Buchhandel
Hugendubel nennt Weltbild-Pleite „überraschend“

Nina Hugendubel erwartet für ihre Buchkette keinen direkten Effekt aus der Pleite des Partners Weltbild. Hugendubel sei aber im Gespräch mit Banken. Verdi schimpft auf den Weltbild-Eigner, die katholische Kirche.
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DüsseldorfDer Buchhändler Hugendubel ist von der Pleite seines langjährigen Partners Weltbild überrascht worden. „Die Insolvenz der Verlagsgruppe Weltbild, mit der uns eine jahrzehntelange, erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit verbindet, nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis“, sagten die geschäftsführenden Gesellschafter Nina und Maximilian Hugendubel am Freitag gegenüber Handelsblatt Online.

Weltbild und der Partner Hugendubel bilden eine gemeinsame Finanzholding, an der sie jeweils mit 50 Prozent beteiligt sind. Deutschlands zweitgrößter Buchhändler, der Weltbild-Verlag, musste am Freitag Insolvenz anmelden.

Die Pleite, die zunächst von Handelsblatt Online gemeldet worden war, kam für Hugendubel so überraschend, da das Fortbestehen von Weltbild „bis zuletzt gesichert schien“. Doch die Vertreter der katholischen Kirche, der Weltbild gehört, hatten sich in der Nacht auf Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Unternehmens verständigen können.

Die aktuelle Entwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen, so die Geschwister Hugendubel: „Dennoch trifft uns die Nachricht nicht unvorbereitet.“ Hugendubel sei bereits in intensiven Gesprächen mit Geschäfts- und Finanzierungspartnern. Auf den Geschäftsbetrieb von Hugendubel habe die Insolvenz des Partners keine unmittelbaren Auswirkungen. „Wir sind mit unserer Geschäftsentwicklung – insbesondere mit dem abgelaufenen Weihnachtsgeschäft – sehr zufrieden und liegen im aktuellen Geschäftsjahr über Plan“, sagten sie.

„Widerlicher geht es eigentlich nicht“

Für den Weltbild-Verlag arbeiten rund 6.300 Mitarbeiter, unter anderem in 300 Filialen. Die Gewerkschaft Verdi hat den Weltbild-Insolvenzantrag als Tragödie bezeichnet und die Kirche scharf angegriffen. Der Verlag gehört unter anderem zwölf Bistümern. „Jahrelang fette Gewinne abschöpfen und sich so die Prunkbauten mitfinanzieren lassen und dann, wenn die Belegschaft Hilfe braucht, zugesagte Gelder wieder streichen. Widerlicher geht es eigentlich nicht“, sagte der zuständige Verdi-Sekretär in Augsburg, Thomas Gürlebeck. Die Kirche praktiziere Kapitalismus in Reinkultur. Verdi werde sich diese Politik nicht bieten lassen. Der Generalvikar des Erzbistums München, Peter Beer, ist zugleich Aufsichtsratschef bei Weltbild.

„Wir werden es nicht zulassen, dass die Bischöfe sich so aus der Verantwortung stehlen“, sagte Gürlebeck. Betriebsratschef Peter Fitz sagte: „Unser Unternehmen ist zukunftsfähig, davon waren wir immer überzeugt und sind es immer noch“. Gemeinsam mit der Gewerkschaft werde man um die Arbeitsplätze im Unternehmen kämpfen.

Kommentare zu " Buchhandel: Hugendubel nennt Weltbild-Pleite „überraschend“"

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  • Wie kann der angeblich die Menschen liebende und allwissende Märchenkasper seinen Untergebenen so etwas antun und eventuell so ein Elend über seine Schäfchen bringen und Ca. 6000 Menschen ins Elend, (Sprich Arbeitslosigkeit) stürzen????

  • Was genau ist überraschend? Seit Jahren ist das Unternehmen in der Schieflage und die Anteilseigner versuchen einen Dummen zu finden, der übernimmt.... Sehr überraschend, die Überraschung von den Hugendubels, hoffentlich werden sie nicht in eigener Sache überrascht....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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