Bundesbürgschaft von einer Mrd. Euro
Eigner dringen auf Rettungsplan für Hapag-Lloyd

Für das Hamburger Konsortium „Albert Ballin“ wird die im vergangenen Herbst bejubelte Mehrheitsbeteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd zu einer immer teureren Angelegenheit. Die weltweit fünftgrößten Containerschiffer sind auf einen Zuschuss von bis zu 1,75 Mrd. Euro angewiesen, heißt es in Kreisen der Gesellschafter. Den Löwenanteil der Hapag-Hilfe sollen Banken als Kredit bereitstellen.

HAMBURG. Die Summe soll sich offenbar aus einer maximal 750 Mio. Euro schweren Eigenkapitalerhöhung durch die Gesellschafter und einer angedachten Bundesbürgschaft über eine Mrd. Euro zusammensetzen. Die Führungsgremien der beteiligten Unternehmen und die Stadt Hamburg, die ebenfalls Teil des Konsortiums ist, sollen die Details noch im Juli genehmigen.

Derzeit rechne die Reederei noch die Details des Finanzbedarfs durch, berichten Beteiligte. Für kommende Woche hat Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses angeregt. „Dann müssen die Karten auf den Tisch“, hieß es in Senatskreisen. Es sei noch keine Festlegung über die genaue Höhe der Summe erfolgt, sagte ein Sprecher der Finanzbehörde auf Anfrage. Die 1,75 Mrd. Euro nannte er „ein Rechenbeispiel“.

Nach den auf einer Gesellschafterversammlung am Mittwoch diskutierten Szenarien des Sanierungsplanes entfielen auf den Hannoveraner Reisekonzern Tui, vormals Alleineigentümer der Reederei und jetzt zu 43 Prozent beteiligt, 325 Mio. Euro. Tui-Chef Michael Frenzel dürfte die Hapag-Hilfe am Freitag auf der turnusgemäßen Sitzung seines Aufsichtsrates beraten lassen, hieß es in Unternehmenskreisen. Das Hamburger Konsortium, zu dem neben der Stadt der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne sowie die Finanzinstitute HSH Nordbank, MM Warburg, Signal Iduna und Hansemerkur gehören, soll 425 Mio. Euro beisteuern. Die Höhe richtet sich nach dem Anteil an Hapag-Lloyd.

Auf die Hansestadt, die sich mit fast einer halben Mrd. Euro zu 23 Prozent an der Reederei beteiligt hat, käme demnach eine Belastung von 170 Mio. Euro zu. Politisch ist das brisant. Hamburg musste bereits einen Kredit in Höhe von 1,5 Mrd. Euro zur Rettung der angeschlagenen HSH Nordbank aufnehmen.

Den Löwenanteil der Hapag-Hilfe sollen Banken als Kredit bereitstellen. Im Gespräch ist eine Mrd. Euro. Bürgen soll dafür der Bund. Offiziell liegt noch kein Antrag vor, aber in Berlin sei vorgefühlt worden, heißt es. Im Fall von Hapag-Lloyd könne man die Probleme auf die Wirtschaftskrise zurückführen. Das ist die Voraussetzung für eine Bundesbürgschaft, etwa über die Förderbank KfW. In Folge des weltweiten Abschwunges sind die Frachtraten in der Schifffahrt eingebrochen. Hapag-Lloyd machte im ersten Quartal ein Minus von 222 Mio. Euro. Die Finanzspritze von 1,75 Mrd. Euro soll alle derzeit überschaubaren Eventualitäten abdecken.

Im Überschwang der Freude, nach Jahren in der Hand von Tui eigenständig zu sein, hatte sich Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt im vergangenen Oktober zu einer Jobgarantie für die 7 500 Beschäftigten verleiten lassen. Vor den Gesellschaftern räumte er ein, dass dies ein grober Fehler gewesen sei. Die Unternehmensberater von Roland Berger erarbeiten derzeit ein Kostensenkungs-Programm. Ohne Abbau von Arbeitsplätzen dürfte das kaum gehen. Die Gesellschafter wollen sich im Juli erneut zusammensetzen. Problematisch ist die Rolle von Kühne. Bei der Sitzung am Mittwoch war er nicht dabei. Der in der Schweiz lebende Unternehmer gilt als unkalkulierbar. Mit seinem Ruf nach Staatshilfe und Kritik am Hapag-Vorstand hatte er ein Schlaglicht auf die Probleme der Reederei geworfen.

Den Rivalen NOL aus Singapur trifft die Krise ebenfalls: Die Nummer acht der Großreedereien muss auch eine Kapitalerhöhung vornehmen. Daran beteiligt sich NOLs Mehrheitsaktionär, der Staatsfonds Temasek.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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