam-Tam jedes Jahr angepriesenen Neuerscheinungen sind vermutlich zu 95% wertloser Stoff für den zugedröhnten Brot-und-Spiele-Deutschen, der durch die Lektüre des geschriebenen Quatsches immer dümmer wird.

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