Burger King
Betriebsrat als Beilage

Bei Burger King haben es Arbeitnehmervertreter derzeit nicht leicht. Jedenfalls wenn sie in einer von rund 90 Filialen arbeiten, die im Mai den Besitzer wechselten. Es hagelt Klagen, die Gewerkschaft NGG ist aufgebracht.
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Düsseldorf/BochumMit dem Werbeslogan „Geschmack ist King“ geht Burger King in Deutschland auf Kundenjagd. Doch in mehr als 90 deutschen Filialen scheint es nur einen „King“ zu geben: Ergün Yildiz, der die Burger King GmbH im Mai übernommen hat und seitdem sprichwörtlich die Krone auf hat. Bis dahin betrieb der amerikanische Burger-Bräter die bisher offenbar defizitären Filialen in Eigenregie.

Mit dem Verkauf wechselten auch die letzten konzerneigenen Läden in Deutschland an einen Franchise-Nehmer. Eine Strategie, die Unternehmenschef Daniel Schwartz Burger King auferlegt hat, um die Rendite zu steigern. Im zweiten Quartal sind die Erfolge der Neuaufstellung bereits sichtbar: Der Gewinn stieg um 30 Prozent auf 63 Millionen Dollar – was den Besitzer freut, den Finanzinvestor 3G Capital. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter.

Viele fühlen sich seit dem Verkauf wie die Rindfleischscheiben im Burger: Frisch gegrillt und eingequetscht zwischen Brötchenhälften und Käse. Den rund 3000 Beschäftigten der Burger King GmbH wird seit Mai einiges zugemutet, berichten Betroffene und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG).

Geschäftsführer Yildiz hatte als erste Maßnahme alle Betriebsvereinbarungen gekündigt. Der geltende Tarifvertrag wurde offenbar mehrfach ignoriert, Mitarbeiter sollen teilweise nur noch 6,50 Euro pro Stunde statt des Tariflohns (Stufe 3) in Höhe von 8,55 Euro erhalten haben. Auch bei Mehrarbeitszuschlägen und dem Urlaubsgeld soll es Beschwerden gegeben haben. Yildiz wollte außerdem Umkleidezeiten nicht mehr als Arbeitszeit anerkennen. Nur nach großem Protest der Arbeitnehmervertreter nahm der Fast-Food-Unternehmer die Entscheidungen wieder zurück.

„Wir werden als Parasiten angesehen“, sagt ein Mitarbeiter einer Burger-King-Filiale im Ruhrgebiet zu Handelsblatt Online. Es herrsche ein Arbeitsklima der Angst. Dazu regiere die Unsicherheit, denn viele Beschäftigte stünden vor einer ungewissen Zukunft: Befristete Arbeitsverträge würden in den mehr als 90 Yildiz-Filialen generell nicht mehr verlängert, heißt es von Mitarbeitern. Stattdessen setze die Burger King GmbH auf Aushilfen, die oft nicht einmal deutsch sprächen. Ausländische Studenten, die in Deutschland eine Hochschule besuchen, würden bevorzugt eingestellt – sie können sich kaum wehren gegen schlechte Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung unter Tarif.

Die Schnellrestaurantkette geht offenbar gezielt gegen unbequeme Arbeitskräfte vor. „Mir hat ein Bezirksleiter von Burger King vor ein paar Wochen offen gesagt: ,Wenn wir wollen, finden wir immer einen Fehler!‘“, sagt der Filialmitarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Fehler führen zu Abmahnungen oder fristlosen Kündigungen.

Kommentare zu " Burger King: Betriebsrat als Beilage"

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  • tja eigentlich fand ich burgerking ganz gut... aber bei dieser Behandlung der Mitarbeiter ist jetzt golden M angesagt... bestimmt nicht viel besser... aber vom Betriebsrats Fresser hat man da noch nicht gehört... na dann Mahlzeit! ;-)

  • Wohin das führt, wenn ständig Druck auf die Arbeitskräfte ausgeübt wird, ein Klima der Angst entstanden ist,..............

    Da habe wir bei Schlecker erlebt.

    Ergün Yildiz wird eine böse Überraschung erleben.

    geschieht im recht.

    Er hats verdient zu stürzen.

  • Ergün Yildiz hält sich für besonders schlau. Er macht die Rechnung leider nur ohne den Kunden. Der reagiert nämlich sehr sensibel auf Mitarbeiter, die nicht verstehen, was man will, die unzufrieden und demotiviert sind, weil sie in einer ständigen Atmosphäre von Druck und Angst arbeiten. Mittelfristig werden die Kunden abwandern und dann geht's mit den Zahlen wieder schön bergab, Herr Yildiz. Versprochen!

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