Buchhandel
Weltbild macht den nächsten Schritt zur Rettung

Acht Jahre lang haben Weltbild und Hugendubel zusammengearbeitet. Nun gehen das katholische Unternehmen und die Buchhändlerfamilie getrennte Wege. Für die insolvente Verlagsgruppe ist es ein Schritt in Richtung Rettung.
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Augsburg/MünchenDer insolvente Buchkonzern Weltbild will mit einer Komplettübernahme seiner Filialen die Chancen auf eine Rettung des Unternehmens und tausender Arbeitsplätze erhöhen. Die katholische Mediengruppe und ihr Partner Hugendubel kündigten am Freitag an, ihre knapp 400 Buchhandlungen nicht mehr gemeinsam zu betreiben. Das Familienunternehmen Hugendubel verringert damit zugleich das Risiko, in den Strudel der Weltbild-Insolvenz zu geraten.

Weltbild löst seine rund 300 Läden aus der bisher gemeinsamen Holding DBH und gibt seine DBH-Anteile an Hugendubel ab. „Die Entflechtung der Gesellschafterstruktur erhöht die Chance, eine Gesamtsanierung von Weltbild zu erreichen“, erläuterte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Der Augsburger Verlagskonzern wird damit alleiniger Herr über alle Vertriebskanäle – Versand über Katalog und Internet sowie nun auch den stationären Handel. Das sei ein Wettbewerbsvorteil, der auch Investoren überzeugen könne, erklärte Geiwitz. Er will die Gruppe möglichst als Ganzes verkaufen und hatte zuletzt von mehreren Interessenten gesprochen, ohne Namen zu nennen. Der Kölner Verlag Bastei Lübbe hat sich öffentlich dazu bekannt, allerdings lediglich Interesse am digitalen Geschäft angemeldet.

Die unter der Marke „Weltbild Plus“ geführten Filialen flüchten sich nun zudem wie der Mutterkonzern unter den Schutz des Insolvenzrechts und sind damit erst einmal den Gläubigern entzogen. Allerdings beantragte die Filialtochter beim Amtsgericht Augsburg lediglich ein Schutzschirmverfahren, das ihr im Gegensatz zur klassischen Insolvenz eine Sanierung in Eigenregie ermöglicht. Lediglich ein Sachwalter schaut dem Geschäftsführer Hans-Jürgen Junker dabei auf die Finger – der Rechtsanwalt Christian Plail aus Geiwitz' Kanzlei.

Die Familie Hugendubel sprach von einem entscheidenden Schritt zur Zukunftssicherung ihrer Buchhandlungen. „Dies ermöglicht klare und schnelle Entscheidungen, die in der heutigen Zeit der raschen Veränderungen aus unserer Sicht zwingend notwendig sind“, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hugendubel. Das Unternehmen will ebenfalls seinen bisher selbstständig betriebenen Online-Versand stärker mit den Läden verzahnen. Das Erzbistum München hat Hugendubel als Partner des kirchlichen Weltbild-Konzerns mit einem Kredit von zehn Millionen Euro gestützt und stellt unverändert weitere zehn Millionen in Aussicht. Beide Unternehmen wollen in Einzelfällen weiter kooperieren.

Die katholische Kirche hatte ihrem Verlags- und Buchhandelskonzern angesichts unerwartet hoher Verluste im Januar den Geldhahn zugedreht. Der Konzern beschäftigt mehr als 6.000 Mitarbeiter. Davon sind 2.200 unmittelbar von der Insolvenz betroffen und weitere 1.400 im Filialgeschäft tätig, das nun unter den Schutzschirm schlüpfte. Ausländische Konzerngesellschaften sind nicht insolvent. Bei Hugendubel arbeiten 2.000 Menschen.

Eigner von Weltbild sind der Verband der Diözesen Deutschlands, zwölf einzelnen Diözesen und die Soldatenseelsorge Berlin. Weltbild und Hugendubel waren in Deutschland gemeinsam der zweitgrößte Buchladenbetreiber nach Thalia. Weltbild ist zudem mit seinen Online- und E-Book-Angeboten ein wichtiger Rivale des US-Konzerns Amazon, der allen eingesessenen Händlern in Deutschland zusetzt. Das bayerische Unternehmen hat das Tempo des digitalen Umbruchs in der Branche unterschätzt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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