Bund als größter Anteilseigner
US-Senatoren attackieren Deutsche Post

Der Deutschen Post droht noch mehr Ärger in den USA wegen ihrer Schließungspläne für den Frachtflughafen Wilmington in Ohio. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sich die Senatoren des betroffenen US-Bundesstaates sowie zwölf Kongressabgeordnete an die Bundesregierung gewandt, wie die "Welt" berichtet.

cs/HB DÜSSELDORF. Merkel soll sich persönlich einschalten und die Post-Tochter DHL zu einer Kooperation mit der US-Region veranlassen. Der Bund ist über die Staatsbank KfW noch größter Anteilseigner der Post. Bislang aber zeigt sich das ehemalige Staatsunternehmen von den Protesten unbeeindruckt. "Wir müssen die Situation beenden, dass wir in Wilmington an jedem Tag fünf Millionen Dollar Verlust machen", entgegnete ein Post-Konzernsprecher.

DHL will den Flughafen Wilmington aufgeben und in Zukunft alle Frachtflüge für Nordamerika dem Rivalen UPS übergeben. Dadurch könnten 8 200 Mitarbeiter bei den Fluggesellschaften ABX Air und Astar Air Cargo in Wilmington ihre Jobs verlieren. Die in den USA hochdefizitäre DHL ist der wichtigste Auftraggeber für diese Firmen. Auch der Flughafen selbst gehört DHL.

In den USA haben bereits die Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain den Kampf um Wilmington zum Wahlkampfthema gemacht. In dem Brief der Senatoren aus Ohio heißt es jetzt, die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen könnten schweren Schaden nehmen. Auch könnte die Unterstützung der Amerikaner für Wirtschaftsabkommen etwa zum freien Flugverkehr zwischen den USA und Europa schwinden.

Schon vor einigen Wochen hatten die Schließungspläne der Post in Ohio zu heftigen Reaktionen geführt. Eine amerikanische Pilotengewerkschaft schaltete Anzeigen in deutschen Zeitungen, in denen sie die Post-Aktionäre vor Kurseinbrüchen warnte.

Längst werden sogar antideutsche Vorurteile bedient, um die Kooperation mit UPS und damit auch die Sanierung von DHL Express in den USA zu torpedieren. Auf der Internet-Videoplattform "Youtube" kursiert ein Filmchen, in dem Charlie Chaplin als Hitler-Darsteller gegen die Post-Tochter DHL auftritt - frei nach dem Motto "Hail, Deutsche Post". Chaplins brillante Parodie aus dem Film "Der große Diktator", die allein auf Gesten und "deutsche Laute" setzt, bekam dabei durch Untertitel erstmals Worte: "Partnership between DHL an UPS will allow us to control world freight prices", steht da zu lesen - die Partnerschaft von DHL und UPS werde die weltweiten Frachtpreise kontrollieren. Die Botschaft des wenig geschmackvollen Spots: "Deutsche Post will rule the world."

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