Bücher im Supermarkt

Romanze neben der Käsetheke

Die Buchbranche setzt auf das Geschäft mit dem Lesestoff neben der Supermarktkasse. Die „Ware ohne Verfallsdatum“ soll zwischen Obst und Eiern zum Spontankauf einladen. Gefragt sind vor allem Bestseller und leichte Kost.
„Bücher können Sie fast überall verkaufen“ Quelle: dpa
Bestseller im Supermarkt

„Bücher können Sie fast überall verkaufen“

(Foto: dpa)

KölnSentimentale Romanzen und spannende Thriller zwischen Käsetheke und Supermarktkasse: Das Geschäft mit dem schnellen Griff zum günstigen Taschenbuch beschert vielen Händlern willkommene Zusatzeinnahmen. Lebensmittelhändler, Tankstellen sowie Elektronik- oder Baumärkte sind längst zum Umschlagplatz für Lesestoff geworden. In den Regalen liegt meist eher populäre Kost: Vom Bestseller über Romanzen bis zu Lebenshilfe-Ratgebern.

Knapp 10 Prozent des Gesamtumsatzes des stationären Sortimentsbuchhandels wurden 2014 in den sogenannten Nebenmärkten erzielt. 4000 Buch-Verkaufsstellen in Märkten und Tankstellen stehen rund 5000 klassischen Buchhandlungen gegenüber.

„Die Fachmärkte sind ein großer Wachstumsbereich unserer Branche“, ist sich Thomas Schierack, Chef bei Bastei Lübbe, sicher. Der auf Bestseller, Serienhefte wie „Jerry Cotton“ und populärwissenschaftliche Themen spezialisierte Verlag bestückt schon heute große Teile des Buchangebots in den Märkten. Mit der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an dem auf dieses Geschäft spezialisierten Großhändler Buchpartner GmbH ist der Kölner Verlag nun auch in den Buchhandel eingestiegen.

Die gedruckte Ware habe kein Verfallsdatum und sei damit eigentlich kein Risiko für den Händler, preist Schierack das Produkt an. Man denke auch bereits darüber nach, exklusive Titel für einzelne Händler anzubieten.

„Es gibt sehr viele Spontankäufe und die Auswahl ist überschaubar“, beschreibt Schierack das Angebot. Gerade in ländlichen Regionen seien die Bücher im Supermarkt gefragt. „Bücher können Sie fast überall verkaufen“, ist sich der Manager sicher. Noch weitgehend außen vor in dem Geschäft sind dagegen Discounter wie Aldi oder Lidl, die Bücher nur gelegentlich als Aktionsware mit eigenen Lizenzen im Angebot haben.

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
1 von 10

Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
2 von 10

Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
3 von 10

Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
4 von 10

2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
5 von 10

Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
6 von 10

Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
7 von 10

Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

Bei Lebensmitteleinzelhändlern wie Rewe gehört das Buch dagegen längst ganz selbstverständlich zum Sortiment. „Der Buchverkauf ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Lebensmitteleinzelhandel“, sagt ein Sprecher. Geboten werde eine ausgewogene Mischung, zu der neben Romanen auch Kinderbücher, Ratgeber oder Kochbücher gehörten.

Beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels hofft man durch das Geschäft in den Märkten auf ganz neue Leser. „Nebenmärkte wie Supermärkte oder Elektronikläden sind weniger als Ersatz, sondern als Erweiterung der Kern-Vertriebskanäle anzusehen“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Buch sei dort ein Mitnahme-Artikel, den man zusätzlich zum restlichen Einkauf einpacke. Die Hoffnung ziele nun auf bislang eher „buchferne“ Kunden. Dadurch könnten zusätzliche Käuferschichten erreicht werden, die grundsätzlich eher selten in Buchhandlungen gingen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Bücher im Supermarkt - Romanze neben der Käsetheke

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%